"Bauer sucht Frau"

Schwule Bauern, erste Schnäpse, bebende Leiber

Gleich zum Auftakt der sechsten Staffel von "Bauer sucht Frau" ging es voll zur Sache. Ein Schwuler und schwofende Vollweiber präsentierten ein Feuerwerk der Triebe.

Wenn Australier die deutsche Version der beliebten Sendung " Farmer wants a wife " kennen würden, dann würden sie höchstwahrscheinlich ungläubig mit dem Kopf schütteln und behaupten, dass es sich nie und nimmer um das gleiche Sendekonzept handeln kann.

Und das könnte man ihnen auch gar nicht verübeln, denn das deutsche "Bauer sucht Frau"-Format hat – zumindest was die Kandidaten betrifft –, nicht sehr viel gemeinsam mit dem australischen.

In Australien geht es nämlich meistens um braungebrannte Kerle mir Waschbrettbauch . Sie kämpfen mit wilden Tieren und der Naturgewalt.

Sie wirken nicht so, als würden sie sich nach weiblicher Zärtlichkeit sehen, die sie nie zuvor in ihrem Leben erlebt haben, wie es Bauer Dirk (35) aus Sachsen beschreibt.

Das passt dann doch eher zum deutschen Format, in dem Männer mit unförmigen Körpern, feuchten Händen und vor Aufregung bebenden Fingern die zugesendeten Briefe öffnen.

Wie üblich bringt Inka Bause als Postillon d'amour dem sanften Schweinebauer Uwe (41), dem gutmütigen Milchbauer Horst (58) und dem heiteren Ackberbauer Rolf Weidenkörbchen voller Liebespost auf die Höfe von ihren Buhlen.

Es ist also alles beim Alten geblieben in der beliebten RTL-Kuppelshow: Die 42-jährige Moderatorin Inka Bause präsentiert völlig frei von jeglicher Ironie, mit der Zuverlässigkeit einer Maschine die liebeshungrigen Bauern auf der Balz.

Und zu den Klängen von Chris de Burgh, Foreigner, Roxette und Abba werden dem Zuschauer die schmalzigen Häppchen serviert.

Zwei Jahre suchte RTL nach dem perfekten schwulen Bauern

Besonders der schwule Bauer Philipp (27) steht hoch im Kurs. Kein Wunder. Schließlich ist er der erste "Bauer dieser Art", den sie bei RTL haben, wie Moderatorin Bause dann doch ein wenig ungeschickt in die Kamera gickelt. Zwei Jahre lang hat RTL nach einem geeigneten homosexuellen Jungbauern gesucht, wie der Sender im Vorfeld mitteilte.

Auch Bauer Rolf (48) ist sehr zufrieden mit der Menge seiner Liebespost, geradezu entzückt ist er. "So viele Liebesbriefe habe ich ja noch nie bekommen", ruft er begeistert. "Ja, das kann ich mir vorstellen", rutscht es der Moderatorin heraus, bevor sie geschwind wieder ihr perfektes Tippex-Grinsen aufsetzt.

Auf dem Scheunenfest treffen die Bauern dann erstmals auf die Buhlen. Und der Zuschauer wird Zeuge, wie die Funken nur so durch den Raum tanzen, als die zumeist drallen Grazien über den Scheunenteppich schreiten. Auch die Regie will diesen magischen Moment noch verstärken, indem die Bilder in Zeitlupe abgespielt werden. Dazu hält die Kamera großflächig auf die verschmitzt lächelnden, staunenden und begeisterten Männer.

Friedrich muss seine Fragen an seine Buhlerin von Zettel ablesen

Der Wettbewerb ist eröffnet, das Anbandeln kann beginnen. Und auch für den Zuschauer, der eine diebische Freude am ungelenken Liebeswerben hat, kommt voll auf seine Kosten. Bauer Friedrich (59) ist so unbeholfen, dass er seine Kennenlern-Fragen von einem vollgekritzelten Zettel ablesen muss.

Aber das stört die beiden Damen, die sich für ihn interessieren, nicht im Geringsten. Ganz im Gegenteil. Es geht gleich richtig zur Sache, denn Inge steigt beim schüchternen Bauer Friedrich nicht in die Bremsen. Der weiß gar nicht wie ihm geschieht, als die kesse Mittvierzigerin ihm einen dicken Mund-Schmatzer aufdrückt, den er allerdings sofort ein wenig verstohlen wegwischt.

Das Ganze stinkt Monika saumäßig. Doch bevor die Streithennen so richtig loslegen können, wird Inge von Bauer Friedrich vor das Scheunentor geschickt, damit er mal ein paar Takte allein mit Monika reden kann.

Aber nicht nur die Herzen sprechen bei diesem Scheunenfest, sondern auch die Hände. Nach den ersten Schnäpsen wird ordentlich getätschelt, gestreichelt und geknutscht. Aber hey, warum eigentlich nicht. Eifersuchtsdramen sind nämlich bereits zu diesem Zeitpunkt ausgeschlossen, da jeder Bauer in dieser Staffel nur eine Dame mit auf den Hof nehmen wird.

Bebende, schwitzende, hüpfende Leiber

Und auch Bauer Friedrich hat sich in der Zwischenzeit für Streithenne Inge entschieden.

Das Bedürfnis nach Häme und Voyeurismus ist jedenfalls gedeckt, als die Moderatorin sich passend mit einem Abba-Song ("GimmeGimmeGimme a Man after Midnight") als musikalische Untermalung verabschiedet. Im Hintergrund dreht sich das Liebeskarussel auf Hochtouren: bebende, schwitzende, hüpfende Leiber, die sich mal mehr, mal weniger eng umschlungen dem Moment hingeben. Wer braucht denn da eigentlich noch Waschbrettbäuche?