Brühl als Lauda

"Es ist komisch, einen Mythos zu spielen"

In "Rush" wird Daniel Brühl den Formel-1-Weltmeister Niki Lauda spielen. Im Interview spricht der Schauspieler über den Rennsport und Sebastian Vettel.

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Der 33-Jährige Daniel Brühl ("Good Bye, Lenin") wird in der US-Produktion "Rush" den dreimaligen Formel-1-Weltmeister Niki Lauda spielen. Regie wird der Amerikaner Ron Howard ("A Beautiful Mind", "Apollo 13") führen. Die Dreharbeiten beginnen 2012.

Frage : Müssen Sie selbst das Autofahren für die Rolle neu lernen?

Daniel Brühl : Ja, ich muss mich da reinarbeiten. Ich bin zwar schon immer ein Auto-Fan und fahre auch gerne schnell, aber das hat nichts damit zu tun, was die Jungs machen. Ich habe mit Kartfahren angefangen vor kurzem in Spanien und danach einen Formel-3-Kurs gemacht. Das war für mich schon ein Wahnsinnerlebnis. In so einer Formel-3-Kiste kam ich mir schon vor wie ein Rennfahrer – das ist aber natürlich lächerlich gegenüber dem, was professionelle Fahrer machen. Es ist für mich wichtig, dass ich ein Gefühl dafür kriege.

Frage : Was fasziniert Sie am meisten am Steuer eines Rennwagens?

Brühl : Es ist die Geschwindigkeit, das Geräusch, so tief über dem Boden zu sein. Einfach das Auto so intensiv zu spüren. Bei der Lenkung, beim Schalten - du spürst einfach alles. Es ist ein irres Erlebnis. Ich hatte danach wirklich Gänsehaut.

Frage : Wie wichtig ist es denn, dass Sie Niki Lauda persönlich kennen und ihn als Bezugsperson haben?

Brühl : Das ist sehr wichtig. Man kennt ihn ja als sehr direkten Menschen. Ich bin froh, dass er mich, glaub ich, ganz gut leiden kann. Ich war schon etwas aufgeregt vor unserem ersten Treffen. Er war aber von Anfang an sehr offen. Es ist irgendwie ein komisches Gefühl, einen lebenden Mythos zu spielen. Da fühlt man sich schon manchmal ein bisschen befangen.

Frage : Waren Sie schon an der Stelle, wo der Unfall 1976 passierte?

Brühl : Ja, da war ich. Da war ein Vintage-Rennen mit Autos aus dieser Zeit. Regisseur Ron Howard war auch dort und hat schon etwas vorgedreht. Ich kenne den Nürburgring ganz gut, weil ich in Köln aufgewachsen und als Kind dort häufig hingefahren bin. Das ist natürlich eine hammerbrutale Strecke und es ist schon eindrucksvoll, wenn man weiß, dass man die Rolle spielen wird und nun dorthin fährt.

Frage : Was denken Sie, wenn Sie sie nun die Bilder von diesem Unfall sehen?

Brühl : Das ist das Faszinierende an dem Rennsport in dieser Zeit, dass man wirklich sein Leben bei jedem Rennen aufs Spiel gesetzt hat. Schrecklicherweise sind auch so viele gestorben. Es war fast unvorstellbar, dass jemand diesen Unfall überleben könnte. Früher wurde die Formel 1 von ihren Typen geprägt.

Frage : Wie viel ist denn nach Ihren Eindrücken davon heute noch übrig geblieben?

Brühl : Es war einfach anders. Aus der heutigen Sicht guckt man fast schon mal ein bisschen neidisch auf die Vergangenheit. Es würde mir gefallen, mal ein Jahr so zu leben wie in den 70ern. Aber wenn ich mir so einen (Sebastian) Vettel anschaue, dann denke ich auch, es ist ein großartiger Typ. Das macht Spaß. Da kann man zurecht Fan sein.

Frage : Wird es ein Lauda-Film sein oder einer über das Duell Lauda gegen Hunt?

Brühl : Der Fokus liegt auf beiden. Wenn ich mir eine Rolle hätte aussuchen können, wäre es genau die gewesen.