Castro-Bilanz

Die Revolution brachte Kuba nur eine Sorte Brot

Vor 50 Jahren putschte sich Fidel Castro in Kuba an die Macht. Die Dokumentation "A Letter to The Future" zeigt, wie wenig sich in dem Land getan hat.

Einer der hierzulande in diesen Tagen am häufigsten ausgesprochenen Neujahrswünsche lautet, dass die Dinge nicht schlechter werden. Die 64-jährige Kubanerin Miriam dagegen spricht zu Beginn von Renato Martins‘ Langzeitdoku „A Letter To The Future“ mit großer Innigkeit die Hoffnung aus, dass sie besser werden mögen.

Es ist alles andere als ein trivialer Unterschied, auch wenn Miriam zwei Lebensjahre und eine Stunde Film später eine etwas magere Bilanz dessen zieht: Die Wasserversorgung in ihrem Wohnblock sei nun viel effektiver organisiert. Das Wasser fließe jetzt praktisch den ganzen Tag über.

Hoffnung auf gelockerte Reisebestimmungen

Ansonsten hofft sie weiter. Vielleicht darauf, dass es auf Kuba eines Tages mehr als eine Sorte Brot geben wird. Oder der Strom weniger oft ausfällt. Oder die Reisebestimmungen gelockert werden. Aber Miriam, die die Revolution vor 50 Jahren als junge Frau mit Begeisterung begleitet hat, ist zu stolz, um solche Details aufzuzählen.

Langzeitdokus bedienen ein menschliches Grundbedürfnis – man will doch immer wissen, „wie es weiter geht“. Selten aber sind sie so frustrierend wie hier bei Renato Martins, der von 2008 bis 2010 verschiedene Bewohner Havannas vor seine Kamera brachte und ein wenig über ihr Leben plaudern ließ.

Die Menschen bekennen sich zum Standhalten

Obwohl er in vielen Einstelllungen schamlos Wim Wenders‘ atmosphärische „Buena Vista Social Club“-Bilder zu kopieren versucht, ist sein Ergebnis von geradezu erstaunlicher Langeweile. Was keineswegs an den Protagonisten liegt. Vielmehr scheint Martins nie richtig zu wissen, was er sie fragen soll.

Dass es ihnen nicht gut geht, dass die Widrigkeiten der Versorgung sie zu dauer-erschöpften Sisyphos-Kämpfern des Alltags macht, das alles ist offensichtlich. Statt zu klagen, flüchten sie sich vor der Kamera in Plattitüden über „den Kubaner“, der „ein Mensch ist, der nichts hat und gleichzeitig alles.“

Tapfer bekennen sie sich zum Dableiben und Standhalten. Sowohl diese Menschen als auch das Land in seiner Fidel-Agonie hätten ein aufschlussreicheres, entschiedeneres Beobachten verdient.