Die aktuelle Häufung literarischer Auszeichnungen zwischen Nobel- und Buchpreis wäre unvollständig, würde es nicht auch eine Belobigung geben, die wider den Stachel löckt. So wie im Karneval die Prunk- eine Stunksitzung hervorgebracht hat und die Kür eines Wortes des Jahres offenbar ein Unwort als Pendant und Korrektiv benötigt, so verhält es sich auch im Belletristik-Zirkus.

Das ist ein ungeschriebenes Gesetz der Unterhaltungsindustrie. Nach den literarisch ernsten Hochämtern in Sachen Herta Müller und Kathrin Schmidt muss nun also turnusgemäß ein bisschen witzige Subversion folgen. Diesen Part übernimmt seit vergangenem Jahr der Bloomsbury-Verlag, diesmal mit dem Branchenmagazin "Buchmarkt" als Partner.

Gesucht wurde "Der kurioseste Buchtitel 2009". Die Messlatte lag hoch. Frappierender als der Vorjahressieger kann ein Titel kaum sein, der das Kuriositäten-Kriterium erfüllen soll: Es war Stephan Harborts "Begegnungen mit dem Serienmörder. Jetzt sprechen die Opfer".

Folgerichtig musste die diesjährige Kür wohl enttäuschen. Gewonnen hat der nur mäßig lustige Titel einer Sammlung von Kurzgeschichten von Mischa-Sarim Veìrollet: "Das Leben ist keine Waldorfschule". Weitere favorisierte Kandidaten waren Titel wie "Gestatten, Bestatter! Bei mir liegen Sie richtig", die eventuell bereits mit Ambitionen auf den Preis verfasst wurden.

Der Philosoph Herbert Marcuse notierte einmal, jeder Subversionsversuch falle irgendwann dem Mainstream anheim - wie launig und ehrenwert er auch sei. Insofern verzichten wir gern so lange auf kuriose Buchtitel, bis sich wirklich einmal wieder einer findet, der erwähnens- und kürenswert ist.