"Beat Generation"

Jack Kerouacs beleidigender Brief an Marlon Brando

US-Autor Jack Kerouac hielt sich für genial genug, einen Film zu drehen. Der Brief, in dem er seinen Plan Marlon Brando antrug, wurde jetzt versteigert.

Foto: AP/pa

William S. Burroughs, Allen Ginsberg, Jack Kerouac – das waren die Schriftsteller der "Beat Generation" in den Fünfzigerjahren. Sie rauchten Haschisch, nahmen LSD, stürzten sich in sexuelle Abenteuer, verabscheuten den "amerikanischen Materialismus" und warfen sich allen möglichen, aber auch unmöglichen nahöstlichen Erlösungslehren in die Arme.

Wer wissen will, was mit den Autoren der "Beat Generation" sehr grundsätzlich nicht stimmte, möge einen Brief lesen, den Jack Kerouac anno 1957 an den linken Hollywoodschauspieler Marlon Brando schrieb. (Bei Christie’s wurde dieser Brief – eine maschinengeschriebene Seite – gerade eben für die Kleinigkeit von 33.000 Dollar versteigert.) Kerouac versucht dort, Brando zu überreden, er möge doch bitte die Filmrechte an seinem Roman "On the Road" kaufen und ihn verfilmen; der Schriftsteller erklärt sich großzügig bereit, an Marlon Brandos Seite in jenem Film mitzuspielen.

"Ich könnte Dir zeigen, wie Dean wirklich agiert"

Kerouac weiß schon genau, wie der Film aussehen wird. "Ich stelle mir die schönen Aufnahmen vor, die mit der Kamera auf dem Vordersitz des Autos gemacht werden könnten, sie zeigen, wie die Straße (Tag und Nacht) in die Windschutzscheibe hinein abrollt, während Sal und Dean quatschen." (Sal und Dean sind die beiden Hauptfiguren des Romans.)

"Ich wollte, dass Du die Rolle spielst", fährt Kerouac kumpelhaft fort, "denn Dean ist (wie Du weißt) kein bekloppter Autonarr, sondern ein intelligenter (tatsächlich sogar jesuitischer) Ire." Dann bietet Kerouac dem Schauspieler an: "Ich könnte Dir zeigen, wie Dean im wirklichen Leben agiert, Du könntest Dir das gar nicht vorstellen ohne eine gute Imitation."

In diesem Stil geht es weiter. Er wolle Kino und Theater in Amerika neu erfinden, schreibt Kerouac, "ihm einen spontanen Schub geben", "die Leute delirieren lassen, wie sie es im wirklichen Leben tun." Als Schriftsteller sei er so etwas wie ein "Engel, der auf die Erde zurückgekehrt ist und sie mit traurigen Augen so sieht, wie sie ist". Am Schluss befindet Kerouac, ihm falle das Schreiben von Romanen und Stücken mittlerweile zu leicht, sein jüngstes Stück habe er innerhalb von bloß 24 Stunden zu Papier gebracht.

Seltsam, dass der Brief so glatt ist; keine Falten verunzieren das vollgetippte Blatt. Es zeigt keine Spuren, dass Marlon Brando den Brief zerknüllt und gleich nach Empfang in den Papierkorb gepfeffert hat. Dabei muss er sich beleidigt gefühlt haben. Jack Kerouac stellt von Anfang an klar, dass er alles weiß, alles kann und alles bestimmen wird.

Diese Mischung aus Kumpelhaftigkeit und ziemlich bekiffter Großmannssucht ist schwer zu ertragen. Doch just diese Mischung finden wir auch in den Hauptwerken der "Beat-Dichter" wieder: in "Naked Lunch" von William S. Burroughs, in dem Poem "Howl" von Allen Ginsberg, und auch "On the Road" strotzt davon. 33.000 Dollar für diesen Brief? Das ist eindeutig zu teuer.