Neue Dokusoap "Die Farm"

Inka Bause – Die Quotenfrau von RTL ist zurück

Kaum eine Moderatorin hat eine so steile Karriere hingelegt wie Inka Bause. Zu DDR-Zeiten war sie ein gefeierter Schlagerstar, musste dann aber nach der Wende noch einmal bei Null anfangen. Jetzt hat sie eine neue Show auf RTL. Mit "Die Farm" muss sie sich wieder neu beweisen.

Stellen Sie sich vor, Sie ziehen für zehn Wochen ins RTL-Dschungelcamp. Okay, das Camp steht nicht im australischen Dschungel, es ist ein Bauernhof in der norwegischen Pampa.

Doch hier wie dort gibt es kein warmes Wasser, keinen Strom, keinen Kühlschrank. Nur elf Mitbewohner, die für die Siegesprämie von 50.000 Euro bereit sind, die Grenzen des guten Geschmacks zu überschreiten.

Schon nach einer Woche ist die Stimmung im Keller. Doch plötzlich öffnet sich die Tür, und es ergeht Ihnen wie dem verdurstenden Wanderer in der Wüste, der unverhofft auf eine Quelle stößt. Herein weht ein Wirbelwind, dem jedes Tiefdruckgebiet seufzend weicht: Inka Bause.

Das ist die Frau mit der scheinbar lässig verwuschelten Meg-Ryan-Friseur, die seit 2005 für RTL alleinstehende Landwirte verkuppelt, den rolligen Rübenbauern Rudi, den gemütlichen Getreidebauern Georg – oder wie RTL seine Schäfchen alle nennt.

Kein Zweifel: Wenn sie jetzt die neue RTL-Dokusoap „Die Farm“ moderiert, dann wird ihre bloße Anwesenheit auch die Insassen dieses „Dschungelcamps light besänftigen oder motivieren, je nach Stimmungslage. Inka Bause, das ist die Mutter Teresa von RTL, bloß in jung.

Gnadenlos freundlich und frei von Vorurteilen oder Ironie. Und gesegnet mit einem Optimismus, den man wohl unerschütterlich nennen muss. Diesen Eindruck gewinnt der Zuschauer, wenn sie sich bei „Bauer sucht Frau“ zu den Landwirten auf den Strohballen setzt, perfekt frisiert und wie aus dem Ei gepellt.

Sie legt dann den Kopf ein wenig schief und hört sich an, warum manche blinden Hühner eher ein Korn finden als der Rudi oder der Georg eine Frau. Es geht ans Eingemachte, um intime Fragen, die nicht ins Fernsehen gehören, doch der Zuschauer muss sich nicht fremdschämen.

Schlagfertig und warmherzig, wie sie ist, schafft es Inka Bause, den Eindruck zu erwecken, als würde sie ihre Sorgenkinder schon seit einer Ewigkeit kennen. So nimmt sie diesen Momenten ihre Peinlichkeit. Halb Kummerkasten, halb Motivationstrainerin.

Es ist nur eine Rolle, doch dass sie sie glaubwürdig spielt, liegt auch an ihrer Biographie. Inka Bause gilt als Stehauffrau. 1968 als Tochter des berühmten DDR-Schlagerkomponisten Arnd Bause in Leipzig geboren, landet sie schon mit sechzehn Jahren einen ersten Hit.

Er heißt „Spielverderber“ und trägt ihr neben zahlreichen Preisen auch den Vergleich mit Nena ein, dem Frolleinwunder der Neuen Deutschen Welle. Nach der Wende muss der ehemalige Teeniestar aus dem Osten noch einmal bei Null anfangen. Mehr Erfolg als mit ihrer Musik hat sie als TV-Moderatorin, erst im ZDF und im MDR.

Doch erst mit dem Job als Kuppelmutti für RTL gelingt ihr auch in den alten Bundesländern der Durchbruch. Dass die Doku-Soap in der fünften Staffel über acht Millionen Zuschauer erreicht, dieser Erfolg geht zur Hälfte auf ihr Konto.

Mag sich ihr Beitrag formell auch auf das Aufsagen auswendig gelernter Texte von berückender Schlichtheit beschränken – ihre Fans sind ihr treu ergeben. Der hübschen Berlinerin eilt der Ruf voraus, sie bringe auch schwer vermittelbare Fälle mit ungünstiger Sozialprognose unter die Haube. Überhaupt verwandele sich alles Stroh in Gold, das sie anfasse.

