Todesnachricht

Schauspielerin Maria Kwiatkowsky gestorben

Die Berlinerin Maria Kwiatkowsky galt als eine der besten deutschen Nachwuchs-Schauspielerinnen. Im Alter von 26 Jahren ist sie gestorben - allein in ihrer Wohnung.

Die Schauspielerin Maria Kwiatkowsky ist tot. Sie starb bereits am Montag dieser Woche, wie die Berliner Volksbühne am Freitag mitteilte. Die gebürtige Berlinerin hatte seit 2010 ein festes Engagement in dem Theater am Rosa-Luxemburg-Platz in Mitte. Bereits ein Jahr zuvor spielte sie dort unter anderem in den Inszenierungen „Nach Moskau! Nach Moskau!“ und „Der Kaufmann von Berlin“ in der Regie von Frank Castorf. Das Haus verliere ein außergewöhnliches Talent, hieß es. „Ihr dynamisches und in ihrer Jugendlichkeit doch lebensweises Schauspiel hinterlässt eine gewaltige Lücke“, teilte die Bühne mit. Angaben zur Todesursache machte das Theater nicht. Wie Morgenpost Online erfuhr, soll die junge Frau Probleme im Umgang mit Betäubungsmitteln gehabt haben. Die Theater-Internetseite „Nachtkritik“ berichtet, Kwiatkowsky sei erst am Donnerstag in ihrer Wohnung gefunden worden und an Herzstillstand gestorben.

Maria Kwiatkowsky war dem Publikum auch aus Auftritten in Kino- und Fernsehfilmen bekannt. So war sie im Kino zuletzt in den Streifen „Polar“ und „Carlos“ zu sehen. TV-Zuschauer kennen die Berliner Aktrice vor allem aus Rollen in Krimiserien wie „Tatort“, „Ein starkes Team“ oder „Kommissarin Lucas“. Für ihre Hauptrolle in „En Garde“ erhielt sie 2004 den Preis für die beste weibliche Hauptrolle beim Internationalen Filmfestival Locarno. 2010 erhielt sie außerdem die Goldene Kamera als beste Nachwuchsschauspielerin im Film. Die Zeitschrift „Theater heute“ kürte sie im vergangenen Jahr zur Nachwuchsschauspielerin des Jahres.

Jenseits der Bühne geriet Maria Kwiatkowsky im November 2005 in die Schlagzeilen. Die damals 20-Jährige hatte an der Conrad-Blenkle-Straße in Prenzlauer Berg Feuer in einer Kindertagesstätte gelegt. Als Motiv gab sie Wut nach einem Streit mit ihrem Freund an. Die junge Frau hatte mit einem Holzscheit ein Fenster der Kita „Sonnenmäuse“ eingeschlagen und in sechs der zehn Räume Brände gelegt. Dann war sie vor den Flammen auf das Dach geflüchtet, wo die Feuerwehr sie unverletzt retten konnte. Im Mai 2006 wurde Maria Kwiatkowsky zu einer zweijährigen Jugendstrafe verurteilt, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem machte das Gericht ihr zur Auflage, sich einer Psychotherapie zu unterziehen. Durch den Brand war ein Sachschaden von rund 440.000 Euro entstanden, für den die Verurteilte aufkommen musste.

Noch am vergangenen Wochenende hatte sie im nordrhein-westfälischen Leichlingen zusammen mit Mario Adorf für den Kinofilm „Die Erfindung der Liebe“ vor der Kamera gestanden. Darin sollte sie die Rolle einer Schauspielstudentin bekleiden, die eine sterbenskranke Millionärin um ihr Vermögen bringen will.

Maria Kwiatkowsky stammt aus Prenzlauer Berg. Sie spielte schon während ihrer Schulzeit am dortigen Camille-Claudel-Gymnasium Theater. Bereits 2004 wurde die 19-Jährige für ihre zweite Filmrolle in Ayse Polats Film „En Garde“ beim Filmfestival in Locarno (Schweiz) den Preis für die beste Darstellerin – zusammen mit ihrer Filmpartnerin Pinar Erincin.

Nach dem Zusammenbruch 2005 ging Maria Kwiatkowsky 2006 zunächst für einige Zeit ins beschauliche Freiburg, wo die ehemalige Volksbühnen-Dramaturgin Barbara Mundel Intendantin geworden war. 2009 spielte sie Theater in Zürich („Anna Karenina“ im Theater Neumarkt) und Düsseldorf („Sojas Wohnung“ im Schauspielhaus) und schließlich auch wieder an der Volksbühne - in Frank Castorfs Inszenierung von „Ozean“. Ihre letzte Premiere in dem Theater am Rosa-Luxemburg-Platz war 2010 „Der Kaufmann von Berlin“, ebenfalls in der Regie von Frank Castorf. Weitere Regisseure, mit denen sie arbeitete waren Dimiter Gotscheff und Sebastian Baumgarten.

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