"Ich bin nicht Rappaport"

Rassismusvorwürfe gegen Schlosspark Theater

Im Steglitzer Schlosspark Theater läuft das Stück "Ich bin nicht Rappaport". Schauspieler Joachim Bliese tritt darin auf, mit Schminke zum Schwarzen gemacht. Daran hat sich bei Facebook eine Rassismus-Debatte entzündet. Nun will Hausherr Dieter Hallervorden die Werbung ändern.

Foto: Derdehmel / Derdehmel/Schlosspar Theater

Das Stück "Ich bin nicht Rappaport", das derzeit im Berliner Schlosspark Theater gespielt wird, sorgt für harsche Kritik - was weniger am Stück selbst liegt als an der Besetzung. In den Hauptrollen agieren zwei Männer, einer hell- und einer dunkelhäutig. In der Tragikomödie von Herb Gardner treffen sich die beiden sehr unterschiedliche Senioren regelmäßig auf einer Bank im Central Park von New York. In der Verfilmung von 1996 spielen Walther Matthau und Ossie Davis die beiden Protagonisten. Im Schlosspark Theater sind es Dieter Hallervorden und Joachim Bliese. Bliese wird dabei mit Schminke zum Schwarzen. Das Ergebnis ist auf Plakaten des Stücks an vielen Orten in Berlin zu sehen und hat bei Facebook für eine Debatte gesorgt, die dem Schlosspark Theater Rassismus unterstellt. Das hat nun Folgen: Hausherr Dieter Hallervorden will die Werbung ändern, das Plakat zum Stück.

Das hatte das Schlosspark Theater erstmals am 16. Dezember 2011 auf seiner offiziellen Facebook-Seite gezeigt - dann kamen die Kritiker. Dass ein weißer Schauspieler mit viel schwarzer Schminke einen Afroamerikaner spielt und dieses Motiv auch plakatiert wurde, erinnert sie an eine rassistische Schauspieltradition der USA. In den "Ministrel Shows" des 19. Jahrhunderts traten in den Vereinigten Staaten weiße Darsteller auf. Mit schwarz geschminkten Gesichtern spielten sie als Klischee, den dummen, betrunkenen, dabei aber immer fröhlichen "Neger“ - so, wie sich das weiße Publikum seinerzeit die dunkelhäutige Bevölkerung vorstellen wollte.

Theaterchef Hallervorden äußerte sich zu den Vorwürfen in einer längeren schriftlichen Stellungnahme: "Leute, lest das Stück - dann werdet ihr erkennen, das es glücklicherweise keinen Raum für Rassismus bietet. Dennoch nehme ich schweren Herzens zur Kenntnis, dass sich, ohne dass dies je unsere Absicht gewesen ist, Menschen verletzt fühlen. Wir werden auf deren Gefühle Rücksicht nehmen, indem wir uns Gedanken über eine andere Form der Werbung machen."

Verwiesen wird auch darauf, dass das Stück nicht zum ersten Mal mit einem schwarz geschminkten hellhäutigen Schauspieler in Berlin gegeben wird. Im Juni 2005 zeigte das Renaissance Theater ebenfalls "Ich bin nicht Rappaport“. Mit schwarzer Schminke wurde Ralf Schermuly zu Midge. Eine wahrnehmbare Entrüstung blieb aus.

In den Beiträgen auf der Facebook-Seite des Schlosspark Theaters kam allerdings auch die Frage auf, warum man denn keinen schwarzen Schauspieler engagiert habe. In einer Antwort verweist das Theater darauf, dass Joachim Bliese die Rolle "schon in der deutschsprachigen Erstaufführung 1987 an diesem Hause und dies mit der ausdrücklichen Billigung des Autors Herb Gardner" gespielt habe. Und dass es zudem kaum schwarze Schauspieler in deutschen Ensembles gebe: "Allein deswegen, weil das Stückrepertoire ihnen zu wenige Rollen in einer Spielzeit bieten könnte, die ein Festengagement rechtfertigen." Das wiederum brachte einige Facebook-Nutzer erst richtig in Rage.

Andererseits fragen die Theatermacher aus Steglitz : "Müssen wir künftig Shakespeares 'Othello' in der Bearbeitung von Schlegel/Tieck aus unseren Spielplänen streichen, weil uns ein 'schwarzer Schauspieler' im Ensemble fehlt? Müssen wir auf Friedrich Schillers 'Fiesko' verzichten und auf Bertolt Brechts 'Der gute Mensch von Sezuan'? Wäre Anna Netrebko Rassismus vorzuwerfen, wenn sie die Rolle der Turandot in Puccinis gleichnamiger Oper singen würde, obgleich sie keine Asiatin ist? Oder die der Aida, obwohl sie keine Afrikanerin ist? Darf Gert Voss am Burgtheater nicht mehr den 'Shylock' im Kaufmann von Venedig spielen, da er selbst kein Jude ist?"

Zugleich treten auch Verteidiger des Schlosspark Theater bei Facebook auf. Die sind, was die Zahl ihrer Äußerungen angeht, in der Minderzahl, kennen aber anscheinend mehrheitlich das Stück: "Das Stück 'Ich bin nicht Rappaport' sollte man sich unbedingt ansehen, es ist ein lustiges und nachdenkliches Stück. Die beiden Hauptdarsteller hatten sehr viel Spaß beim Spielen und das merkt man. Aber in keinster Weise hat dieses Stück mit Rassismus oder Blackface zu tun. Bitte selbst davon überzeugen", heißt es etwa in einem Kommentar . Und in einem anderen: "Schaut Euch das Stück doch einfach an. ODER wenn ihr das SPT verweigern wollt, dann lest euch das Stück doch wenigstens mal durch ODER seht Euch den Film an! Dann wisst ihr, worum es geht und auch, dass es ein außerordentlich gutes Stück ist und in der Theaterlandschaft ein Juwel, welches man sich nicht entgehen lassen sollte."