Den Panda (Ailuropoda melanoleuca) haben wir bei unseren Zoo-Besuchen immer für einen dezenten Irrtum der Natur gehalten. Er lag herum wie ein ausgedehnter Kaminvorleger, war notorisch fortpflanzungsfaul und hörte auf so blöde Namen wir Ping Ping oder Bao Bao. Eine ziemlich lächerliche Figur. Doch auch biologische Witzfiguren haben Träume.

Po zum Beispiel - der Super-Antiheld des neuen Dream-Works-Animationsfilms "Kung-Fu-Panda" - träumt davon, ein superduper Kung-Fu-Fighter zu sein. Po ist ein Panda, wie er im Bilderbuch steht: außerordentlich füllig, außerordentlich verfressen und ein kleines bisschen schlichten Gemüts. Statt allerdings faul im Zoo herumliegen zu müssen, darf Po durchs Tal des Friedens tappen, das sich im tiefsten, kitschigsten China befindet. Und statt wie blöde Bambus in sich hinein zu stopfen nach Art seiner Artgenossen, macht er eine Nudelsuppenkochausbildung im Restaurant seines Vaters.

Der wiederum - was Po nicht wirklich irritiert - eine Ente ist. Mit Nudeln will sich Po, der Bär mit so wenig Verstand wie Kraft, nicht zufrieden geben. Er will der legendäre Drachenkrieger werden, der Retter seines Tals. Er wird zum Zeichentricksuperheld dieses Sommers. Das lässt sich gar nicht mehr aufhalten.

Woran nicht nur sein unzweifelhafter Knuddelbärcharme schuld ist. Denn Po purzelt natürlich nicht zufällig durch die gegenwärtige Geisteslandschaft. Sondern weil dieser Sommer ein chinesischer, ein olympischer wird.

Olympisch sind auch die Herausforderungen, vor denen das teigige Kuscheltier steht, als es sich wieder einmal zu weit aus der Deckung gewagt hat. Denn statt einem der favorisierten Kung-Fu-Tiere (Affe, Kranich, Schlange, Gottesanbeterin, Tiger) bestimmt der weise Schildkrötenzenmeister Oogway diesmal Po zum neuen Drachenkrieger. Und jetzt muss er, der es nur mit knapper Müh' und Not geschafft hat, seinen Wanst die unendliche Treppe zum Jadetempel hinaufzuwuchten, ganz schnell so gut kämpfen lernen wie er Sprüche klopfen kann.

Es gilt, das Tal gegen den fiesen Schneeleoparden Tai Lung zu verteidigen, die dunkle Seite der Kung-Fu-Macht. Und sich zu behaupten gegen die fünf Superkämpfer samt ihres Meisters Shifu, den Obi-Wan Kenobi des Jadetempels. Statt zu verzagen, kriegt Po den Hintern hoch und wird zum Superhelden, indem er in bester Nike-Werbe-Denke wird, der er eigentlich ist.

Das Tempo, in dem die Kampfszenen hereinprasseln, ist enorm, der Charme der mit dem besten der kräftig ironisierten Kung-Fu-Filmvergangenheit gewürzten Geschichte groß und die Gagdichte und -treffsicherheit gewaltig. Was dringend nötig ist. Damit wir über allerlei hinweg lachen. Darüber, dass die optisch aufregendsten Passagen von "Kung-Fu-Panda" nach gut fünf Minuten vorbei sind - in denen träumt der Panda vom Drachenkriegersein, was aussieht, als hätten es geniale chinesische Hochgeschwindigkeitsholzschnitter in die Leinwand geritzt. Dass ansonsten die Qualität der Zeichnung längst nicht das Niveau der Pixar-Konkurrenzprodukte erreicht. Dass die Figuren abgesehen von Po doch reichlich flach daherkommen. Dass von chinesischer Philosophie an Gehalt nur übrig bleibt, was gerade so auf einen Glückskekszettel passt. Dass einen in den Pausen vom Gelächter je länger, je mehr das Gefühl beschleicht, einem kulturimperialistischen Akt beizuwohnen, in dem zur höheren Ehre der Bilanzen Kung-Fu, Konfuzius und Coca-Cola derart gnadenlos zusammengeschmolzen werden, dass man ganz konfus wird.

Immer dann allerdings erweist sich Kung-Fu-Panda Po erst wirklich als wahrer Drachenkrieger. Locker kontert er jeden Angriff des Kulturkritikers in uns aus mit perfektem Timing und absolut entwaffnenden Einfällen.