Horrorfilm

Wenn der Schwarze Mann am Kinderbett steht

Er raubt den Kleinen ihre Gesichtszüge: Mit dem gesichtslosen Schattenmann bereichert "Intruders" des Spaniers Juan Carlos Fresnadillo den Horror-Kosmos.

Die Monster, die tagsüber im Unterbewusstsein der Menschen schlummern und des Nachts aus ihm hoch steigen, kennen weder Grenzen noch Entfernungen oder gar die Zeit. Sie sind allgegenwärtig und letzten Endes vielleicht sogar ewig. Zumindest suggeriert das Horrorkino dies seinem Publikum mit all seinen Fortsetzungen und Remakes.

Mit „Intruders“ hat der Spanier Juan Carlos Fresnadillo der bald schon endlosen Galerie von Monstern, die nachts in den Zimmern der Kinder und Jugendlichen aus dem Schrank herauskommen oder unter dem Bett hervor kriechen, noch ein weiteres hinzugefügt: den Schattenmann, ein verlorenes gesichtsloses Wesen, das in den Nächten durch die Straßen der Welt zieht und nach einem Kind sucht, dem es seine Gesichtszüge rauben kann.

Die Psychologin wird eingeschaltet

In Spanien wird der achtjährige Juan (Izán Corchero) von dem Schattenmann verfolgt. Jede Nacht kommt er von neuem in das Zimmer des Jungen und bedroht dabei auch dessen Mutter Luisa (Pilar López de Ayala), die sich in ihrer Not schließlich an einen jungen, von Daniel Brühl gespielten Pater wendet .

Hunderte Kilometer entfernt, in einem idyllischen Vorort Londons, entdeckt die nur ein paar Jahre ältere Mia (Ella Purnell) versteckt in einem Baum einen alten, vergilbten Zettel, auf dem der Anfang der Geschichte vom Schattenmann steht. Fortan wird auch sie von diesem Nachtmahr verfolgt und bedroht. Selbst ihr Vater John (Clive Owen), ein erfolgreicher Unternehmer, sieht den Schattenmann. Nur glauben ihm das weder seine Frau Susanna (Carice van Houten) noch die von ihr eingeschaltete Psychologin Rachel (Kerry Fox).

Ein Monster und zwei Geschichten, die sich ergänzen und widersprechen, die sich gegenseitig spiegeln und den Blick doch verzerren. Im altmodischen, katholischen Spanien dreht sich alles um Schuld, die Menschen einmal auf sich geladen haben, und das ewige Böse, das auch vor einem Kind nicht haltmacht. Daniel Brühls noch junger, aber im Glauben schon gänzlich erstarrter Pater schlägt sogar einen Exorzismus vor.

Der Vater gerät selbst unter Verdacht

Auf eine derartige Idee käme in London, dieser hypermodernen Metropole der Weltfinanz, natürlich niemand. Dort haben Psychologen und Sozialarbeiter das Sagen und betrachten jede Form von Glauben, selbst die Angst vor dem „Schwarzen Mann“, als psychische Störung und Verletzung: Und so gerät John, der besorgte, von Dämonen geplagte Vater, bald selbst in Verdacht . Ein Mädchen, das Angst vor einem Mann hat, der nur nachts kommt und sie bedrängt, muss eben missbraucht worden sein.

Die Kontraste, mit denen Juan Carlos Fresnadillo arbeitet, sind ohne Frage ungeheuer reizvoll. Schließlich greifen sie auf zwei zentrale Traditionslinien des Horrorgenres zurück. Nur verschenkt der Spanier die Möglichkeiten, die sich aus dem Dualismus ergeben, an einen Film, der einem aufwendigen Kunststück eines Illusionisten gleicht. Eigentlich ist alles ganz offensichtlich, wenn man nur genau aufpasst und sich nicht ablenken lässt. Zugleich macht Fresnadillo aber alles, um einen zu täuschen und hinters Licht zu führen, und verzettelt sich dabei in billigen Taschenspielertricks.