ARD auf der Suche

Powerweiber für den Rettungseinsatz bei Gottschalk

Lippgloss oder Ladenhüter? Das Erste sucht eine Partnerin, die Gottschalk aus dem Jammertal der Quoten hilft. Es gibt mehr potenzielle Kandidatinnen als gedacht. Eine Auswahl.

Foto: pa/dpa (4), SVEN SIMON; dapd / pa/dpa (4), SVEN SIMON; dapd/ZB/Thomas Schulze, Jochen Lübke, Kathrin Streckenbach, Jörg Carstensen, Henning Kaiser, Frank Hoermann

Nein, Thomas Gottschalk hat nicht bei RTL angeheuert. „Gottschalk sucht Frau“, das ist nicht der Titel einer neuen Dokusoap, die den noch rüstigen ARD-Newcomer dabei begleitet, wie er Rockzipfel bei der Ü-60-Party oder beim Tuppern in der Seniorenbegegnungsstätte castet. Es ist vielmehr der vorläufige Höhepunkt eines Trauerspiels, das die ARD derzeit auf seine Serienreife testet.

Seit knapp zwei Monaten krebst der Hauptdarsteller nun schon mutterseelenallein in der Todeszone zwischen 19.20 Uhr und 19.50 Uhr herum, doch immer weniger Zuschauer wollen ihm dabei zuschauen. „Gottschalk Live“, das ist Frühstücksfernsehen für Zuschauer, die lieber Schäfchen zählen, statt auf die Late Night zu warten. Irgendwie steckt der Wurm in diesem Konstrukt. Das versprochene Brainjogging entpuppte sich als Braindrain. Wenn sich schon der Moderator nicht die Namen seiner Gäste merken kann, wie sollen es dann die Zuschauer schaffen?

So geht das nicht weiter, mag sich die derzeitige ARD-Vorsitzende Monika Piel beim Blick auf langsam, aber stetig bröckelnde Quote gedacht haben. Gottschalk braucht eine Partnerin. Eine „unbekannte, freche, kluge Frau“ soll sich der Moderator – wenn schon, denn schon – gewünscht haben. Eine, die sich vor Beginn der Sendung vergewissert, dass sein Kopf zwischen den Schultern sitzt und ihm auch sonst die Bälle zuspielt.

Das Casting für eine Assistentin hat bereits begonnen. „Morgenpost Online“ hat ein paar Kombinationen durchdacht, die denkbar wären. Denn laut nachdenken, darf man ja mal.

Blondinen-Talk mit Daniela Katzenberger?

Frech und klug und spontan? Diese Eigenschaften sind nicht zwar die ersten, die einem zu Daniela Katzenberger einfallen. Doch hey, was nutzt der Intellekt, wenn die Haarfarbe nicht stimmt? Und was zählt eine Eins in Grammatik, wenn die Frau den Charme einer Tiefkühltruhe versprüht? Dieses Kalkül lag schon der Wahl der ehemaligen Assistentin zugrunde, die ihren Job wider Erwarten so souverän erledigte, dass sie das ZDF am Ende beinahe lieber ohne ihren Vorgesetzten auf die Bühne gelassen hätte: Michelle Hunziker (35).

Daniela Katzenberger (25) dagegen könnte Thomas Gottschalk nicht nur ein paar ihrer eine Million Facebook-Freunde abgeben. Sie könnte das Spektrum der Boulevard-Spätlese auch um die bislang schmählich vernachlässigten Themen wie Intimpiercing, Lippgloss und Bad-Hair-Day bereichern.

Einziger Nachteil: Die „Katze“, wie sich der Liebling des Reality-TV selber nennt, neigt zur Unberechenbarkeit. Es könnte passieren, dass sie mitten in der Sendung über den Boden kriecht, um eine verloren gegangene Wimper zu suchen – oder dass sie prominente Gäste wie König Karl Lagerfeld mit der Frage verschreckt: „Haste mal `nen Tempo-Taschentuch?

