Deutscher Film

Regisseur und Produzent Peter Schamoni gestorben

Peter Schamoni ist tot. Er starb am Dienstag in München nach kurzer, schwerer Krankheit . Der gebürtige Berliner wurde 77 Jahre alt, drehte rund 30 Filme und gehörte zu den Begründern des Neuen Deutschen Films.

Er war einer der Vorreiter des Neuen Deutschen Films und machte Uschi Glas 1968 in der Komödie „Zur Sache Schätzchen“ zum Star. Jetzt ist der Filmemacher Peter Schamoni im Alter von 77 Jahren in München an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Erst am Gründonnerstag hatte er die vernichtende Diagnose bekommen. „Es war eine sehr heftige und plötzliche Diagnose“, sagte seine ehemalige Lebensgefährtin Anja Jungclaus am Dienstag. „Das hat ihm zuerst den Boden unter den Füßen weggerissen, dann hat er schnell versucht, alles zu regeln, was zu regeln ist.“ Und bis zur letzten Minute habe er noch an Projekten gearbeitet. „Er hatte das Gefühl, noch wahnsinnig viel tun zu müssen.“

Gearbeitet hat Schamoni viel in seinem Leben. Mehr als 30 Spiel- und Dokumentarfilme gehen auf sein Konto, viele davon sind preisgekrönt. Erst vor zwei Jahren bekam er den Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises für sein Lebenswerk. „Sie haben ohne Zweifel ein beeindruckendes Stück Filmgeschichte geschrieben“, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer damals.

Denn Schamoni gehörte zu denen, die sich in den 1960er Jahren die Revolutionierung des deutschen Films auf die Fahnen geschrieben hatten. „Es war überhaupt kein Platz in der damaligen Filmwirtschaft“, sagte der Produzent und Regisseur einmal in einem Interview. Der deutsche Film habe nur vom „Förster im Silberwald“ und den „Lümmels von der ersten Bank“ gelebt. Darum wurde Schamoni 1962 Mitunterzeichner des „Oberhausener Manifests“, das als die Geburtsstunde des Neuen Deutschen Films gilt.

Sein Spielfilmdebüt „Schonzeit für Füchse“, das sich mit dem Generationenkonflikt beschäftigt, erhielt bei der Berlinale 1966 den silbernen Bären. Sein Name war aber vor allem verbunden mit der Komödie „Zur Sache Schätzchen“ von 1968. Die machte seine Hauptdarstellerin Uschi Glas berühmt und ihn in der ganzen Republik bekannt. „„Es tut mir natürlich sehr leid. Er war nicht nur ein Arbeitspartner, sondern ein lieber Freund“, sagte Glas, nachdem sie die Nachricht von Schamonis Tod erreicht hatte.

Schamoni war im Grunde schon für das Filmgeschäft geboren. Im Jahr 1934 kam er in Berlin als Sohn eines Filmwissenschaftlers und einer Cutterin und Drehbuchautorin auf die Welt. Auch seine drei Brüder Victor, Thomas und Ulrich landeten in der Filmbranche. Schamoni studierte Kunst-, Literatur- und Theatergeschichte, besuchte eine Schauspielschule in München und arbeitete als Regieassistent an verschiedenen Theatern.

Auch wenn er kommerziellen Filmen nicht abgeneigt war, machte er sich in erster Linie mit avantgardistischen Projekten einen Namen. Vor allem seine ambitionierten Künstlerbiografien fanden Beachtung. Initialzündung für die Kunst als Thema war die Begegnung mit Max Ernst. „Das hat mein Leben wesentlich bestimmt. Er war ein Jahrhundertkünstler, der nur in einem Atemzug mit Picasso zu nennen ist“, wird Schamoni zitiert.

Über den Mann, dessen Kunst ihn „umhaute“, drehte er mehrere Filme, etwa die Hommage „Max Ernst – Mein Vagabundieren, meine Unruhe“ zum 100. Geburtstag des Künstlers 1991. Sein international größter Erfolg wurde jedoch „Hundertwassers Regentag“ (1972) – der Academy war dieser Film eine Oscarnominierung wert.

Mit seinem letzten großen Projekt „Botero – Geboren in Medellin“ (2008) kehrte Schamoni zu seinem Lieblingsmetier zurück. Der Film beschreibt die Bilder und Skulpturen des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero.

Und auch für die Zukunft hatte der 77-Jährige noch viel vor. „Er hat zuletzt viele Reisen ins Tessin unternommen und war da seiner Familie auf der Spur“, sagte Jungclaus. „Im Nachhinein denkt man dann natürlich, dass da schon etwas getickt hat in ihm.“ Schamoni hinterlässt einen Sohn und eine Enkeltochter. Er soll voraussichtlich in der kommenden Woche in Seeshaupt am Starnberger See beigesetzt werden.