"Schwer verliebt"

Knallbunte Kuppelei mit Bauchspeck und Damenbart

In der neuen Kuppelshow "Schwer verliebt" sollen Dicke einen Partner finden. Coming-out und eine haarige XXL-Skurrilität gibt es bei der ersten Folge gleich mit dazu.

Foto: pa/obs/SAT.1 / Willi Weber / pa/obs/SAT.1 / Willi Weber/SAT.1 / Willi Weber

Marius Müller-Westernhagen sang einst: "Dicke ham's auch schwer bei Frauen, denn Dicke sind nicht angesagt. D'rum müssen Dicke auch Karriere machen – mit Kohle ist man auch als Dicker gefragt". Als Dicker ohne Geld bleibt einem heute da glücklicherweise noch Britt Hagedorn mit ihrer neuen Dicken-Kuppelshow "Schwer verliebt" auf Sat.1.

Lange schon schielen die Privatsender neidisch auf den Quotenrenner "Bauer sucht Frau“, den sich RTL sicherte. Jede Staffel war bisher ein Erfolg, fast schon unheimlich. Für Sat.1 muss da jetzt wohl etwas Eigenes her. Aber was? Mit den Adeligen ("Gräfin gesucht", 2008) hat es ja schon mal nicht geklappt. Und wenn einem weiter nichts einfällt, dann müssen wohl eben die Dicken ran.

Beim Start der ersten Folge, in denen 14 pfundige Kandidatinnen und Kandidaten vorgestellt werden, hat man schon in den ersten Minuten ein Déjà-vu: Vor einer satten grünen Kulisse wallt die Moderatorin – selbst im sechsten Monat schwanger – zur Begrüßung in Richtung Kamera.

Die legere Karobluse kombiniert mit Dreivierteljeans, in der sich Inka Bause gewöhnlich vor der Kamera präsentiert, hat man bei Britt Hagedorn (39) allerdings gegen eine luftige Seidentunika mit Batikmuster eingetauscht.

Zunächst einmal wird dem Zuschauer die Motivation der Sendung näher gebracht, nämlich die großen Probleme dicker Menschen bei der Partnersuche, klar. Vier Millionen Dicke leben "ohne Liebe". Dabei haben "sie doch so viel zu geben", wie Britt Hagedorn erbarmungsvoll säuselt. Die Kuppel-Mutter-Attitüde beherrscht die Talk-Moderatorin schon recht gut.

Lieber gut abkupfern als mit eigenen Konzepten scheitern

Statt Kuschelrock-Platten bedient man sich für die musikalische Untermalung bei "Schwer verliebt" in der Schlagerabteilung. Zu Udo Jürgens, Roberto Blanco, Dolly Parton und Co. werden unter anderem der "fröhliche Flötenspieler Andreas" (29), der "einsame Kirchgänger Erik" (47) und der "treue Trödelfreund Olaf" (45) präsentiert.

Kommt einem alles irgendwie bekannt vor. Ein paar eigene Ideen wären nicht verkehrt gewesen, denkt man sich, aber lieber gut abkupfern als mit eigenen Konzepten scheitern. Als Zuschauer befindet man sich an dieser Stelle bereits in der inneren Emigration.

Doch als sich "Regalservicekraft" Sarah vorstellt, muss man wieder aufhorchen: Die "verpeilte" 27-Jährige lebt bei ihren Eltern und teilt sich ihr Zimmer mit 150 Barbie-Puppen. Jede hat einen Namen. Sogar ein homosexuelles Paar befindet sich darunter. Ihren realen Ken hat der "ungeschliffene Rohdiamant" – wie sie sich selbst beschreibt – noch nicht gefunden.

Sicher, es gab da mal einen Online-Flirt mit einem Metzger, aber der hat sie dann einfach versetzt. "Schrecklich verarscht" habe sie sich da gefühlt. Doch diese Enttäuschung liege hinter ihr, frohlockt sie in ihrem Liebesaufruf in die Kamera.

Natürlich wird bei der Vorstellung der Kandidaten auch nicht die Brutstätte der Fettpölsterchen verborgen: das Zuhause der Liebeshungrigen. Der Ort, an dem sie sich die meisten Pfunde auf die Rippen gemampft haben. Dort, in den überwiegend karg und trist aussehenden Wohnungen, hält die Kamera gnadenlos drauf, wenn sich die Dicken klischeegerecht Buletten mit Majo, Erdbeertörtchen, Döner und Co. schmecken lassen.

Das Vorführszenario setzt sich munter fort, als beispielsweise Karaoke-Fan Torsten (36) "Ma-Ma-Ma-Märchenprinz" trällert und sich die Kamera quälend lange an den bebenden Polstern ergötzt.

Spätestens jetzt bekommt man eine Ahnung davon, wie schwer es für die Kandidaten sein muss einen Partner zu finden, dass sie sich so etwas antun.

"Jetzt kommt ein ganz besonders Schwergewicht", moderiert Britt Hagedorn Kandidat Daniel (29) an. Der "sanfte Schneekugelsammler" sucht einen Mann. "Groß, muskulös und schlank" beschreibt er seinen Traumpartner, während er zusammen mit der Moderatorin süße Pfannkuchen vertilgt.

Die Frage, ob er denn "süße Sachen mag", muss der arme Kerl noch über sich ergehen lassen, bis er gesteht, dass sein Vater offenbar noch nichts von seiner Homosexualität weiß. Jetzt wird erst einmal direkt in die Kamera das Coming-out ausgerufen.

Der buschige Bart der Kandidatin Mariam

Für den Schluss haben sich die Macher der Sendung dann noch ein ganz besonderes Schmankerl aufgehoben. Was ist so anders an Kandidatin Mariam? Richtig. Der schwarze buschige Bart. Die "hellsichtige Bartträgerin" will Britt Hagedorn persönlich kennen lernen und besucht sie im Wendland. Natürlich will sie gleich mal anfassen.

Die sympathische Frau lässt sich von der Moderatorin nicht aus der Ruhe bringen, die es offenbar gar nicht fassen kann. "Würdest du den Bart für einen Mann abnehmen?". "Nein, der bleibt", antwortet Mariam in stoischer Ruhe. Sie sagt, dass etwa 30 Prozent der Frauen einen solchen Bart hätten, wenn sie nicht entsprechende Maßnahmen treffen würden. "Da habe ich ja noch einmal Glück gehabt", jauchzt die Moderatorin. Ach du dickes Ei.

Ab Herbst soll es mit "Schwer verliebt" weitergehen. Dann werden sich die Kandidaten mit zwei potentiellen Partnern ihrer Wahl einem Alltagstest unterziehen. Entschieden wird dann nicht beim Scheunenfest, sondern wahrscheinlich in der Frittenbude.

Eines muss man Sat.1 aber lassen: Mit dieser quietschbunten Freakshow geht man auf der nach unten offenen Niveauskala wirklich in die Vollen.