Neu auf CD

Thielemann gelingt ein geschmeidiger Wagner-Ring

Es sind die ersten Bayreuth-CDs, die unter der neuen Festspielleitung auf den Markt kommen. Darauf dirigiert Christian Thielemann Wagners "Ring" äußerst geschmeidig. Außerdem gibt es sehr Gelungenes von Murray Perahia und Diana Damrau. Morgenpost Online bespricht die Klassik-CDs der Woche.

Wagner: Der Ring des Nibelungen (Opus Arte)

Gleich mehrere Premieren. Die britische DVD-Firma bringt ihre ersten CDs heraus, zugleich ist es die erste rein akustische Veröffentlichung der neuen Bayreuther Leitung. Es ist Christian Thielemanns erste festgehaltene Tetralogie und die erste komplette aus Bayreuth seit Kupfer/Barenboims Wendezeit-Lasershow-Zugriff.

In der klugen Negierung von Tankred Dorsts hilflos umständlicher Bebilderung kommen sogar die klanglichen Vorteile zum Tragen: Der parlandogeschmeidige, sehr weiche, fast romantische Zugriff des Dirigenten, der auf jede Art orchestraler Kraftmeierei verzichtet.

Und eine einigermaßen würdevolle Sängercrew, die im elektroakustisch bearbeiteten Zustand des Mitschnitts von 2008 mehr Tugenden als Schwächen offenbart. Vorwiegend lyrische Stimmen setzen auf inhaltliche Vermittlung, das reine Schwelgen ist einzig Eva-Maria Westbroeks exzellente Sieglinde. Stephen Goulds Siegfried prunkt mit seinem Material, Endrik Wottrichs Siegmund-S-Fehler stört weiterhin. Albert Dohmen ist ein braver Wotan-Sachverwalter, Linda Watson eine ältlich gestresste Brünhilde. Superbe Charakterisierungen gibt es freilich von Kwanchul Youn (Hunding), Hans-Peter König (Hagen), Gerhard Siegel (Mime) und Michelle Breedt (Fricka). Also durchaus eine lohnende Ergänzung.

4 von 5 Punkten

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Bach: Partiten (Sony)

Murray Perahia könnte längst schon in den Manufactum-Katalog aufgenommen werden, so grundsolide, ehrlich und handwerklich hervorragend ist sein Spiel. Schnörkellos wird hier den Kompositions-Prinzipien auf den musikalischen Grund geführt. Nach dem ersten, viel gelobten Partiten-Teil folgt nun gleich dreifach die Vollendung. Ohne Grübelei, demütig und doch souverän. Es gibt sie doch noch, die guten Klavierdinge.

5 von 5 Punkten

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Sweelinck: Geistliche Gesänge (harmonia mundi)

Besonders viele bedeutende Komponisten haben die auf anderen Gebieten doch so wichtigen Niederlande nicht aufzuweisen, deshalb sind sie auf Jan Pieterszoon Sweelinck (1562-1621) so ausnehmend stolz. Hört man diese polyphon zart schwebende Musik, weiß man, warum man ihn den früher Vielgefeierten "Orpheus von Amsterdam" nannte. Daniel Reuss verleiht ihr mit seiner makellos intonierenden, perfekt stimmverblendeten Cappella Amsterdam zusätzlich Flügel. So hebt dieses demutsvolle Gotteslob erst richtig ab.

3 von 5 Punkten

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Diana Damrau: COLORaturaS (Virgin Classics)

Hat man das krampfige Titelwortspiel hinter sich, ist diese CD das reine Sängervergnügen. Keine andere Koloratursopranistin verfügt gegenwärtig über so viel "Witz, hei'tre Laune, tollste Späße", wie sie die persönlichkeitsstarke Günzburgerin nicht nur in der Arie aus den "Lustigen Weibern von Windsor" beschwört. Begleitet vom idiomatisch mit dem Münchner Rundfunkorchester folgenden Dan Ettinger trillert sich die warmherzige Blondine polyglott durch Gounods Julia, Gilda, Zerbinetta und Bernsteins "Candide"-Kunigunde. Getreu deren Motto: "Glitter and be gay" (in der inzwischen weniger gebräuchlichen Bedeutung), wird geglitzert und Spaß verbreitet.

5 von 5 Punkten

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Magdalena Kozena: Tschechische Weihnachtsmesse (DG)

Die Gattin von Simon Rattle hat im Aufnahmearchiv gekramt und aus ihren Barockanfängen als Brünner Nachwuchshoffnung eine 1998 eingespielte Messe von Jakub Jan Ryba gefunden. Muss man nicht kennen, verbreitet aber virtuell schön heimeligen Tannennadelduft. Auch weil untadelig musiziert wird.

3 von 5 Punkten

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5 Punkte: Meilenstein

4 Punkte: Sehr empfehlenswert

3 Punkte: Solide

2 Punkte: Eher schwach

1 Punkt: Ziemlich missraten

0 Punkte: Totales Desaster