Katastrophenfilm

Nicht China überfällt die USA, sondern Nordkorea

Im Remake von "Red Dawn" sollten die Bösen aus China kommen. Nach Kritik aus Peking sucht sich MGM andere Übeltäter.

Foto: Promo

Jüngere Leser werden sich möglicherweise nicht mehr an den Tag erinnern, als die Sowjetunion (unterstützt von Kuba) die Vereinigten Staaten überfiel. Es begann damit, dass über der Kleinstadt Calumet Fallschirmspringer vom Himmel fielen, um sich schossen, Bücher verbrannten und sogar das Autokino besetzten.

Ähnliches spielte sich in ganz Amerika ab. Zum Glück gelang es Jugendlichen, sich in die Berge abzusetzen und einen Partisanenkrieg zu starten. Angeführt wurden sie von Patrick Swayze.

"Red Dawn" als Remake

Es ist nun fast dreißig Jahre her, dass „Die rote Flut“ sich über unsere Kinos ergoss. Im Vorspann erklärte damals eine Stimme, wie es zu dieser misslichen Lage kommen konnte: „Die Grünen kontrollieren den westdeutschen Bundestag und verlangen den Abzug von Nuklearwaffen aus Europa.“

Heute droht diese grüne Apokalypse wirklich, und deshalb scheint es nur folgerichtig, dass Hollywood Amerika erneut überfluten lässt. In dem Remake von „Red Dawn“ ficht wieder eine Gruppe aufrechter Guerilla-Teenager gegen Invasoren – aber die kommen nun aus China (unterstützt von Russen).

Das heißt: Sie kamen aus China, als der Film gedreht wurde. In dem Film, den wir zu sehen bekommen, ist jeder Hinweis auf die ehrenwerte Volksbefreiungsarmee getilgt. Mit Hilfe des neuen digitalen Radiergummis wurden sämtliche chinesische Flaggen und Symbole aus dem Film entfernt – und durch nordkoreanische ersetzt. Der Spaß kostete Produzent MGM eine Million Dollar.

MGM's vorauseilender Gehorsam

Für diesen Akt vorauseilenden Radierens bedurfte es nicht einmal einer offizielle Beschwerde aus der Volksrepublik. Einige Leitartikel in kommunistischen Zeitungen und Kommentare auf chinesischen Websites – kritisch! – genügten, die MGM-Führung einknicken zu lassen.

Größere Interessen stehen auf dem Spiel. MGM hofft für seine kommenden Großproduktionen „Der Hobbit“ und „James Bond“ auf reiche Ernte aus China: Der letzte Bond fuhr dort 21 Millionen Dollar ein. China ist bereits der fünftgrößte Kinomarkt außerhalb Nordamerikas.

Ende der Neunziger, als diese Selbstzensur aus dem Geist der Ökonomie nicht so verbreitet war, nahmen die Hollywood-Studios es noch in Kauf, dass Peking die Geschäfte eine Weile drosselte, wenn ihm ein Film nicht passte. Es erscheint fraglich, ob Scorseses „Kundun“ oder Annauds „Sieben Jahre in Tibet“ heute überhaupt noch entstehen könnten; nach dem „Red Dawn“-Präzedenzfall dürften sie schon in der Entwicklungsphase einen unauffälligen Tod sterben.

Nun liegt die Last der Schurkerei also auf dem kleinen Nordkorea, nachdem Nazis, Sowjets und Chinesen ihren Dienst getan haben und gehen können. Hollywood bleiben nur noch die Aliens (sie zerstören im April in „World Invasion“ Los Angeles), vielleicht die Iraner und natürlich Gaddafi. Dafür müsste er sich allerdings an der Macht halten.