Neue Arte-Sendung

Bela B. fällt über den Meister des Zombie-Films her

Schräge Unterhaltung auf Arte: Der "Ärzte"-Schlagzeuger hat den Horror-Spezialisten George A. Romero im Hotel mit viel Whiskey und zwei gelben Bade-Enten erwischt.

So hatte man sich George A. Romero, den Schöpfer des modernen Zombies, nun nicht vorgestellt: Ein liebenswerter älterer Herr mit Anglerweste, langem Pferdeschwanz und einem Klumpen von Hornbrille, bei dem selbst Nana Mouskouri neidisch wäre. Auf Romeros Konto gehen Horror-Klassiker wie „Die Nacht der lebenden Toten“ oder „Zombie“. Ewige Meisterwerke des Genres und für Fans blutiger Sudelorgien bis heute ein Hochgenuss.

Ihm stattet der Kultursender Arte für seine neue Show einen Besuch ab. „Hotel Bela“ heißt die Sendung, in der Prominente einer abenteuerlichen Befragung unterzogen werden. Und Arte schickt dafür nicht irgendwen ins Rennen, sondern lässt Bela B, hauptberuflich Schlagzeuger der Band Die Ärzte, auf den 71-jährigen Filmemacher los.

Rumstöbern in Privatgemächern

Tätowierter Punkrocker trifft Zombie-Opa zum Spaß-Interview. Das verspricht ein skurriles Tête-à-tête, ganz so, wie man es von Arte-Formaten wie „Durch die Nacht mit...“ kennt. Doch anders als dort, wo zwei Prominente zum nächtlichen Stadtbummel zusammentreffen, um über Gott und die Welt zu plaudern, überfällt Bela B. den Regisseur in dessen Hotel in Lissabon. An der Rezeption lässt er sich erst mal den Schlüssel zu Romeros Zimmer geben, um dann ungestört in dessen Privatgemächern herumzustöbern.

Was er da vorfindet – ein Sudoku-Heft, zwei halbvolle Flaschen Whiskey, Marlboros und zwei knallgelbe Bade-Entchen, die Romero auf Reisen immer als Haustier-Ersatz dabei hat – sagt mehr über den Gast aus, als Belas harmlose Fragen zunächst zu Tage fördern („Was erwarten Sie von einem Hotelzimmer?“). Laut dem Sender ist das so gewollt, denn „Hotel Bela“ verfolgt explizit keinen journalistischen Ansatz.

Zombie-Fingerpuppen und viel Wein

Der Trumpf des Formats liegt vielmehr in Belas liebenswerter Begeisterung für seinen Gast. Der Musiker macht von Anfang an keinen Hehl aus seiner Bewunderung für den Horror-Meister. Für ihn ist das Treffen mit Romero vor allem ein Fan-Besuch.

Als Mitbringsel hat er deshalb nicht nur lustige Zombie-Fingerpuppen und eine Flasche edlen Portweins dabei, Jahrgang 1968, dem Entstehungsjahr von „Die Nacht der lebenden Toten“, sondern auch eine DVD mit dem Video eines älteren „Ärzte“-Songs. Darin sieht man die Band umringt von gierigen Untoten, die es allesamt auf Sänger Farin Urlaub abgesehen haben. Dann fließt Blut und Gedärm fliegt herum. Urlaub wird nach allen Regeln des Genres von den Zombies ausgeweidet. „Wir hatten da ein paar Probleme mit der Zensur bei MTV“, räumt Bela ein. „Ja, ja, so was kenne ich“, erwidert Romero und kichert wie ein ertappter Schuljunge.

In solchen Momenten geht das Konzept der Show voll auf. Prominente während einer Tour zu besuchen und ihre „temporäre Behausung“, wie Bela das Hotelzimmer nennt, ordentlich auf den Kopf zu stellen, mit ihnen das „Zombie-Quiz“ oder „Eigene-Zitate-Raten“ zu spielen und über den Sinn und Unsinn von Herrenhandtaschen und Quietsche-Entchen zu philosophieren.

Es fehlt an journalistischer Hartnäckigkeit

Zugegeben, man erfährt nicht viel über Romero, was man nicht an anderer Stelle schon mal gehört hätte. Und in den entscheidenden Momenten fehlt es Bela eben an journalistischer Hartnäckigkeit.

Wenn der Filmemacher etwa von seiner Abneigung gegenüber heutigen Spielarten des Genres erzählt. „Ich habe nie verstanden, warum so viele Regisseure Horror mit Gewaltpornografie verwechseln. Nur um zu zeigen, wie abgestumpft wir schon sind?“ Da hätte man dann gerne mehr erfahren. Immerhin geht es in Romeros Werk auch ziemlich saftig zu.

Allerdings, und das muss erlaubt sein, legt Bela wenig Wert auf die Analyse filmischer Botschaften. Er bevorzugt die schräge Unterhaltung. Und die gelingt den beiden Männern im „Hotel Bela“ bestens.

Bevor er sich verabschiedet, hält Bela dem Grusel-Spezialisten noch einen Kassettenrekorder, Modell 80er-Jahre, unter die Nase. Romero möge doch bitte eine Ansage für den heimischen Anrufbeantworter sprechen. „Damit kann ich meine Kumpel beeindrucken“, schiebt der Rockstar unverblümt hinterher. Kein Problem. Romero nimmt einen tiefen Zug an seiner Marlboro und brummt in bester Zombie-Manier: „Versteckt Euch nicht. Wir werden Euch alle finden.“