Neueröffnung

Jüdisches Theater zieht an Berlins Broadway

Nach langem Kampf muss Dan Lahav mit seinem Theater "Bimah" wegen sinkender Zuschauerzahlen und steigender Mieten Neukölln verlassen. Doch mit dem Verlust geht auch ein Sieg einher: Anfang Oktober eröffnet das Theater im Admiralspalast an der Friedrichstraße.

Foto: M. Lengemann

Dan Lahav hat gekämpft. Fünf Jahre lang. Nun hat er verloren – und doch gewonnen. „Ich gehe vom Off-off-off-Broadway, wie ich gerne sage, rauf auf den einzig wahren Berliner Broadway: Die Friedrichstraße“, sagt der Intendant des Jüdischen Theaters „Bimah“ (hebr. mittlere Bühne). Sein Haus an der Neuköllner Jonasstraße muss er schweren Herzens schließen. Sinkende Zuschauerzahlen und gleichzeitig steigende Mieten bedeuteten jetzt das Aus. Doch zu der Trauer, den Kampf an einer Stelle verloren zu haben, kommt die Freude über den neuen Standort. „Ist es nicht unvorstellbar? Ich habe gesucht und verhandelt und keine Mühe gescheut, um den besten Platz in Berlin zu unserer neuen Bühne zu machen“, sagt der 65-jährige Lahav. Ab der ersten Oktoberwoche heißt es dann: Vorhang auf im Admiralspalast.

Eine Belohnung für Jahre harter Arbeit. „Ich habe in Neukölln Pionierarbeit geleistet, habe das Theater dort ohne Finanzen aufgebaut, keine Zuschüsse vom Senat oder Sponsoren gehabt“, sagt Lahav. „Ich hatte große Hoffnungen in den Kiez, dachte, die Lage würde sich schneller verbessern.“ Die Probleme wie hohe Kriminalitätsraten und fehlende Angebote wie Cafés oder Bars, in die seine Besucher nach der Vorstellung noch hätten gehen können, sah er damals schon. „Aber ich dachte: Hier wird es voran gehen!“ Das war 2006, als das Theater gerade aus Berlin-Charlottenburg in den Ballsaal Will Meisels umgezogen war. Eine ehemalige Tanzschule, in der im Dritten Reich Nazis ihre Feste feierten.

Steigende Mieten, hohe Kriminalität

Heute sieht der Intendant und Künstlerische Leiter die Zukunft von Neukölln nicht mehr so zuversichtlich: „Hierher kommen die Haie, die großen Fische. Die Mieten steigen, die Kriminalität bleibt. Auch mir ist es hier abends sehr unangenehm.“ Doch seinen Traum mochte Lahav nicht aufgeben. Hatte er doch schon mehrere Umzüge innerhalb Berlins auf sich genommen, um „einen kulturellen Ort zu schaffen für alle, die sich für jüdische Kultur interessieren und sich mit ihr auseinandersetzen wollen“.

Und nun geht dieser Traum weiter – in traumhafter Kulisse. „Ich bin so glücklich“, sagt Lahav, dessen „Bimah“ bei ihrer Gründung im Jahr 2001 das erste jüdische Theater Berlins nach mehr als 60 Jahren war. Auf seiner Bühne standen Größen wie Hanna Schygulla oder Katja Riemann, Katharina Thalbach oder Iris Berben. Für die neue Spielzeit im neuen Hause hat sich Lahav viel vorgenommen. „Wir bauen unser Repertoire aus, haben schon Lesungen geplant und Zusagen in der Hand“, sagt Lahav. 199 Plätze hat der Saal „101“ den das Jüdische Theater mit seinem zehnköpfigen festen Ensemble im Admiralspalast dauerhaft beziehen wird. Der Vertrag läuft vorerst fünf Jahre.

Am 13. November 2011 feiert das Theater im Admiralspalast dann seine offizielle Eröffnung mit einer großen Gala. Für Dan Lahav wird sich dieser Tag sicher nicht anfühlen wie ein verlorener Kampf. Sondern wie ein verdienter Sieg.