Vor gut einem Jahr nahm sich der Schriftsteller David Foster Wallace das Leben. Vor gut einem Monat erschien sein Mammutroman „Unendlicher Spaß“ nach 13 Jahren endlich auch auf Deutsch. Beide, den Autor und seinen zum „Mann ohne Eigenschaften“-fürs-21.-Jahrhundert hochhysterisierten Roman umhüllt längst die Legende derart, dass der Abend für den „Unendlichen Spaß“ im Kölner Schauspielhaus so gar nichts von einer Gedenkveranstaltung hatte.

Eine dreieinhalbstündige Rundreise durch die Schrecknisse der modernen Welt. Sagenhaft lebendig, weil ein grandioses Ensemble mit Manfred Zapatka, Joachim Król und Maria Schrader an der Spitze das Herz in den vertrackten, finster-brüllkomischen Texten fanden und zum Schlagen brachten.

Dann las Harald Schmidt. Die Geschichte von Poor Tony Krause, der in einer fest sitzt und da notgedrungen einen kalten Entzug durchmacht. Neun Seiten darüber, wie Poor Tony Krause sich sprichwörtlich in einen Durchlauferhitzer verwandelt. Wie er die Kontrolle erst über seine Synapsen und dann über seine Körperöffnungen verliert.

Wie ihm die Zeit zu Scheiße wird. Wie er in einer grotesken, olfaktorisch katastrophalen Aufmachung dem finalen Zusammenbruch entgegentaumelt, in dem ihm als grandiosgruselige Epiphanie auch noch sein verhasster Vater erscheint, bevor sein Hirn schließlich in einem Feuerwerk neurologischer Fehlschaltungen regelrecht explodiert.

Eine der nachtschwärzesten Geschichten in diesem an nacht-schwarzen Horrorgeschichten übervollen Buch. Schmidt las nüchtern. Schnell. Fast mechanisch. Präzise. Stanzte den armen Tony in den Raum. Und das blanke Entsetzen schlich sich in die Gesichter der Leute. Der Abend ging weiter. Und das Lachen kehrte zurück.

Mit Maria Schrader. Die erzählte vom Selbstmord eines hoffnungsvollen Tennistalents, der seiner kompletten gefühlt zehnköpfigen Familie das Leben kostete. Schrecklich lustig, traurig, endgültig. Wie die Welt des David Foster Wallace.

Am 12.10. liest Harald Schmidt mit Anne Ratte-Polle und Trystan Pütter im Prater der Berliner Volksbühne.