Tragikomödie

Wie man eine Tote erfolgreich im Osten entsorgt

Abstruses Roadmovie: In "Die Reise des Personalmanagers" versucht ein Manager, einen Sarg in Osteuropa los zu werden – und trifft den Bruder der Toten.

Der Weg ist das Ziel, dieser Satz ist Grundvoraussetzung jedes Roadmovies. Da macht auch der neue Film des israelischen Regisseurs Eran Riklis („Die syrische Braut“, „Lemon Tree“) keine Ausnahme. Nur leider fährt er seine Geschichte auf halber Strecke in den Graben, auch wenn er sich dabei auf große Reise begibt, sowohl geographisch als auch dramaturgisch.

Eine unbekannte Frau liegt nach einem Bombenanschlag in Jerusalem seit einer Woche im Leichenhaus, weil sie als Immigrantin keine Familie in Israel hat und sie auch sonst niemand vermisst. Erst als ein Boulevardreporter auf die Sache aufmerksam wird, erhält die Tote eine Identität. Yulia Petracke stammte aus Osteuropa und arbeitete als Reinigungskraft in einer Großbäckerei.

Der Sohn der Toten begleitet den Chef

Der Journalist startet eine Hetzkampagne und macht den Betrieb dafür verantwortlich, dass die Frau noch nicht begraben wurde. Die Leiter der Bäckerei kommandieren ihren Personalchef ab, den Sarg öffentlichkeitswirksam in die Heimat zu überführen und für eine würdige Beerdigung im Kreise der Familie zu sorgen. Dabei hat der namenlos bleibende Mann andere Probleme.

Seine Frau hat ihn verlassen, die Tochter ist enttäuscht, weil er nie Zeit hat und die Firma ist unzufrieden mit seiner Arbeit. Mürrisch macht er sich auf eine Odyssee durch ein vereistes, nicht näher benanntes Land im ehemaligen Ostblock, bald unfreiwillig begleitet vom windigen Journalisten, einem trinkfesten Fahrer, dem schrägen Konsul und dem renitenten Sohn der Toten.

Am Ende findet die Tote ihre Ruhe

Durch abstruse Begegnungen, kleine und größere Katastrophen wird aus dem wortkargen Workaholic im Laufe der Reise ein mitfühlendes Sozialwesen. Mit seiner Mischung aus melancholischem Roadmovie, absurder Situationskomödie und Drama wagt sich Riklis mit seiner Gutmenschengeschichte in ähnliche Grenzgebiete wie Paolo Sorrentino mit „Cheyenne – This Must Be the Place“ – und scheitert wie dieser daran, aus den Einzelteilen ein stimmiges Ganzes zu schaffen.

Die Figuren sind eher Stereotypen, der Weg vorhersehbar und die kafkaeske Suche nach dem Sinn des Lebens (Menschlichkeit!) zu allgemein. Am Ende findet er zumindest eine letzte Ruhestätte für die Tote, der einzigen Filmfigur, der Riklis einen Namen zugesteht.