Eishockey

Wie die Toten Hosen die Düsseldorfer EG retten wollen

Die Toten Hosen haben ein Herz für in finanzielle Not geratene Düsseldorfer Sportvereine. Nach der Fortuna engagieren sie sich nun bei der kriselnden DEG.

Zuerst einmal Respekt. Es gab schon viele Vereine in Deutschland, denen die finanziellen Sorgen den Blick in die Zukunft vermiesten. Das führte auch zu allerlei kreativen Ideen bei der Suche nach einem Ausweg aus dem Desaster: Die Fans spendeten Blut, Aktien wurden verkauft. Aber ganz ehrlich, einen Klub für das Weltkulturerbe der Unesco ins Spiel zu bringen, auf etwas derart Schräges ist vor der Düsseldorfer EG noch niemand gekommen.

Gut, das Ganze wirkte surreal. Es hat auch keine Aussicht auf Umsetzung. Aber die DEG, der achtmalige deutsche Eishockey-Meister, erzeugte damit landauf und landab viel Interesse, und genau das ist derzeit für die DEG überlebenswichtig: interessant zu sein.


Kein PR-Gag

Jetzt kommen die Toten Hosen ins Spiel, deutsche Helden des Punk, aus Düsseldorf stammend. Und das ist nicht nur ein PR-Gag. Beide Seiten kämpfen nun mit vereinten Kräften dafür, dass der Klub auch nächstes Jahr noch in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) spielt.

Etwas verstörend war nur, dass der Pakt für die Zukunft des Klubs ausgerechnet dort verkündet wurde, wo die Vergangenheit liegt, im Eisstadion an der Brehmstraße. Ein Ort voller Tradition, gewiss, und auch der Ort, wo die Musiker der Toten Hosen schon als Kinder zur DEG gingen. Aber eben auch ein Symbol dafür, was in Düsseldorf schief gelaufen ist.

Nach dem Umzug kam der Klub nie an in der neuen Großarena, die Zuschauer blieben weg. Auch deshalb ist es nun so schwer, die DEG zu retten.

Aber die Hosen wollen es versuchen, sie sind schließlich erfahrene Krisenmanager. „Wir standen 2001 schon einmal da und haben der totgesagten Fortuna auf die Beine geholfen. Daraus beziehe ich meinen Optimismus“, erzählte Sänger Campino.


2,5 Millionen Euro fehlen

Damals war der örtliche Fußballklub in der vierten Liga versunken. Inzwischen strebt Fortuna in die Bundesliga. Will die DEG nun in der DEL bleiben, müssen gut 2,5 Millionen Euro zusammenkommen, weil der bisherige Hauptsponsor sein Engagement zum Saisonende einstellt.

Allein werden die Toten Hosen die Summe nicht aufbringen. Sie wollen etwas beitragen, „der Aktion ein Gesicht geben. In der Euphorie um die Fortuna wurde vergessen, dass es der DEG schlecht geht. Es ist klar, dass wir nicht achselzuckend danebenstehen. Wie jeder anständige Düsseldorfer haben wir gedacht, dass wir was tun müssen“, sagte Campino.

Sie wurden erstes Mitglied im neu gegründeten „DEG-Club 2012“. Der beinhaltet „Bekenner“- und „Retter“-Pakete im Wert von 10.000 und 20.000 Euro. Dafür erhält der edle Spender dann Business-Plätze und mehr. Die Band ist nun Bekenner, Campinos Bruder auch, er wurde zum Kauf überredet.


"Alles aus Liebe"

Das ist aber nicht alles, was die Toten Hosen tun. Auf den Warmlauftrikots der Mannschaft wird das Totenkopflogo der Band prangen. Ebenso der Schriftzug „Alles aus Liebe“, ein alter Songtitel. Das geht ans Herz.

Aus Sicht der Macher hoffentlich auch ans Portemonnaie. Für 79 Euro ist das Trikot zu kaufen. Und einmal vielleicht als offizielle DEL-Spielkleidung zu sehen. Geht es nach Campino, dann am liebsten gegen die verhassten Kölner.

Vielleicht funktioniert der „DEG-Club 2012“. „Es gibt erste Zusagen und viele positive Signale“, sagt Geschäftsführer Elmar Schmellenkamp. Schon vor der Gründung des „Clubs“ kam das Versprechen einer anonymen Spende über 700.000 Euro.

Die Stadt hilft auch mit

Auch die Stadt will sich beteiligen und einmalig 450.000 Euro zahlen. Zumindest die nächste Saison in der DEL zu verbringen, ist nicht unrealistisch. Wie weit die Euphorie am Ende trägt, wird sich zeigen. Schmellenkamp gibt zu, durch den Großsponsor die Basis verloren zu haben: „Wir müssen in unserer Sponsorenpyramide den Anschluss finden.“

Eventuell können die Toten Hosen helfen, indem sie vor oder nach jedem DEG-Spiel ein paar Liedchen singen. Das dürfte für viele interessant genug sein, in die Arena zu kommen.