Robert Pattinson

"Als ich pisste, wollten mich 20 Leute begrüßen"

"Twilight"-Star Robert Pattinson spricht im Interview über aufdringliche Fans, miese Anmachen von Frauen und sein hektisches Leben in Hotelzimmern.

Noch 2008 war der Brite Robert Pattinson nur ein unbekannter Jungschauspieler, der es mal zu einer Nebenrolle im vierten "Harry Potter" brachte. Doch seit er den Vampir Edward in der Verfilmung der "Twilight"-Romane gibt, ist er zu einem Medienphänomen geworden. Der neue "Twilight-Film", "Breaking Dawn – das Ende der Nacht 1" startet am 24. November.

Morgenpost Online : Vor drei Jahren begann der "Twilight"-Trubel. Gab es mal Momente, wo Sie dem Widerstand leisteten?

Robert Pattinson : Ja, ganz am Anfang, als ich eine Medienberatung für Interviews absolvieren musste. Die Filmproduzenten waren total sauer auf mich. Denn die Trainer meinten: 'Rob ruiniert alles.' Ich habe alle auf den Arm genommen. Da sollst du einüben, wie du den Inhalt deines Films in zehn Sekunden zusammenfasst. Und es ist egal, was du sagst, Hauptsache, es ist kurz. Oder wir hatten simulierte Interviews, wo der Typ zu mir meinte: "Hallo Rob, ich bin James von CNN..." Ich habe bloß noch gelacht: "Aber du bist nicht James von CNN!" Ich dachte mir: Wenn ich schon einen Vampir spiele, dann darf ich tun und lassen, was ich will.

Morgenpost Online : Jetzt haben Sie alle Filme abgedreht. Sind Sie froh, wenn der Wahnsinn endlich vorbei ist?

Pattinson : Wie ich mich fühle, kann ich Ihnen in einem Jahr sagen. Denn dann kommt der allerletzte Teil ins Kino. Bis dahin muss ich noch Werbung machen. Ich kann's mir auch noch nicht vorstellen. Mir kommt es so vor, als gäbe es nur "Twilight" in meinem Leben. Aber ich bin selbst gespannt, wie mich die Leute in der Zukunft sehen. Denn die ganzen drei Jahre habe ich immer wieder über die gleichen Themen gesprochen.

Morgenpost Online : Was nervt Sie am ganzen Hype?

Pattinson : Es ist immer noch ein bisschen gewöhnungsbedürftig, wenn du 400 Fans vor deinem Hotelzimmer stehen hast, die bis drei Uhr in der Früh deinen Namen rufen. Dann machen sie exakt vier Stunden Pause, und danach geht es wieder los. Und sobald du dein Gesicht zeigst, stehen sie in völligem Schweigen da. Ich bin mir sicher, wenn jeder von ihnen für sich allein wäre, würde er das nie tun, es wäre ihm peinlich. Aber es gibt viele solcher bizarren Episoden: Als ich mal in der öffentlichen Toilette pisste, kamen plötzlich 20 Leute auf mich zu und wollten mich begrüßen. Ich konnte bloß noch sagen: "Moment, ich habe nicht mal meine Hände gewaschen."

Morgenpost Online : Aber es gibt Schlimmeres.

Pattinson : Das stimmt schon. Wirklich lästig ist bloß eines: Sobald du ganz groß raus kommst, dann hast du auch eine große Zahl von Leuten, die dich hassen. Wenn ich mich vor "Twilight" mal gegoogelt habe, dann war jeder Kommentar positiv. Aber sobald dein Bild flächendeckend auftaucht, dann treibt das manche Leute in den Wahnsinn. Zum Glück gibt es aber auch eine Armee von Fans, die mich verteidigen. Das ist fast wie bei einem Sportteam.

Morgenpost Online : Googlen Sie sich immer noch?

Pattinson : Nur aus praktischen Gründen. Um herauszufinden, ob ich in einem Interview etwas Dummes gesagt habe. Damit ich den Schaden begrenzen kann.

Morgenpost Online : Was war Ihre negativste Erfahrung mit der Öffentlichkeit?

