Neu auf CD

Kings Of Convenience machen stillen Krawall

Nach Ausflügen ins Elektronische macht Erlend Øye mit den Kings Of Convenience wieder Simon-and-Garfunkel-haften Folk-Pop. Auch Lynyrd Skynyrd tauchen aus der Versenkung auf, und Ja Panik können die Finanzkrise in einem Satz erklären. Morgenpost Online bespricht die Platten der Woche.

Foto: EMI

Kings Of Convenience: Declaration Of Dependence (Source)

Erlend Øye, der Norweger, hat lange in Berlin gelebt. Die Stadt war stolz darauf. Denn Øye war nicht nur Musiker, sondern auch Rollenbild: der coole Nerd. Ein ewiger Junge mit zu schmalen Schultern und zu starker Brille und zu roten Haaren. Er hat elektronische Musik verfertigt und die Band The Whitest Boy Alive begründet. Doch bevor er nach Berlin kam, war er schon berühmt mit hingehauchten Folksongs an der Seite Eirik Glambek Bøes. Ihr Duo nannten sie Kings Of Convenience. Ihre Simon-and-Garfunkel-haften Hymnen stellten sie unter den Leitgedanken: "Quiet Is the New Loud". Dass Stille der Krawall von heute sei, ist in Berlin nur schwer vermittelbar. Zumindest in der Neuen Mitte. Øye kehrte zurück nach Bergen. Er singt wieder Bariton und Glambek Bøe Falsett. Es gibt kein Schlagwerk, dafür ziseliertes Zupfen allerorten, einen alten Freund und Heimat.

3 von 5 Punkten

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Ja, Panik: The Angst And The Money (Staatsakt)

Unterdessen hat Andreas Spechtl seine Band in Wien zurück gelassen. Er ist nach Berlin gezogen, wo seine Musik noch dringender gebraucht wird. "The Taste And The Money" hieß das letzte Album. Das war vor der Krise, und so heißt das dritte: "The Angst And The Money". "Ohne Geld keine Angst, ohne Angst kein Geld", singt Spechtl. Bündiger hat bisher niemand das Finanzsystem erklärt. In Liedern wie "Alles ist hin, hin, hin" oder "Die Luft ist dünn". Gesungen wird auf Denglisch, ein Klavier verziert den ungestümen Schrammelrock. Da werden die Berliner aber staunen.

4 von 5 Punkten

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Basement Jaxx: Scars (XL)

Wenn das mal gut geht: Yoko Ono singt und seufzt vom "Tag der Sonnenblumen". Bisher waren Basement Jaxx aus London unzertrennlich. Für ihr fünftes Album haben sie so kapriziöse Künstlerinnen engagiert wie Santigold, Yo Majesty und Kelis. So kommt vorerst wieder Leben in die Männerfreundschaft und deren Musik.

3 von 5 Punkten

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Richard Hawley: Truelove's Gutter (Mute)

Der Mann brummt "Open Up Your Door", aber die Tür bleibt zu. In "As The Dawn Breaks" bleibt der Himmel grau. Und "Ashes On The Fire" meint die Überreste von verbrannten Briefen. Vielleicht muss man über 40 und aus Sheffield sein wie Richard Hawley, um das Glück für ähnlich überschätzt zu halten wie die Jugend.

3 von 5 Punkten

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Lynyrd Skynyrd: God & Guns (Roadrunner)

Nicht dass man die Schlachtrösser der rotnackigen Rockmusik vermisst hätte. Aber wo sie nun wieder da sind: Lynyrd Skynyrd preisen auch nach ihrer 101. Neubesetzung Feuerwaffen und den Herrgott, die versunkenen Südstaaten und ihre eigene Unsterblichkeit. Erbittert geißeln sie das heutige Amerika. Die Welt war noch in Ordnung, als die Zahl der Gitarristen für den Ruhm der Gruppe stand. Um 1973, in den Sümpfen Floridas und manch altem, müdem Herzen.

3 von 5 Punkten

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Ray Davies & The Crouch End Festival Chorus: The Kinks Choral Collection (Decca)

Chöre sind soziale Einrichtungen, und es wurde Zeit, die Klassiker der Kinks, die schönsten Songs des Kleinen Mannes, mit einem Gesangsverein im Norden Londons nochmals aufzunehmen.

4 von 5 Punkten

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5 Punkte: Meilenstein

4 Punkte: Sehr empfehlenswert

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