Comdey-Queen

Anke Engelke lässt es endlich wieder krachen

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Antje Hildebrandt

Foto: obs / dpa

Dreadlock-Ruth, die Brutalo-Mutter und die dicke Onka: Die Engelke-Figuren sind zurück. Von heute an zeigt Sat.1 neue Folgen von "Ladykracher". Auf Morgenpost Online spricht Anke Engelke über Hängebusen, ihr Verhältnis zu hässlichen TV-Figuren und die Frage, warum sie nach Drehpausen Entzugserscheinungen plagen.

Morgenpost Online: Frau Engelke, Ihr Kollege Hape Kerkeling hat gerade verkündet, dass er sich mit spätestens 50 Jahren vom Fernsehen verabschieden werde. Hören Sie Ihre Uhr auch schon ticken?

Anke Engelke: Ich bin schon vor zehn Jahren gefragt worden: Wie lange kann man das denn machen? Mich wundert diese Frage sehr. Wieso sollte ich aufhören, nur weil ich beim Fernsehen arbeite? Ich brenne für meine Arbeit. Sie erfüllt mich derart, dass ich richtige Entzugserscheinungen kriege, wenn ich längere Zeit nicht drehe.

Morgenpost Online: Herr Kerkeling sagt, er wolle sich nicht selber beim Altern zuschauen. Das sollte doch bei Männern in seinem Alter kein Thema sei, oder?

Engelke: Auch bei Frauen sollte das kein Thema sein, da poche ich auf Gleichberechtigung.

Morgenpost Online: Komiker sollen die Leute zum Lachen bringen. Sind da ein Doppelkinn oder ein Hängebusen nicht sogar förderlich?

Engelke: Nee, wissen Sie, was förderlich ist? Wenn man sich genau über solche Äußerlichkeiten erst gar keine Gedanken macht. Das zu thematisieren, ist ja schon der erste Schritt in Richtung Eitelkeit. Dabei sollte man sich doch selber ganz in den Dienst einer Rolle stellen.

Morgenpost Online: Sie gehören zu den wenigen Frauen in der Comedy, die Mut zur Hässlichkeit beweisen. Kostet es Sie Überwindung, sich für „Ladykracher“ in Typen wie die Proll-Britta oder die dicke Onka zu verwandeln?

Engelke: Im Gegenteil. Das macht großen Spaß. Auch wenn es in der Herstellung unglaublich technisch ist. Da muss jedes Haar richtig sitzen. Da müssen es die richtigen Schuhe sein. Ich muss die Stimme treffen und die Haltung.

Morgenpost Online: Sie hätten keine Hemmungen, in dieser Verkleidung auch auf die Straße zugehen?

Engelke: Ach, was. Die Straßen sind doch voll von solchen Frauen. Ladykracher lebt vom Wiedererkennungseffekt.

Morgenpost Online: Das heißt, Frauen aus Ihrem Umfeld müssen damit rechnen, dass Sie sie irgendwann parodieren?

Engelke: Ich bau mir diese Figuren schon zusammen. Ich beobachte sehr gerne. Besonders dort, wo Menschen davon ausgehen, dass man sie nicht beobachtet. Also zum Beispiel in der U-Bahn. Ich würde aber lügen, wenn ich bestreiten würde, dass es auch Figuren gibt, die Ähnlichkeiten mit lebenden Personen haben. Bei der Dreadlock-Ruth zum Beispiel habe ich an eine ehemalige Lehrerin gedacht.

Morgenpost Online: Wer musste denn als Vorbild für Ihre Anneliese herhalten, die zusammen mit Wolfgang (Bastian Pastewka) den Deutschen Fernsehpreis moderiert hat?

Engelke: Ich glaube, das war auch so ein Konglomerat. Ich habe witzigerweise schon nach ihrem ersten Auftritt in den „Fröhlichen Weihnachten“ (Sat.1) gehört, die beiden seien wie Marianne und Michael. Die hatte ich bis dahin noch nie bewusst im Fernsehen gesehen.

Morgenpost Online: Wir hätten auf Angela Merkel und Guido Westerwelle getippt.

Engelke: Warum?

Morgenpost Online: Die verstehen es auch, ihren Gegnern mit strahlendem Lächeln den Krieg zu erklären.

Engelke: Mmmh, da ist aber die Motivation wahrscheinlich eine andere. Bei Anneliese kommt die Form vor dem Inhalt. Die ist grundsätzlich schnippisch.

Morgenpost Online: Geben Sie es zu: Sie benutzen diese Figuren nur, um Dinge auszusprechen, die viele bewegen, die sich aber keiner auszusprechen traut.

Engelke: Da haben Sie bestimmt Recht. Wobei: Die Texte stammten nicht von mir, sondern von Chris Geletneky, der auch für „Ladykracher“ und „Pastewka“ schreibt. Wir durften unser eigenes Team von Brainpool mitbringen. Das hat sich bewährt. Wir arbeiten schon seit über zehn Jahren zusammen. Wir funktionieren nur als Paket.

Morgenpost Online: Gab es da Sätze, die selbst Ihnen nur schwer über die Lippen gingen?

Engelke: Ja, aber fragen Sie mich nicht, welche. An diesem Abend war sooo viel los. Wir hätten nicht damit gerechnet, dass die Gäste im Publikum unser Spiel so gut mitspielen würden. So was habe ich noch nicht erlebt.

Morgenpost Online: Horst Schlämmer kandidiert. Anneliese und Wolfgang rocken den Fernsehpreis. Frau Engelke, wo soll das noch hinführen?

Engelke: Ach, man sollte das nicht überbewerten. solche Kunstfiguren hat es immer schon gegeben. Denken Sie nur an Helge Schneider.

Morgenpost Online: Brechen für Komiker mit der Tigerenten-Koalition bessere Zeiten an?

Engelke: Zu lachen gibt es immer was, egal, ob eine Große Koalition dran ist oder jemand allein regiert. Lustig ist es immerzu, man muss nur genau hingucken. Die Politik ist da keine Ausnahme. Überall, wo Menschen vor ein Mikrophon treten, geht etwas schief. Wird gefaselt. Wird gestottert. Wird Mist geredet. Mir ist es aber immer wichtig, niemanden bloßzustellen. Ich liebe meine Figuren.

Morgenpost Online: Auch die Brutalo-Mutter in „Ladykracher“, die ihren Kindern die selbstgebastelten Geschenke um die Ohren haut?

Engelke: Auch da muss eine gewisse Grundsympathie vorliegen.

Morgenpost Online: Wie kann man solche Mütter sympathisch finden?

Engelke: Indem man davon ausgeht, dass niemand ohne Grund fies ist. Wir wissen nur meist nicht, welche Probleme Fieslinge haben.

Ladykracher: Ab dem 30. Oktober immer Freitags, 21.15 Uhr auf Sat 1.