Pattinson : Die reicht in die Zeit zurück, als ich keine Ahnung hatte, was mit mir werden sollte. Das war noch in der Schule, mit meiner ersten Freundin. Eigentlich war es nicht mal meine Freundin, sondern nur ein Mädchen, das ich um ein Date gefragt hatte. Da war ich zwölf. Und am nächsten Morgen verbreitete das sich schon wie ein Lauffeuer durch die ganze Schule "Gehst du jetzt mit der-und-der?" – Ich dachte mir nur "Oh Gott!" Ich glaube, ich habe mit dem Mädchen nie wieder gesprochen. Es war mir einfach zu viel Stress. Das ist wie auf dem Aktienmarkt - je mehr die Leute spekulieren, desto schlimmer ist es.

Morgenpost Online : Wir wissen ja, dass Sie mit Kristen Stewart zusammen sind. Aber könnten Sie eigentlich noch ganz normal ein Mädchen zum Date bitten?

Pattinson : Das ist total schwierig geworden. Es gibt viele Mädchen, die mich ganz offen anmachen. Aber die verstehen nicht, dass das total unsexy ist. Ich weiß, für einen Typen ist so ein Statement lächerlich, aber vor den "Twilight"-Filmen wollte keine was von mir wissen. Logischerweise weißt du, dass du das jetzt nicht so ganz ernst nehmen kannst. Ich habe angefangen, Leuten zu misstrauen. Aber das ist auch nicht ganz einfach. Denn manche Leute, die mit mir sprechen wollen, sind wirklich nett. Ich muss also aufpassen, dass ich nicht den Falschen misstraue.

Morgenpost Online : Und wie finden Sie den Unterschied heraus zwischen denjenigen, die Ihr Vertrauen verdienen, und denjenigen, denen Sie die kalte Schulter zeigen?

Pattinson : Wen ich jemand meine Nummer gebe, und die Person ruft mich nicht zurück. Dann kann ich ihr vertrauen. Und wer mich am nächsten Tag anruft, mit dem will ich nie mehr sprechen! (bricht in Gelächter aus).

Morgenpost Online : Wie finden Sie bei einem Filmdreh die Leute, denen Sie vertrauen können?

Pattinson : Das Entscheidende ist, dass ich nicht einfach bloß als Schauspieler daher komme, sondern auch an dem ganzen Entstehungsprozess beteiligt bin, dass ich an Meetings teilnehme. Deshalb will ich ja auch mit produzieren. Die Leute können dann ganz normal mit ihren Problemen zu mir kommen. Aber momentan herrscht noch die Haltung vor "Oh, Robert darf sich über nichts aufregen." Das heißt, die Leute verbergen alles vor dir. Du kommst dir wie ein kleiner Vogel vor, der von einem Käfig aus Sicherheitsmaßnahmen umgeben ist.

Morgenpost Online : Sie wollen also im Endeffekt nicht Robert Superstar sein?

Pattinson : Ich möchte zumindest ganz normal neue Leute kennenlernen können. Wenn du Filme machst und noch dazu ein Star bist, dann ist das so, als würdest du ein einer Zeitblase feststecken. Dadurch fällt es dir auch schwer, menschlich zu reifen. Denn ich höre auch kaum unterschiedliche Perspektiven, sondern erlebe immer nur Unterhaltungen nach Schema F, wo ich immer nur von mir selbst sprechen kann. Und jedes Mal ist es der gleiche triviale Kram, den ich erzählen darf. Wie soll ich da richtig erwachsen werden?

Morgenpost Online : Im neuen "Twilight"-Film werden Sie Vater. Wie kann man das mit so wenig Lebenserfahrung spielen?

Pattinson : Eigentlich weiß doch kein Mann, was er als Vater tun soll, bevor es soweit ist. In meinem Fall war das ziemlich einfach. In den Geburtsszenen musste ich ein richtiges Baby halten, und wenn du so ein schreiendes Bündel trägst, dann bist du einfach vorsichtig. Die wirklich lästigen Teile der Kindererziehung blieben mir sowieso erspart, denn die Vampirtochter sieht ja im Alter von zwei schon wie eine Elfjährige aus. Da ist wie bei einem Hund: Lass sie einfach in Ruhe. Sag ihr nur, dass sie auf die Toilette gehen muss.

Morgenpost Online : Fühlen Sie sich denn gar nicht erwachsen?

