Roadmovie

Wenn der Schlepper mit der Flüchtlingsfrau

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Barbara Schweizerhof

Mit Dokumentarfilmen hat sich Erich Wagenhofer einen Namen gemacht. "Black, Brown, White" hat den Menschenhandel zum Thema. Diesmal ist es Spielfilm.

Der Österreicher Erwin Wagenhofer hat sich bereits mit zwei globalisierungskritischen Dokumentarfilmen einen Namen gemacht. In „We Feed The World“ warf er einen Blick auf die zunehmende Industrialisierung der Nahrungsmittelproduktion und ihre oft bizarren Ausmaße, in „Let‘s Make Money“ versuchte er den weltweiten Finanzströmen und ihren nicht weniger extremen Folgen nachzugehen.

Mit „Black Brown White“ legt Wagenhofer nun seinen ersten Spielfilm vor. In ihm geht es um ein nicht minder globales Thema, nämlich um afrikanische Arbeitsemigranten, die nach Europa drängen, und um die Menschenschlepper, die an ihnen verdienen.

Ein Rädchen im Getriebe des Lebensmittelwahnsinns

Ins Spielfilmgenre mag Wagenhofer diesmal vielleicht deshalb gewechselt haben, um nicht nur von Fakten, sondern auch von Gefühlen zu erzählen: von Stolz und Elend der Flüchtlinge einerseits, vom Schwanken zwischen Zynismus und Mitgefühl der Schlepper andererseits.

Ganz explizit baut Wagenhofer dabei in „Black Brown White“ einen Bezug zu seinen bekannten Dokumentationen ein: der Lastwagenfahrer Don Pedro (Fritz Karl) fährt Knoblauch aus der Ukraine nach Marokko und wieder zurück – ein Rädchen im Getriebe des Lebensmittelwahnsinns, um den es in „We Feed The World“ ging.

Die Flüchtlingsfrau will sich nicht verstecken

Auf seiner Fahrt macht er zusammen mit Jackie, einer ghanaischen Flüchtlingsfrau, Station in einer jener leerstehenden Ferienhaussiedlungen an der Costa del Sol, die in „Let's Make Money“ als „Zement-Tsunamis“ bezeichnet wurden.

Jackie gehört eigentlich zur „Ladung“, die Don Pedro in Marokko aufgenommen hat, eine Gruppe von Flüchtlingen, die er in einem winzigen Kabuff hinter seiner Fahrerkabine versteckt nach Europa bringen soll. Die selbstbewusste Frau, die mit ihrem kleinen Sohn in die Schweiz will, hat sich jedoch geweigert, die Fahrt im Platzangst machenden Versteck anzutreten.

Der Hauptdarsteller rettet den Film

Und Don Pedro, seines menschenverachtenden illegalen Schlepperjobs müde, hat sich erweichen lassen, das gefährliche Spiel mitzuspielen. Was sich daraus ergibt, ist die leider die allzu vorhersehbare Geschichte einer Annäherung zwischen der stolzen, schönen Flüchtlingsfrau und dem eigentlich doch so abgebrühten Fahrer.

Einzig dem großartigen Fritz Karl in der Rolle von Don Pedro ist es dabei zu verdanken, dass man diese Verwandlung vom Schlepper zum Fluchthelfer sehen will: Sein Porträt eines zwischen Selbstekel, Depression und Überdruss schillernden Mannes fesselt weit über das hier so bieder-kitschig erzählte globalisierungskritische Anliegen hinaus.