Bode-Museum

250.000 Besucher bei Berliner Renaissance-Schau

Am Sonntagabend schließt die erfolgreichste Ausstellung Berlins 2011. Hunderttausende nahmen lange Wartezeiten in Kauf, um die "Gesichter der Renaissance" im Bode-Museum zu sehen. Ob das Haus für einen solchen Blockbuster der richtige Ort war, bleibt allerdings zweifelhaft.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Sie war die erfolgreichste Berliner Ausstellung des Jahres: Mit rund 250.000 Besuchern wird am Sonntag der umschwärmte Blockbuster „Gesichter der Renaissance“ im Bode-Museum schließen. Das übertrifft selbst die Erwartungen der Ausstellungsmacher, die mit rund 200.000 Kunstfans gerechnet hatten. „Uns hat die Begeisterung in der Stadt gefallen, das war wie ein Sog, zog auch viele auswärtige Besucher an. Gefreut hat uns auch, dass Alte Meister so eine Euphorie auslösen können“, bilanziert Kurator Stefan Weppelmann. Etwa 3000 Besucher zählte man durchschnittlich pro Tag. Auch nach der Abreise des weltberühmten Da-Vinci-Gemäldes „Die Dame mit dem Hermelin“ war die Schau zu hundert Prozent ausgelastet. Allerdings waren, zum Leidwesen vieler Besucher Tickets (Early Bird- sowie VIP-Karten) und Führungen bereits in der zweiten Woche im Online-Verkauf für die gesamte Laufzeit der Schau komplett ausverkauft. Nur noch Tageskarten am Schalter gab es – mit entsprechender Wartezeit. Die lag im Durchschnitt bei zwei, die längste bei neun Stunden. Erstaunlich gut wurde der Katalog (29 Euro) verkauft, bereits in dritter Auflage mit 30.000 Exemplaren.

Ins Metropolitan Museum

Der Grund für dieses Kartenproblem ist simpel, nur 300 Personen gleichzeitig können sich in den Ausstellungsräumen aufhalten. Zum Vergleich: Zur Zeit der MoMA-Ausstellung gab es in der Nationalgalerie Einlass für 1200 Besucher. Stellt sich die Frage, ob das Bode-Museum, auch wenn es als Renaissance-Museum für die Exponate die ideale Kulisse gewesen sein mag, tatsächlich für einen Blockbuster auch das richtige Haus war?

Bis Ende November war Leonardos „Dame mit dem Hermelin“ die Hauptattraktion der Ausstellung. Um das bestens gesicherte Bild standen die Leute teilweise so andächtig und versunken wie vor einem Altar. Danach reiste das Bild mit dem Pelztierchen zur nächsten Großausstellung, „Leonardo da Vinci – Maler am Mailänder Hof“ in der National Gallery in London. 110.000 Postkarten wurden von dem Motiv in Berlin verkauft, und man glaubt es kaum, auch das Hermelin-Stofftier im Museumsshop sei ein Renner gewesen, so eine Sprecherin.

Beim Team von der Gemäldegalerie wird nach der Schließung kaum Ruhe einkehren. Die Exponate gehen per Flieger nach New York ins Metropolitan Museum. Am 19. Dezember 2011 folgt dort die Eröffnung, allerdings werden zehn Prozent der Exponate – wie die fragilen Pisanello-Zeichnungen – aus konservatorischen Gründen nicht zu sehen sein. Nun wird neu konzipiert. Für Kurator Weppelmann also kein Abschied von den italienischen Gesichtern, sondern „eine schöne Fortsetzung“ in Big Apple. In Berlin indes muss man nicht traurig sein, ein Drittel der „Italiener“ hängt bald wieder in der Gemäldegalerie.