Pattinson : Ich würde sagen: Ich fühle mich wohl in meiner eigenen Haut. Das gehört wohl zum Erwachsenensein dazu. Meine Adoleszenz-Probleme habe ich dagegen überwunden. Vor vier, fünf Jahren, dachte ich, ich könnte nicht mehr richtig fühlen. Wenn ich traurig oder glücklich war, kam es mir vor, als würde ich nur so tun als ob. Nichts war für mich echt. Aber ich habe mich dann langsam wieder gefangen.

Morgenpost Online : Wann empfinden Sie jetzt Glück?

Pattinson : Diese Momente sind so schnell vorbei. Kaum wenn du dir bewusst bist 'Oh, ich bin glücklich', denkst du schon wieder an etwas anderes. Ich glaube, es gibt nur ganz wenige Momente im Leben, wo du wirklich Glück empfindest. Und ich bin besessen von dem Gedanken, diese Momente bewusst wahrzunehmen.

Morgenpost Online : Wann war das zum Beispiel der Fall?

Pattinson : Das passierte bei den absurdesten Gelegenheiten. Wenn ich davon erzähle, klingt das eher deprimierend. Aber als meine Hündin starb, fand ich ihr Verhalten in den letzten Tagen ihres Lebens sehr bewegend. Sie war auf sich selbst richtig stolz. Und als ich das merkte, war ich glücklich. Ich dachte mir: "Du bist wirklich Teil meiner Familie."

Morgenpost Online : Gibt es Phasen, wo Ihr aktuelles Wohlgefühl wieder verschwindet?

Pattinson : Wenn jemand mich fotografiert. Noch lange bevor der ganze Rummel losbrach, hatte ich schon was dagegen, wenn meine Mutter Schnappschüsse von mir machte.

Morgenpost Online : Warum sind Sie dann ausgerechnet Schauspieler geworden?

Pattinson : Bei Dreharbeiten ist mir das gleichgültig, ganz seltsam. Aber privat hasse ich es, wenn man mir folgt. Nichts stresst mich mehr als das. Es ist absurd: Leute können Geld damit verdienen, indem sie 24 Stunden vor dem Haus herumlungern, in dem ich wohne, und mich dann verfolgen. Ich tue alles was ich kann, um ihnen zu entgehen. Denn die Fotografen sind das wirkliche Problem. Sie wollen, dass du Mist baust. Nur wenn du etwas Blödes machst, ist das für sie interessant.

Morgenpost Online : Und was machen Sie, um sie loszuwerden?

Pattinson : Ich schieße! Nein, im Ernst, ich kann das nicht alles preisgeben. Aber im letzten Jahr hatte ich einen Vollbart, und ich fand, dass ich ganz normal in London herumlaufen kann.

Morgenpost Online : Ihr Status bringt aber auch materielle Vorteile mit sich. Genießen Sie die?

Pattinson : Ich habe keine besonderen Bedürfnisse. Als Auto reicht mir schon eine Schrottlaube. Meine Haltung ist die: Ich will nichts von anderen, und ich möchte auch nicht, dass andere etwas von mir wollen - was natürlich nicht mehr der Realität entspricht. Der einzige echte Vorteil ist, dass ich mir die optimale ärztliche Betreuung für meinen Hund leisten kann.

Morgenpost Online : Wo leben Sie eigentlich?

Pattinson : Praktisch überall, also die meiste Zeit in Hotels. Das ist ziemlich nervig. Ich stand schon mal kurz davor, ein Haus in den Staaten zu kaufen. Aber das ist ganz schön teuer, und ich weiß ja auch nicht, wie lange und wie oft ich dort arbeiten werde.

Morgenpost Online : Was verschafft Ihnen dann Heimatgefühle?

Pattinson : Mein Hund. Ich habe immer meine Gitarre mit dabei, die ist wichtig. Und ich stehe auf Skype. Es gab eine Phase, wo ich kaum mit meinem Freundeskreis Kontakt hatte; ich war völlig von der Bildfläche verschwunden, und dann ich gemerkt, dass mein ganzes Sozialleben vorbei war. Deshalb habe ich angefangen, richtig mit Leuten zu kommunizieren. Aber es fällt mir nicht einfach.

Morgenpost Online : Warum?

Pattinson : Weil ich ständig im Mittelpunkt stehe, zieht das langsam meinen Verstand in Mitleidenschaft. Ich weiß schon nicht mehr, wie ich mich mit jemand über etwas anderes unterhalten soll. Wenn sich die Konversation nicht um mich dreht, dann denke ich mir 'Ah, wie ekelhaft.'