"Friendship!"

Schweighöfer entdeckt als Ossi Amerika

Wo der Westen am wildesten ist, hilft einem auch Gojko Mitic nicht weiter: In der Komödie "Friendship!" entdecken zwei DDR-Bürger Amerika. Dabei müssen Matthias Schweighöfer und Friedrich Mücke lernen, dass man auf die Frage "Are you Nazis?" nicht „Neeeeein! Kommunisten!" antworten sollte.

Am Anfang denkt man, man wüsste genau, was einen erwartet. „In der DDR sahen alle gleich aus“, kommt eine Stimme aus dem Off – und die Bilder zeigen mal wieder, wie unfreiwillig komisch dieser untergegangene Arbeiter- und Bauernstaat doch war. Aber, Überraschung, „Friendship!“ ist nur fünf schnelle Minuten lang „Sonnenallee“. Danach schlägt das Ganze einen völlig anderen Weg ein – nach Amerika.

Gleich nach der Wende möchte der stille Veit (Friedrich Mücke) nach San Francisco, um dort endlich seinen einst geflohenen Vater zu treffen, der ihm all die Jahre immer nur eine Postkarte zum Geburtstag schickte. Kurz entschlossen kommt sein Hallodri-Freund Tom (Matthias Schweighöfer) mit. Dummerweise reicht das Geld nur bis New York – der Rest ist zwangsläufig Road- und Buddy-Movie.

Aber was für eines! Regisseur Markus Goller gelingt es, einen originellen Genre-Film auf die Beine zu stellen. Das Geheimnis: Das DDR-Element sorgt für erfrischende Gags. Woher sollen die beiden Ost-Berliner schließlich wissen, dass man bei der Einreise in die USA auf die Frage „Are you Nazis?“ vieles, aber bloß nicht „Neeeeein! Kommunisten!“ antworten sollte?

Auch die beschwichtigenden, an eine auf Kondome bestehende Cheerleader-Bettgespielin gerichteten Worte („I’m from the DDR – we have no Aids“) zeugen von ausgeprägtem Vertrauen auf die gute alte Mangel-Wirtschaft. Zur Entschuldigung muss hinzugefügt werden, dass Veit und Tom ihr Wissen über den Wilden Westen hauptsächlich Gojko Mitic zu verdanken haben.

Damit kein falscher Verdacht aufkommt: Die Geschichte, die Regisseur Markus Goller leichtfüßig erzählt, ist kein am Vokuhila herbeigezogener Ossi-Klamauk, sondern hat einen halbbiographischen Hintergrund. Im Abspann sieht man den echten Veit und den echten Tom und muss feststellen, dass die beiden nach der Wende tatsächlich nicht so herumliefen wie Achim Mentzel, sondern recht coole Burschen waren – und jetzt von Friedrich Mücke und dem gerade als bester Freund von Zweiohr-Schweiger und Keinkopf-Störtebecker dauerpräsenten Matthias Schweighöfer mit guter Chemie gespielt werden.

Da verzeiht man auch den seltsamen Musik-Anachronismus in „Friendship!“. Es ist ja durchaus angenehm, dass bei der Ausstattung auf grausame Moonwashed-Klischees verzichtet wurde. Aber der Einsatz von Gegenwarts-Popsongs – selbst, wenn sie von der formidablen Band Phoenix stammen – wirkt doch ein bisschen zu gewollt.

Diese Anbiederung ist eigentlich nicht vonnöten. Vor allem deshalb nicht, weil hier etwas gelingt, das im deutschen Mainstream-Kino Seltenheitswert hat: Dass nämlich allgemeine, hohl gewordene Genre-Konventionen mit eigenen Inhalten gefüllt werden. Immer, wenn man in „Friendship!“ glaubt, jetzt wird’s langweilig oder zu vorhersehbar, taucht als Deus ex machina Eigentümliches aus der DDR auf.

Mal als Eulenspiegelei, wenn die Freunde in der US-Provinz nachgemachte Mauersteine verkaufen oder als Pseudo-Russen in einem Schwulen-Club auftreten (sozusagen „Full Monty“ auf ostdeutsch), um ihre Fahrt zu finanzieren; mal durchaus als kluger selbstreferenzieller Scherz.

„Immer geht’s nur um Geld!“ sagt der genervte Tom, als mal wieder irgendetwas schief geht. Einerseits kann man das als typisch sozialistischen Seufzer auffassen. Andererseits aber auch als Unmutsbekundung über die Erzählzwänge des Road-Movies, dessen heimlicher Treibstoff in der Tat fast immer das Geld ist.

Auch das Ende ist überraschend und verdankt sich auf erschütternde Weise den negativen Seiten der DDR. Wenn sich Veit und Tom am Schluss auf der Golden Gate Bridge in den Armen liegen, denkt man unwillkürlich an die Bornholmer Brücke – und ist gerührt.