Neu auf CD

Forever Young – Jay-Z bearbeitet Alphaville

Jay-Z hat auf seinem neuen Album die üblichen Verdächtigen versammelt, covert aber auch Alphaville. Rockveteran John Fogerty macht Country mit wimmernden Gitarren, die britische Metalband Venom bringt ihr Skandalalbum "Black Metal" als Werkausgabe raus und die No Angels sprechen sich selber Mut zu.

Foto: universal

Jay-Z: The Blueprint 3 (Roc Nation)

"Ich bin kein Geschäftsmann. Ich bin ein Geschäft, Mann!" Man kann sagen, dass Shawn Carter es geschafft hat. Vom Kleinkriminellen aus Brooklyn zu Jay-Z, dem Inhaber eines globalen Mischkonzerns, zu dem auch Clubs gehören, die mit Turnschuhen nicht betreten werden dürfen.

Dafür ruft Jay-Z heute zum Wählen auf und stellt sich in den Dienst der Uno. Für Musik sorgt er nur noch gelegentlich. Nun hat der Rapper sich an 9-11 und seine damals begonnene "Blueprint"-Trilogie erinnert. Um sie zu vollenden, kaufte er sich von der Firma Def Jam frei, die er einmal geleitet hat, um eine weitere zu gründen. Für seine Musik.

Im Frühsommer veröffentlichte Jay-Z bereits "D.O.A.". Kein Stück, sondern ein Manifest gegen die Software Auto-Tune, mit der die Stimmen klingen wie auf Helium. "D.O.A." ist eine Art vertonter Manufaktum-Katalog: Gitarre, Xylophon und das Zitat des Stimmungsschlagers "Na Na Hey Hey Kiss Him Goodbye" von Steam.

Auch wenn Alicia Keys oder Rihanna heute für ihn singen, klingen sie naturbelassen. Kanye West mischt mit, Pharrell, Lil Wayne und Timbaland, die Üblichen, aber auch einige junge Mündel und die Band MGMT. Für Witzbolde hat Jay-Z noch "Forever Young" von Alphaville aus Münster aufgegriffen wie zuletzt Bushido. Bei ihm heißt es "Young Forever". Dann musste er aber dringend wieder los.

2 von 5 Punkten

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No Angels: Welcome To The Dance (Polydor)

Die erste durch das deutsche Fernsehen selektierte Mädchenband hat einiges hinter sich, auch künstlerisch. Daheim hat sie bereits ein glänzendes Comeback erlebt, um anschließend vom EU-Schlager-Gipfel abzustürzen. Offenbar gelten in Deutschland eigene Normen für vernünftige Popmusik.

Den nächsten Anlauf wagen die No Angels unter Aufsicht eines Impresarios namens Khaled Schröder. Er hat die verbliebenen vier Frauen nach Los Angeles geschickt, zum Liedermachen. Aufgenommen wurde in Berlin, New York und Oldenburg. Geholfen haben Produzenten aus Amerika wie Robert Bell von Kool & The Gang. Er hatte gerade frei. Die Stücke handeln hauptsächlich vom Tanzen und davon, sich nie entmutigen zu lassen.

2 von 5 Punkten

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Nelly Furtado: Mi Plan (Universal)

Portugals ertragreichster Gesangsexport singt Spanisch, eine ganze Platte voll. Das wird die Portugiesen aber freuen.

1 von 5 Punkten

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John Fogerty & The Blue Ridge Rangers: Ride Again (Verve)

Amerika hatte es auch schon besser. Deshalb kümmern sich die Veteranen der robusten Rockmusik verstärkt um Traditionen. Selbst im Country war nicht alles schlecht: John Fogerty trägt heute Hut und Halstuch, die Gitarren klingeln oder wimmern, und die Lieder stammen von John Denver und Buck Owens. Fogerty singt sogar mit Obamas Hofsänger Bruce Springsteen. Und vor allem revidiert er seine eigene, 23 Jahre alte Eselei "Change In The Weather". Zu einer Art Blues.

3 von 5 Punkten

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Venom: Black Metal (Sactuary)

Mit "Black Metal" sollen Venom Schuld daran gewesen sein, dass junge Skandinavier plötzlich Kruzifixe auf den Kopf gestellt und anschließend in Holzkirchen gezündelt haben. Das hat Venom selbst, fünf hartgesottene Engländer, so nachhaltig erschreckt, dass sie ihr Schlüsselwerk von 1982 nun als Werkausgabe neu veröffentlichen. Kritisch ediert mit Bild und Ton von durchaus lustigen Konzerten damals.

4 von 5 Punkten

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5 Punkte: Meilenstein

4 Punkte: Sehr empfehlenswert

3 Punkte: Solide

2 Punkte: Eher schwach

1 Punkt: Ziemlich missraten

0 Punkte: Totales Desaster