Katastrophenfilm

Wenn Meteoritensplitter in Berlin einschlagen

Flutwellen, Epidemien oder Erdbeben sind immer wieder gern genutzte Filmstoffe. Nun flimmert wieder ein Meteoritenschauer über den Bildschirm. Sat.1 zeigt den TV-Zweiteiler "Last Impact – Der Einschlag". Bedroht sind nun nicht mehr nur die Amerikaner, sondern auch die deutsche Hauptstadt.

Foto: obs / DPA

Diesmal trifft es nicht direkt die Erde. Horrorszenarien von Meteoriten, die unseren Planeten bedrohen, haben von jeher die Fantasie von Film- und Fernsehproduzenten beflügelt: von „Meteor“ (1979) über „Deep Impact“ und „Armageddon“ (beide 1998) bis zuletzt „Post Impact/Apokalypse Eis“ (2005).

In dem neuesten Werk, dem TV-Zweiteiler „Last Impact – Der Einschlag“, kriegt Mutter Erde aber ausnahmsweise nur ein paar Splitter ab. Der Hauptanteil trifft – den Mond. Und das, so zeigt sich, ist die viel größere Katastrophe. Denn der Erdtrabant wird aus seiner Umlaufbahn geschubst. Und fortan geht auch bei uns alles durcheinander: Die Gezeiten spielen verrückt, die Gravitation gerät durcheinander, es kommt zu Stromausfällen, Flutwellen, Menschen, die buchstäblich in die Luft gehen. Und der Mond nähert sich in konzen-trischen Kreisen immer mehr der Erde – und droht mit ihr zu kollidieren.

Nein, der Katastrophenfilm ist auch nicht mehr das, was er mal war. Früher musste sich die Menschheit pro Film jedenfalls nur mit einem Desaster plagen, ob das ein Erdbeben, ein Wirbelsturm oder eben ein Sternenhagel aus dem All war. Heute aber muss auch die Katastrophe multitaskingfähig sein, um konkurrenzfähig zu bleiben. Ergo scheint ein Untergangsszenario allein nicht mehr auszureichen, um den schauwertverwöhnten TV-Konsumenten vorm Wegzappen zu bewahren.

Warum das Fernsehen dennoch immer wieder diesem Genre anhängt, bleibt einigermaßen rätselhaft. Denn der Katastrophenfilm gilt allgemein als das lausigste aller Filmgenres, kommt es doch mit dem immergleichen Plot daher: eine Reihe von Menschen, die erst in ihrem Alltag gezeigt werden, bis sie durch die Katastrophe aus selbigem gerüttelt und geschüttelt werden.

Der einzige Anreiz zumindest des Kinos ist es, am uralten Muster die jeweils neueste Technologie vor-zuführen. Und demgemäß führten die computerdigitalen Effekte in den neunziger Jahren tatsächlich zu einer neuen Blütezeit dieses Genres. Das Fernsehen, in seinem Bestreben, das Kino zu imitieren, hält da gerne mit (so produzierte ein US-Sender eine TV-„Titanic“, noch bevor Camerons Großfilm in die Kinos kam). Auch wenn es ihm dann genau bei der Technologie am nötigen Geld fehlt.

So erleben wir denn immer wieder Katastrophenfilme in der Glotze, die verlässlich alle Nachteile ihrer Kinovorbilder vorweisen: sattsame Klischees, miese Dialoge, zähe Dramaturgie; aber keine ihrer Vorzüge, denn es reicht weder zu spektakulären Effekten noch zum Aufbieten echter Stars.

Als Alternativlösung bieten sich da Koproduktionen ab. Die vermindern das Risikokapital und erhöhen das Interesse auch im Ausland. So unternehmen etwa ProSieben und Tandem Communications deutsch-amerikanische Gemeinschaftsarbeiten. Vor fünf Jahren haben sie mit „Apokalypse Eis“ schon einmal einen Meteoriten auf die Erde losgelassen, aber statt wie üblich bei rein amerikanischen Titeln staksten die Überlebenden nicht mehr durch die Trümmer amerikanischer Metropolen, sondern diesmal durch Berlin, darunter auch die Einheimische Bettina Zimmermann.

Nun, in „Last Impact“ (der nicht auf ProSieben, sondern auf dem Bruderkanal Sat.1 läuft), sind es wieder nicht nur amerikanische B-Stars wie Natasha Enstridge und David James Elliott, die erschüttert auf den Mond starren, sondern auch Benjamin Sadler und Florentine Lahme. Die Meteoritensplitter treffen paritätisch New York und Berlin. Und die Rakete, die schließlich ins All geschossen wird, um die Gefahr abzuwenden, wird mal nicht in Houston gezündet, sondern in Darmstadt, kontrolliert von der Esa-Zentrale in Köln.

Mehr kann man freilich nicht verlangen. Ein differenziertes Deutschlandbild bietet dieses vom US-Serienregisseur Mike Rohl („Supernatural“, „Smallville“) routiniert inszenierte Spektakel keineswegs. Und kein Benjamin Sadler, keine Florentine Lahme haben gegen die Schwächen des Drehbuchs von Michael Vickerman aufbegehrt. So sehen wir die Deutschen einmal bei der Ausübung einer typischen Sportart: nein, nicht Fußball, sondern – Krocket. Die Meteoriten schlagen in Berlin „im Industriegebiet“ ein. Und der Schnellzug, den die Mondgravitation in den Himmel zieht, müsste ein ICE sein, sieht aber so gar nicht nach einem Silberpfeil der Bahn aus.

Stimmig recherchierte Details freilich darf man nicht erwarten in einem hanebüchenen Film, in dem der Mond nicht nur die Schwerkraft, sondern auch jegliche Logik außer Kraft zu setzen scheint. Da amüsiert es schon fast, wenn zum einen jeglicher Flugverkehr eingestellt wird, die Protagonisten zum anderen aber koproduktionsbedingt ständig zwischen Amerika und Deutschland hin- und herjetten.

Ob das unnötig zum Zweiteiler aufgeblasene Werk zumindest etwas über die deutsch-amerikanische Freundschaft aussagt, gerade auch in Krisenzeiten? Wir wollen es lieber nicht hoffen. Für die amerikanischen Protagonisten nämlich gibt’s ein Happy End, die Deutschen müssen bluten.

Last Impact – Der Einschlag. Sat.1, 13. und 14. Mai, 20.15 Uhr