Romanverfilmung

Daniel Brühl schwindelt sich durch "Lila, Lila"

Mit seinem Erstlingsroman stürmt David Kern (Daniel Brühl) auf Anhieb die Bestsellerlisten und erobert die schöne Marie (Hannah Herzsprung) damit im Sturm. Doch David ist gar nicht der Autor des Werks. Aus dem Roman "Lila, Lila" ist in der Verfilmung eine romantische Komödie mit überraschendem Ende geworden.

Diesem Mann ist nicht zu trauen. Schon in „Good Bye, Lenin!” hat Daniel Brühl seine Mutter gnadenlos belogen. Um der aus dem Koma Erwachten den (vermeintlichen) Schock zu ersparen, dass ihr Land, die DDR, nicht mehr existiert, unternahm er die wahnwitzigsten Anstalten, den real nicht mehr existierenden Sozialismus zu reanimieren.

In „Dinosaurier“, dem neuen Leander-Haußmann-Film, der Heiligabend startet, spielt er einen schmierigen Banker, der alte Leute übers Ohr haut und sie um ihr Erspartes bringt. Und in der Martin-Suter-Verfilmung „Lila, Lila“ gibt er sich nun als Autor eines Bestsellers aus, den er nie geschrieben hat.

Doch gemach. Richtig fies ist Brühl nur in „Dinosaurier“ – hier übrigens zum ersten Mal in einem deutschen Film. In „Lila, Lila“ agiert er dagegen, ähnlich wie in „Lenin!“, aus Liebe. Nur nicht mehr aus Liebe zur Mama, sondern zu Marie (Hannah Herzsprung), die für ihn unerreichbar scheint. Er ist ja nur ein unscheinbarer Kellner, den keiner wahrnimmt. Sie aber bewegt sich in einem Kreis illustrer Intellektueller.

Da fällt David (Brühl) das Manuskript eines nie veröffentlichen Romans in die Hände, das er flugs als das seine ausgibt – und es Marie zu lesen gibt, um ihr zu imponieren. Das gelingt weit mehr, als es sich der Gute erhofft hat: Marie sendet das Manuskript ungefragt einem Verlag zu; der bringt es groß heraus. Und David, der schüchterne Junge, der sich immer im Hintergrund hielt, steht plötzlich im Rampenlicht und muss Vorlesungen, Autogrammstunden und Interviews absolvieren.

Um Marie nicht zu verlieren, macht er gute Miene zum bösen Spiel. Und dann taucht auch noch ein ominöser Fremder (Henry Hübchen) auf, der sich als der tatsächliche Autor zu erkennen gibt. Er will Davids Spiel mitspielen – aber nur zu seinen eigenen Konditionen.

Martin Suter ist ebenfalls Bestsellerautor. Umso merkwürdiger, dass seine Bücher nicht schon öfter verfilmt wurden. Der Autor gilt allerdings als schwierig. Bei „Lila, Lila“ mag geholfen haben, dass Regisseur Alain Gsponer ein Landsmann von Suter ist. Doch wie das bei Schweizern so ist, haben sie ein anderes, schleppenderes Tempo als unsereins. Was eine Farce auf Starkult und Medienhysterie hätte werden müssen, wird so mehr zur romantischen Komödie.

Dabei wird, größter Schock für alle Buchfans, das finstere Ende gnadenlos umgeschrieben. Martin Suter soll es trotzdem gefallen. Und weil schon die nächste Suter-Adaption gedreht wird, „Der letzte Wyenfeld“ in Zürich, auf Schwyzer Dütsch, die Chemie mit dem Regisseur aber nicht stimmte, wurde der kurzerhand durch Gsponer ersetzt.