Was vielleicht erklärt, warum sie inzwischen auch das ZDF für sein Traumschiff angeheuert hat. Als Yoga-Lehrerin Inka mischt sie das schwimmende Seniorenheim auf, allzeit gut gelaunt, allzeit bereit, frustrierten Mitffünzigern die Lebensbeichte abzunehmen. Ganz diskret, wir sind hier schließlich auf einem Luxusdampfer und nicht im Schweinestall.

Das Ziel ist jedoch dasselbe, egal, ob die Reise nach Dubai oder Kanada geht. Für das ZDF soll Inka den oder anderen Zuschauer aus der werberelevanten Zielgruppe ins Boot zu holen.

Man hätte sie gerne gefragt, ob ihr dieses Image als gnadenlos sympathische, aber auch simpel gestrickte Mutter Teresa von RTL nicht langsam nervt. Hat sie doch 2008 in der WDR-Show „Zimmer frei!“ auf die Frage nach ihrem Traum gesagt: „Einmal eine große Showtreppe runterkommen. Mit viel Glanz und Glamour. Ich will doch nicht die nächsten fünf Jahre auf Bauernhöfen rumstehen.“

Doch ein Interview kommt nicht zustande – angeblich, weil ihr Kalender randvoll mit Terminen sei. Ihr Management leitet die Anfrage an RTL weiter. Es heißt, sie sei gerne bereit, Fragen schriftlich zu beantworten. Man möge diese aber gleich an die Pressestelle mailen.

Zwei Tage später sagt RTL ab: Frau Bause habe leider doch keine Zeit. Ob das stimmt, darüber kann nur spekuliert werden. Fest steht, dass Bause für den Sender inzwischen so wichtig ist, dass ein Interview mit ihr als Chefsache gehandelt wird. „Die Gottschalk von RTL“, so hat sie ein Kritiker einmal genannt.

Wer versucht, ihr Image zu hinterfragen, muss mit einem Interview vorlieb nehmen, das der Sender selber mit seinem Aushängeschild geführt hat.

Man erfährt darin, dass sich die geschiedene Mutter einer 13-jährigen Tochter selber vorstellen könne, der Zivilisation eine Zeitlang den Rücken zu kehren: „Selber heizen, kochen, backen wäre für mich kein Problem – auch nicht das kalte Duschen, das mache ich sowieso.“

Inka, die Kaltduscherin? In einem „Exklusiv-Interview“, das sie dem Frauenmagazin „Das neue Blatt“ zum selben Thema gegeben haben will, klingt das ganz anders. Da behauptet sie, sie könne auf jeden Luxus verzichten, bloß nicht auf ihre heiße Dusche.

Keine Frage: Die Moderatorin spielt Katz und Maus mit den Medien. Vor dem Hintergrund ihrer Biographie ist das nicht erstaunlich. Jetzt, da sie den Aufstieg vom „wandelnden Super-Illu-Cover“ (Der Freitag) zum Liebling des ZDF-Traumschiffes geschafft hat, tut sie alles, um ihre Liege auf dem Sonnendeck zu verteidigen. Interviews stören da nur.

Was dabei herauskommt, wenn sie dem Fernsehen die Tür öffnete, zeigte ein 30-minütiges Porträt, das der Berliner TV-Journalist Jan Tenhaven 2001 für den MDR drehte. Es zeigte eine Powerfrau, die mit eiserner Disziplin an ihrem Comeback arbeitet, milde belächelt von den Kollegen aus dem Westen.

Arglos hat sich Bause damals vor der Kamera geöffnet. Man erlebt, wie mäkelig sie bei der Suche nach ihren Bühnen-Outfits ist. Oder wie sie vor ihrem Auftritt im ZDF-Fernsehgarten verloren in einem Container hockt.

Noch symbolträchtiger ist nur ein anderes Bild: Es zeigte eine Frau von 32 Jahren, die im strömenden Regen auf einer Bühne im brandenburgischen Rathenow vor hundert Zuschauern in Lederhose und bauchnabelfreiem Top auf – und abhüpft und bei Dauerregen unverdrossen versucht, an ihr DDR-Image als Girlie anzuknüpfen, sexy und naiv zugleich naiv. Wer hätte gedacht, dass sie es mit dieser Masche bis ganz weit oben ins Fernsehen schafft?

RTL, Die Farm, ab dem 31. Januar , 19.05 Uhr