"Freundschaft Plus"

"Lass uns Freunde sein und Sex haben"

Ivan Reitmans romantische Komödie "Freundschaft Plus" hat außer einer bemüht lustigen Natalie Portman und erzkonservativen Handlungsmustern nicht viel zu bieten.

Die Idee von der romantischen Liebe und Ehe ist ja noch recht jung, keine 300 Jahre, und daher vielleicht einfach noch nicht ausgereift. Damit das Ideal der monogamen Liebes-, Freundschafts- und Sexbeziehung aber vor lauter Patchwork heute wenigstens nicht in Vergessenheit gerät, erfand das Kino eine spezielle Form der Romantischen Komödie, und die ist gewissermaßen maskiert:

Ihre Witze und Anzüglichkeiten täuschen mehr oder weniger unterhaltsam darüber hinweg, dass die sexuell selbstbestimmte Frau zu ihrem Beziehungsglück zur Not eben gezwungen werden muss.

Emma ist ohne Beziehung glücklich

In „Freundschaft Plus“ von Ivan Reitman („Ghostbusters“) erwischt es Natalie Portman, die gerade als abgründiger „Black Swan“ der Filmwelt den Kopf verdreht. Bei Reitman, den man nicht mit seinem feinsinnigen und lustigen Sohn Jason („Juno“, „Up in the Air“) verwechseln darf, spielt Portman die quirlige Ärztin Emma Franklin, die für eine feste Beziehung keine Zeit hat und dafür auch keine Notwendigkeit sieht.

Eigentlich genügt es ihr, mit ihrem wiedergefundenen Jugendfreund Adam (Ashton Kutcher) ab und zu Spaß im Bett zu haben.

So könnte das Leben weitergehen, denn einsam, kalt oder verbittert ist die pragmatische junge Frau keineswegs: Sie lebt in einer Wohngemeinschaft, in der man füreinander da ist.

Emma "muss" sich nun verlieben

Auf den Deal „Lass uns Freunde sein und Sex haben“ lässt sich Adam herzlich gerne ein, ist aber zunehmend nervlich zerrüttet, zumal auch noch sein Vater (Kevin Kline) eine Affäre mit der Ex des Sohnes anfängt. Dass Kutchers niedlicher Adam mit dem Zusammenbrechen aller verlässlichen Klischees überfordert sein würde, ist von der ersten Dackelblick-Sekunde an klar.

Und auch das liegt leider schnell auf der Hand: Reitman setzt nun alles daran, Emma die Flausen der Unabhängigkeit auszutreiben, um sie in Adams begrenztes Paradies zu quetschen.

Zuerst muss sich Adam in sie verlieben, das kennt man in der Art ja etwa aus „Love and Other Drugs“. Während es dort aber mit Zwischentönen geschieht, benutzt Reitman den Holzhammer. Emma muss unglücklich gemacht werden, damit sie den Ernst der Lage begreift, dass sie füreinander bestimmt sind.

Der Leitsatz von Immanuel Kant

Trotz flotter Dialoge und Schnitte schafft der Film das Kunststück, zu lahmen. Und das liegt am Fehlen interessanter Nebenfiguren, überraschender Wendungen und damit der Spannung, die eine Rom Com trotz ihrer Schemata braucht.

Und verlogen ist der Film auch noch. Das Fiese ist ja, dass auch die bürgerliche Liebe, zu der Emma umerzogen wird, ihrerseits einen ganz pragmatischen Hintergrund hat, so romantisch sie sich auch gebärdet.

„Die Ehe ist der wechselseitige Gebrauch, den ein Mensch von eines anderen Geschlechtsorganen und Vermögen macht.“ Klingt zynisch und könnte ein Satz aus Reitmans Komödie sein, stammt aber vom Philosophen Immanuel Kant, der im 18. Jahrhundert den Wert der Ehe definierte.