Theaterkritik

"Ich bin nicht Rappaport" - amüsant und berührend

Das Stück von Herb Gardner im Berliner Schlosspark Theater "Ich bin nicht Rappaport" bietet fettes Futter für Schauspieler, das Dieter Hallervorden und Joachim Bliese könnerisch genießen.

Schmuddel-Ecke im Central Park, New York City. Raues Herbstwetter. Parkbank, zwei alte Männer: Der Brooklyner Jude Nat, der Schwarze Midge aus Harlem. Nat war Kneipenkellner und flog raus wegen seiner großen Klappe; Midge betreute in einem Wohnblock die Heizungsanlage.

Modernisierung machte ihn arbeitslos und apathisch. Nat hingegen bleibt das Energiebündel: Ein rebellischer Rentner, der mit altlinkem Idealismus und unausrottbarem Gerechtigkeitssinn sowie durchtriebenen Spinnereien die Lebensgeister von Midge wieder aufweckt. Der versierte Broadway-Autor Herb Gardner (1934-2004) hat sein aus Lakonie und Bitterkeit gemixtes Stück "Ich bin nicht Rappaport" dem Leben kleiner Leute abgelauscht. Dieter Hallervorden spielt am Schlossparktheater den Nat, die freche Volksausgabe vom weisen Nathan. Und Joachim Bliese ist sein grantelnder Gegenspieler Midge auf der Bühne. So weit, so gut.

Nur: Im Internet müssen sich die Macher mit dem Vorwurf des "Blackfacing" auseinandersetzen. Dass ein weißer Schauspieler mit viel schwarzer Schminke einen Afroamerikaner spielt und dieses Motiv auch plakatiert wurde, erinnert Kritiker an eine rassistische Schauspieltradition der USA. Theaterchef Dieter Hallervorden sagt zu den Vorwürfen in einer längeren schriftlichen Stellungnahme: "Leute, lest das Stück - dann werdet ihr erkennen, das es glücklicherweise keinen Raum für Rassismus bietet. Dennoch nehme ich schweren Herzens zur Kenntnis, dass sich, ohne dass dies je unsere Absicht gewesen ist, Menschen verletzt fühlen. Wir werden auf deren Gefühle Rücksicht nehmen, indem wir uns Gedanken über eine andere Form der Werbung machen."

Auf der Bühne indes gibt Gardners tragikomischer Aufstand gegen die Schmerzen des Altseins, Einsam- und Abgestelltwerdens fettes Futter für Schauspieler, das die beiden Protagonisten könnerisch genießen - wie ihre Mitspieler Irene Christ, Karl Heinz Herber, Baris Simsek, Johanna Fohl und Atina Razligh. Freilich: Hallervorden glänzt als schlitzohriger Zampano auf diesem Abenteuerspielplatz jenseits vom Altenheim, der unversehens zum Kampfplatz ums Überleben wird. Mit Fantasie, Witz, Trotz, Mut und auch mal mit dem Rollator geht's gegen Depressionen und sonstige traurige Zumutungen des Daseins. Wunderbar, auch dank Thomas Schendels unaufgeregt feinfühliger Regie. Ein Stückchen Lebenshilfe im Theater; amüsant - und sehr berührend.

Schlosspark Theater, Schloßstraße 48, Berlin, Telefon (030) 789 5667 100. Die nächsten Termine hier , Karten gibt es hier .