Die Beatles

Paul McCartney im Wettstreit mit John Lennon

Ex-Beatle Paul McCartney hat mit "Oceans Kingdom" ein Ballett geschrieben. Noch immer will er einen Gegner übertrumpfen, der gar nicht mehr lebt.

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Zusammenfassend könnte man es so beschreiben: Paul McCartney strebte stets nach mehr als Ruhm und Reichtum, er wollte der einflussreichste Musiker des 20. Jahrhunderts sein. Bereits als junger Mann hat er sein Lebensziel erreicht. Der einzige, der daran zweifelt, ist McCartney selbst.

Der Musiker, der ihm im Weg steht, fiel vor 31 Jahren einem Attentat zum Opfer, was den Wettstreit seither schwieriger gestaltet. Paul McCartney nennt John Lennon, seinen Gegner, "Martin Luther Lennon". Und weil niemand gegen einen unsterblichen Heiligen gewinnen kann, möchte der Überlebende den Rest der Menschheit überzeugen, dass er immer größer war. Bereits vor 20 Jahren komponierte er sein "Liverpool Oratorio", gefolgt von "Standing Stones", einer sinfonischen Dichtung über altenglische Steinkreise, und "Working Classical".

Zuletzt schrieb Paul McCartney "Ecce Cor Meum (Behold My Heart)", sein großes Chorwerk. Ein Ballett hat noch gefehlt, nun ist es da: Die viersätzige Tanzsuite ist ein Auftragswerk des New York City Ballet. Es hat am 22. September Weltpremiere in New York. Und wie schon "Yellow Submarine" und "Octopus's Garden" von den Beatles handelt "Ocean Kingdom" unter Wasser.

Wenn es um die reine Liebe unter märchenhaften Meereswesen geht, wird bei McCartney zärtlich Holz geblasen. Wenn die Wellen wogen, wiegen sich die Streicher. Und wenn sich der rücksichtslose Mensch am reinen Meer vergeht, warnt ihn das anschwellende Blech. Kein lebender Musiker kann Paul McCartney noch das Wasser reichen.

Paul McCartney: Oceans Kingdom (Hear Music), 3 von 5 Punkten .