Filmporträt

Ralf König zeichnet Comics, die schwul machen

"König des Comics" ist ein Filmporträt des Zeichners Ralf König. Auf der Bühne stand er nicht immer nur mit Comic-Lesungen, sondern auch als Transe.

Auf die Frage, ob man von Ralf Königs Comics schwul werden könnte, antwortet ein heterosexueller Fan mit einem strahlenden „Ja!“ Das ist nicht ernst gemeint, zeigt aber sehr schön das Phänomen Ralf König, der mit seinen schwulen Alltagsgeschichten wie „Der bewegte Mann“ und „Das Kondom des Grauens“ ein Millionenpublikum weit über die eigentliche Zielgruppe hinaus erreicht.

Der Berliner Filmemacher Rosa von Praunheim hat einen sehr menschelnden Dokumentarfilm über den Erfolgszeichner gedreht, der vor allem den Mann hinter dem Phänomen zeigt statt dieses zu analysieren. Er lässt den 51-Jährigen witzig und reflektiert seine Lebensgeschichte ausbreiten, von der Kindheit in der westfälischen Provinz, der Tischlerlehre und den ersten schwulen Erfahrungen, schließlich dem Umzug nach Köln, wo er seitdem lebt.

Königs Comics halfen beim Comingout

Jugendfreundinnen kommen ebenso zu Wort wie spätere Weggefährten, Hella von Sinnen etwa oder Joachim Król , der in der Kinoversion von „Der bewegte Mann“ mitspielte. Und nie ein böses Wort. Alle lieben Ralf. Kritik übt nur der Meister selbst, wenn er etwa seine gekritzelten Jugendsünden aus dem Giftschrank holt.

Von Praunheim erlaubt sich als gefälliger Dokumentarist einen Trick: Er organisiert ein Treffen mit einem schwulen König-Fan aus der Schweiz, der euphorisch Fragen stellen und erzählen darf, wie ihm die Comics beim Comingout geholfen haben.

So schafft der Film eine Perspektive, die ohne Scham wohlwollend ist und zeigt, welchen Einfluss Königs Bücher hatten und haben. Interessant wird es, wenn sich König, der heute mit Comic-Lesungen auf der Bühne steht, in frühen Filmaufnahmen als Rampensau erweist und in jungen Jahren als Transe Elvira Brunftschrei in der Szene auftrat. Davon hätte man gerne mehr gesehen.

So ist „Der König des Comics“ vor allem ein vergnügliches Filmporträt für Fans und eine Huldigung an den Comiczeichner. Eine Erklärung, warum die halbe Nation über Königs Knollennasenmännchen lacht und wie er mit seinem schwulen Humor womöglich für mehr gesellschaftliche Akzeptanz gesorgt hat als jedes Gesetz, liefert der Film aber nicht.