Seine Auflage in Deutschland ist mit 31,7 Millionen Exemplaren höher als die aller hierzulande erschienenen "Harry Potter"-Bände, übertroffen wird er allein durch das Telefonbuch - der Unterhaltungswert liegt irgendwo dazwischen. Die Rede ist vom morgen erscheinenden Ikea-Katalog für 2008, der am Donnerstag in Hamburg schon wie ein Bestseller gefeiert wurde.
Auch wenn es keine vor den Ikea-Filialen campierenden Möbelkatalogfanatiker gibt: Dem schwedischen Einrichtungshaus war das neue Druckwerk allemal die Mühe wert, die Präsentation an einem zunächst geheim gehaltenen Ort zu zelebrieren - schon aus der guten Tradition heraus. So verfrachtete Ikea Deutschland rund 350 Journalisten, Designer und Werbeschaffende sowie Teile seiner Belegschaft per Barkassenshuttle in einen der hintersten Winkel des Hamburger Hafengeländes.
Tirup, Lillberg und Kulla waren schon da. Der Sessel, der Schaukelstuhl und die Stehleuchte gehören zu den Topmodellen des neuen Katalogs, der auf dem schwankenden Ponton einer ausgedienten Schiffsschmiede vorgestellt wurde. Über die Planken einer kleinen Hausbootkolonie verteilt, luden bunte Polstermöbel die Partygäste zum Verweilen. Die Botschaft war der Veranstaltung war ziemlich klar: Das Herzstück des bebilderten Möbelindexes mit dem Motto "Mode für dein schönstes Zuhause der Welt" ist das Wohnzimmer.
Dass es ausgerechnet das Wohnzimmer ist, an das der deutsche Wohnungsinhaber den höchsten Anspruch einer wohnlichen Gestaltung stellt, konnte Ikea nach jahrzehntelanger Marktpräsenz überraschenderweise erst über eine repräsentative Umfrage herausfinden. Der Studie zufolge, die der Einrichtungskonzern in sieben Ländern durchführen ließ, verbringt die Mehrheit aller Menschen die glücklichsten Momente in ihrem Wohnzimmer. Auch für die Deutschen ist das Wohnzimmer der wichtigste Ort. Die Bundesbürger halten sich den Umfrageergebnissen zufolge von allen befragten Nationen die meiste Zeit, die sie zu Hause verbringen, in genau diesen vier Wänden auf. Zwei Drittel sogar mehr als drei Stunden pro Tag.
Allerdings - und da soll der Ikea-Katalog Abhilfe schaffen: Laut Erhebung ist die Hälfte aller Deutschen unzufrieden mit der Einrichtung ihres Lieblingsraums. Daher hofft das Möbelhaus, seinen Kunden unter den 4000 präsentierten Hausratsgegenständen - vornehmlich TV- und Hi-Fi-Möbel, Sofakollektionen, Accessoires und Stoffe - Lösungen anzubieten. Schließlich sollen die Deutschen in ihren glücklichsten Momenten mit ihren Möbeln zufrieden sein.
Dass sich der Ikea-Katalog als nützliches Nachschlagewerk in Deutschland bewährt hat, beweisen zumindest die Auflagenzahlen: Im Vergleich zum Vorjahr erscheinen 700 000 Exemplare mehr. 28,3 Millionen davon werden direkt verteilt, die restlichen 3,4 Millionen sind in den Filialen erhältlich. Was dagegen floppte, war der Verkauf des Katalogs an Kiosken. Der Deutsche will einfach keine 2,50 Euro für etwas ausgeben, das er auch kostenlos und frei Haus bekommen kann. Denn das Geld gab es nur beim Kauf eines Möbelstücks von Ikea wieder zurück.
Eine Neuheit, die mit dem Erscheinen des Katalogs für das kommende Jahr einhergeht, ist die Tatsache, dass er auf seinen 380 Seiten noch gar nicht alles verrät, was 2008 an Möbelmode zu bieten hat: Im Oktober, Februar und April werden in den deutschlandweiten Filialen erstmals sukzessive weitere Einrichtungstrends vorgestellt. Längst nicht alles steht dabei schon jetzt fest. Der Konzern will flexibel auf die Nachfrage und auf neue Trends reagieren können. Insgesamt möchte Ikea im neuen Geschäftsjahr seinen Kunden auf diese Weise 3000 Neuerungen präsentieren. Das Warten auf den nächsten Katalog wird somit etwas verkürzt - ungefähr so, als würde es vom Fantasyhelden Harry Potter häppchenweise Fortsetzungen im Pixi-Format geben.



