200. Geburtstag

Franz Liszt – Wunderkind, Revoluzzer, Visionär

Der Klaviervirtuose und Komponiste Franz Liszt wurde am 22. Oktober vor 200 Jahren in Raiding im ungarischen Teil des österreichischen Kaiserreichs geboren. In diesem Jahr erinnern zahlreiche Veranstaltungen an den ungewöhnlichen Künstler.

Mit einem Google-Doodle wird am Samstag an den vor 200 Jahren geborenen Klaviervirtuosen und Komponisten Franz Liszt erinnert. Und auch viele Veranstaltungen ehren in diesem Jahr den Künstler, dessen Tochter Cosima mit dem Komponisten Richard Wagner verheiratet war.

Der kränklich fragile Sohn eines kleinen Angestellten der Fürstenfamilie Esterházy, wohnhaft irgendwo im ungarisch-österreichischen Grenzgebiet, wurde vom ehrgeizigen Vater zum zweiten Mozart-Wunderknaben getrimmt. Dafür opferte der sogar seine Existenz und erwies sich als Genie der Vermarktung.

Über Wien spielte sich der kleine Liszt nach Paris, da erfuhr er Klavier- und Menschenbildung. Mit 16 stand er nach dem Tod des Vaters allein da. Und geriet ins Seelentief.

Liszt macht Weimar musikalisch Zunder

Doch Franz Liszt behauptete sich. Er frömmelte, war Revoluzzer und Geheimbündler, ging mit einer verheirateten Adeligen eine stürmische Liaison ein, machte ihr drei Kinder, flüchtete in die Schweiz und nach Italien, was später in den „Années de Pèlerinage“ zur großartig tönenden Reiseerinnerung mutierte.

Bis Ende der Vierzigerjahre jagt er als Virtuose durch Europa und lässt sich dann plötzlich nieder – in Weimar.

Zwölf Jahre wird der seit Goethes Tod 1832 in gefälliger Bedeutungslosigkeit verwaiste Klassikolymp wieder zum geistigen Brennpunkt. Hofkapellmeister Liszt macht dem Kaff musikalisch Zunder. Er setzt Wagner durch (den er auch finanziell unterstützt), veranstaltet Festwochen, propagiert die Neudeutsche Schule, an deren Spitze er selbst in einem wahren Schaffensrausch Orchesterwerke komponiert, die Grenzen des Klaviers auslotet, Lieder überarbeitet, theoretische Schriften und Romane verfasst.

Als Abbé will er die Kirchenmusik reformieren

Und er lebt – was den Kleinstadtklatsch erblühen lässt – schon wieder mit einer verheirateten Fürstin zusammen, Carolyne zu Sayn-Wittgenstein.

1861 ist Weimars Zauber ausgereizt. Verstanden hat man Liszts Zukunftsmusik hier sowieso nicht. Das Paar flüchtet nach Rom, der Papst stellt die Annullierung ihrer Ehe in Aussicht. Das scheitert, Liszt wird stattdessen Abbé, will die Kirchenmusik reformieren, was sich als viel zu fortschrittsfroh erweist. Er pendelt zwischen Budapest, Rom und Weimar. Im Sommer wird dort unterrichtet, die kleine Wohnung neben der Hofgärtnerei mit den Vorhängen in den Farben Ungarns muss ein kreativer Bienenstock nach ganz Europa ausschwärmender Schüler und Vasallen gewesen sein.

1886 stirbt der Komponist in Bayreuth und wurde auch hier begraben.