Musical

Jasmin Wagner fehlt Alexandras tiefe Stimme

Michael Kunzes Musical über die verstorbene Schlagersängerin Alexandra hat im Schlosspark Theater Premiere gefeiert - mit Jasmin Wagner alias Blümchen in der Hauptrolle. Dabei kamen neue Theorien über ihren Tod ans Licht.

Nun ist es raus: Der KGB mischte mit an Alexandras Tod. Ganz so deutlich sagt es Michael Kunze zwar nicht, Autor des biographischen Musicals „Alexandra – Glück und Verhängnis eines Stars“, immerhin dürfen am Ende im Berliner Schlosspark Theater alle Beteiligten noch mal ihre Version des Autounfalls aufsagen. Aber es raunt doch vernehmlich durch die Szenen, als würde Guido Knopp höchst persönlich durch die Geschichte führen. Der russische Ex-Mann, Alexandras Absage beim polnischen Sopot Hit Festival, als 1968 die Warschauer-Pakt-Staaten in Prag einmarschieren, der Geliebte Jaques Moulin (eigentlich: Pierre Lafaire), der sich als CIA-Agent erweist – bei so vielen Indizien liegt der Schluss doch auf der Hand, oder?

Dabei war Alexandra wahrscheinlich nur übermüdet und überfordert, mit der Steuerung ihres Lebens wie dem des Mercedes Coupé, als sie mit nur 27 Jahren starb. Getrieben vom Ehrgeiz und einer Unterhaltungsbranche, die damals ein reines Männer- und Macho-Kabinett war. Kunze, Autor von Erfolgsmusicals wie „Elisabeth“ und Flops wie „Marie Antoinette“, und Regisseurin Adelheid Müther lassen die Hand voll Knallchargen grabbeln und schleimen, dass einem das arme Kind Leid tut. Zumal dazwischen die resolute Mutter (Susanne Häusler) auftritt und erklärt, dass das Leben ungefähr so ist wie eine Fahrt im vom Chauffeur gesteuerten Wagen: Zwar gehört einem das Auto, aber man lässt die andern lenken.

Dumm, wenn man da seinen eigenen Willen hat, trotzdem auf die falschen Männer und die eigenen Ideale reinfällt und das Leben als junge Mutter, Geliebte und Künstlerin nicht auf die Reihe kriegt. Auf der als scheußliches 60er-Jahre-Fernsehstudio getarnten Bühne stellt sich die als Doris Treitz geborene Alexandra anfangs artig vor, streitet sich mit ihrem späteren Lover Jaques über die Deutungshoheit und absolviert dann ihr kurzes Leben in Szenen. Jasmin Wagner, die in den 90ern als Blümchen Pop-Karriere machte und sich nun im Schauspielfach versucht, pendelt zwischen Souveränität und Selbstzweifel. Mit melancholischen Blicken und naivem Ton versucht sie, Alexandras zersplitterten Charakter auf die Spur zu kommen, der so überhaupt nicht in die verschwiemelt-spießige Schlagerkultur Westdeutschlands passte.

Viel kommt da nicht über die Rampe, vom sauber aufgesagten Text einmal abgesehen. Wenig motiviert scheint Alexandras Charakter. Wagner macht große Augen, trägt hübsche Folklore-Kleidchen – und bleibt doch immer Blümchen mit zu viel Liedschatten. Vor allem aber vermisst man Alexandras Stimme. Diese schwermütige Tiefe, diesen bewegenden Eindruck, dass da eine um ihr Leben singt? Nichts da.

Schlosspark Theater, Schlossstraße 48, Berlin-Steglitz. Vorstellungen: 26.-30. Oktober 2011, je 20 Uhr. Karten: Tel: (030) 7895667100