Der alte Mann weiß noch immer gut, welche Hebel er bedienen muss. 81 Jahre zählt Viktor Tichonow bereits, trotzdem hat ihn seine Leidenschaft fest im Griff. So fest wie er damals alles im Griff hatte, als er ZSKA Moskau zur Legende machte. Als ZSKA das Eishockey war – und Eishockey ZSKA. Der beste Klub der Welt, mit dem schönsten Spiel. Das war zu Sowjetzeiten, doch die sind lange her.
Den Status von einst hat der Klub längst verloren, fast wäre er sogar untergegangen. Hätte nicht der alte Trainer, der nicht von ZSKA lassen kann und nun der Klubpräsident ist, eine Idee gehabt. Er wandte sich an Wladimir Putin, den Premierminister Russlands und warb für das alte Wahrzeichen des russischen Stolzes.
Jeder weiß ja inzwischen, wie empfänglich Putin für alles ist, was das Prestige von Mütterchen Russland mehrt. Und wie sehr es ihm am Herzen liegt, das Streben des Landes nach Geltung auf sportlicher Ebene zu untermauern.
Putin war schockiert
Der mächtigste Mann Russlands ließ sich denn auch nicht lumpen, er arbeitete intensiv daran, dass die Olympischen Winterspiele 2014 nach Sotschi vergeben wurden. Im selben Jahr darf sich der Schwarzmeerort über einen Grand Prix der Formel 1 freuen. Auch bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 nach Russland mimte Putin den zentralen Fürsprecher für sein Land.
Im Vergleich zu den unvorstellbaren Milliardensummen, allein zwölf sind es an Baukosten für Olympia, klopfte Tichonow mit einem sehr bescheidenen Begehr bei Putin an. Er will ZSKA wieder in altem Glanz erstrahlen lassen, wieder Siege feiern und nicht mit ansehen, wie der Verein langsam seinem Ende entgegensteuert.
„Ich war schockiert darüber, was Viktor Tichonow zu sagen hatte“, erzählte Putin nach einem Treffen. Erfolglosigkeit und Schulden, so sah kürzlich noch die Gegenwart dieses einstigen Symbols aus. Putin zögerte nicht: „Also entschieden wir, Rosneft zu fragen, die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit dem Klub auszuloten.“
Neuer "Superklub"
Der staatliche Energieriese stimmte natürlich zu, den sowjetischen Serienmeister zu unterstützen. Jetzt ist er Mehrheitseigner beim Klub der Roten Armee, und Putin spricht von einem neuen „Superklub“.
So einzigartig wie früher wird ZSKA trotzdem nicht mehr werden. Mit Tichonow an der Bande und den unvergleichlichen Larionow, Makarow, Krutow, Fetissow, Kassatonow und Tretjak auf dem Eis waren selbst die Gegner aus der nordamerikanischen NHL nur kleine Fische.
Für ihre Perfektion mussten die Spieler einen hohen Preis zahlen. Sie lebten fast ausschließlich in der sogenannten Basa, kaserniert, und absolvierten „ein Training, das einer Selbstkasteiung gleicht, mit den Hanteln als Büßerhemd und dem Intervalltraining als Buße. Der Oberstleutnant Viktor Tichonow war ein Meister der Tyrannei“, wie es Wjatscheslaw Bykow in seinem Buch „Blockwechsel“ beschreibt.
Die Zeiten sind nun andere, eine so gnadenlose Diktatur ist nicht mehr durchsetzbar. Selbst im russischen Sport nicht.
Einige Millionen, wie viel genau wurde nicht verraten, macht Rosneft nun locker für ZSKA, aber „nicht gedankenlos“, wie Putin betont. Infrastruktur und Nachwuchsarbeit sollen verbessert werden, innerhalb von zwei Jahren möchten die Verantwortlichen des Klubs zudem einen wettbewerbsfähigen Kader aufbauen.
Das soll bald wieder zu Titeln führen. Doch der Markt ist härter als damals, inzwischen werden einfach zu viele Klubs in der KHL von Öl-Multis unterstützt.