Coolness á la Katrin Bauerfeind

So etwas würde Thomas Gottschalk mit Katrin Bauerfeind (28) nicht passieren. Der liebe Gott hat ihr nicht das Hirn geschenkt, damit sie es in einem rosafarbenen Rucksack spazieren trägt. Nein, sie nutzt es lieber, um ihren „ Ehrensenf “ zu Themen zu geben, die die Welt bewegen.

Weil die Journalistin als Sidekick von Harald Schmidt unterfordert war, hat ihr ZDFkultur eine eigene Talkshow spendiert. Genau das aber ist der Haken. Erstens ist es die Chefin jetzt gewohnt, in ihrer eigenen Sendung zu rauchen. Zweitens wäre sie für den Job als Gottschalks Souffleuse überqualifiziert. Vermutlich würde sie das intellektuelle Vakuum der Show nicht füllen, sondern es erst sichtbar machen. Auch wieder doof.

Ladenhüter-Talk mit Britt Hagedorn

Bei Britt Hagedorn (39) sähe das für unseren Mann aus Malibu schon anders aus. Die letzte Daily-Talkerin im deutschen Fernsehen spricht nicht nur Klartext, sie könnte dem Gastgeber auch mühelos über jede Saure-Gurken-Zeit hinweghelfen. Schließlich beherrscht sie die Kunst, auch Ladenhüter wie das leidige Thema Übergewicht als Must-have der Saison zu verkaufen.

Beim „Talk um eins“ bei Sat.1 haben sich ihre Tricks bewährt. Einfach eine knackige Überschrift aus dem Handgelenk schütteln: „Fettmagnet – an Dir bleibt jede Pommes kleben!“ Den Lounge-Sessel gegen Steh-Hocker austauschen. Den Rest erledigt ihr wichtigster Kollege: Der Lügen-Detektor. Krawumm!

Bleibt bloß noch die Frage, welche Rolle Thomas Gottschalk in diesem Krawall-Talk übernehmen soll. Genau daran könnte das Experiment mit Britt scheitern. Gottschalk will Chef im Ring bleiben, koste es, was es wolle. Als Sandsack wäre er sich zu schade.

Fachkompetenz von Katharina Saalfrank

Was Super-Tommy jetzt braucht, das ist eine Super-Nanny. Eine Frau, die ihn höflich, aber bestimmt auf die stille Treppe setzt, wenn er Warnungen vor verbaler Inkontinenz wieder konsequent ignoriert. Ursula von der Leyen (53) wäre dafür zwar genau die Richtige, die Bundesministerin hat aber mit dem Kampf um die andere Quote schon genug zu tun.

Die Luft ist also rein für Katharina Saalfrank (40). Sie könnte mit den Gästen nicht nur Yoga machen, um sie dort abholen, wo sie stehen. Aus dem Off könnte sie auch ihren Gemütszustand während der Sendung analysieren und dem Moderator dezent per Handzeichen darauf hinweisen, ob sein Gegenüber auf 180 ist oder schon eingeschlummert. Ob die gute alte Tante ARD diese RTL-Methoden duldet, ist jedoch fraglich. „Gottschalk live“ firmiert schließlich als Entertainment, nicht als Help-TV.

Die tierische Notlösung

Blieben also noch die Pudel der Jacob Sisters. Tiere im Fernsehen laufen immer, lautet ein ungeschriebenes Gesetz. Am besten solche, die auf Kommando in Waden beißen oder Männchen machen.

Bei den Schoßhunden der sächsischen Gute-Laune-Granaten Johanna (72), Rosi (70), und Eva (68) ist zwar nicht ganz sicher, ob sie einen Schnipsel haben. Aber vielleicht ist das auch gar nicht so wichtig. Treuere Assistenten/Innen als „Drei Pudel für Tommy“, wird die ARD nirgendwo finden. Bloß die Frauchen müssten sie während der Sendung anleinen.