"Wie liebt Deutschland?"

Ranga Yogeshwar und der Sex mit der Stoppuhr

Was sie von der ARD schon immer über Sex wissen wollten. TV-Wissenschaftler Ranga Yogeshwar lieferte einige interessante Ergebnisse.

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Mit der Treue nehmen es die Deutschen nicht so genau, und beim Sex geht ihnen das Zeitgefühl völlig verloren. Das sind zwei von ein paar Dutzend Ergebnissen, die Ranga Yogeshwar in seiner Show ”Wie liebt Deutschland?“ vortrug.

Nein, auf den Pfaden von Oswalt Kolle, des kürzlich verstorbenen ”Aufklärers der Nation“, wandelt Yogeshwar noch nicht. Ihm diente als Grundlage eine vom Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sexualforschung am Universitätsklinikum Hamburg erstellte Studie über das Liebes- und Beziehungsleben von 200 Paaren: alten und jungen, hetero- und homosexuellen.

Sex und Liebe, zwei Themen, die in öffentlich-rechtlichen Show-Programmen bislang eher stiefmütterlich behandelt wurden, nun wissenschaftlich aufbereitet und dennoch kurzweilig rüberzubringen, das ist ein hehres, aber gar nicht so leichtes Unterfangen. Yogeshwar versuchte es mit einem bunten Wissenstainment-Mix aus Prominenten-Quiz, Studioaktionen und Filmeinspielern.

Und obwohl Quizfragen wie ”Können Männer Milch geben?“ oder ”Kann Radfahren Erektionsstörungen verursachen?“ ein wenig an Woody Allens Film ”Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten“ erinnerten, lag der Moderator mit seinem Fazit, ”da sage noch einer, Wissenschaft sei langweilig“, gar nicht so falsch.

Den ersten Sex in ihrem Leben hatten die Probanden durchschnittlich mit 16,9 Jahren, die Ü-60-Fraktion unter ihnen war dabei schon 18,2 Jahre alt. In den letzten vier Wochen waren die 200 Paare siebenmal sexuell aktiv, die Über-60-Jährigen immerhin sechsmal. Oswalt Kolle wäre begeistert gewesen, befand er doch zu Lebzeiten, ”Sex ist das schönste Mittel gegen Alterstraurigkeit“.

Das Zeitgefühl scheint beim Geschlechtsakt besonders bei den Männern völlig verloren zu gehen, wie in einem Experiment nachgewiesen wurde. Schätzten die Frauen, dass es von Beginn der Penetration bis zum Orgasmus elf Minuten dauere, so glaubten die Männer, sie hätten sich 22 Minuten verausgabt. Tatsächlich aber – die Frauen erhielten eine Stoppuhr – waren es ganze dreieinhalb Minuten!

”Gilt das für beide?“, erkannte Quiz-Kandidat Ralf Möller, unser Mann in Hollywood, umgehend das Problem der Versuchsanordnung. Und als Yogeshwar eingestehen musste, dass es sich nur um den männlichen Orgasmus handelt, tobte Möllers Mitspielerin, Pro-Sieben-Moderatorin Sonya Kraus: ”Das ist mal wieder völlig ungerecht.“ In der Tat: Ohne den weiblichen Orgasmus hinkte das Erste seiner Zeit einige Jahrzehnte hinterher.

Damals, als es in Schulen noch keinen Aufklärungsunterricht gab, machte Schauspielerin Michaela May, bis 2009 BR-”Polizeiruf 110“-Ermittlerin und nun ebenfalls Quizkandidatin, ihre ersten sexuellen Erfahrungen. Nach dem ersten Zungenkuss dachte sie, ”ich bin schwanger“.

So verknallt, wie sie damals war, hatte sie einen Hormonspiegel wie Depressive und Zwangsneurotiker, wusste der Sexualforscher Ulrich Clement als Experte im Studio zu berichten. Wie diese würden frisch Verliebte immer an das Gleiche denken: ”Der Mix von Botenstoffen macht high.“

Gegen eine dauerhafte Partnerschaft spräche laut der aktuellen Studie dann vor allem eins. Für 69 Prozent der Befragten ist es nicht ein unterschiedlicher Sinn für Humor, wie die Promis allesamt tippten, sondern schlechter Sex. ”Wenn man einen unterschiedlichen Sinn für Humor hat, kann man über schlechten Sex auch nicht mehr lachen“, kommentierte Yogeshwar spitz das überraschende Ergebnis.

Joe Bausch, Arzt und im Kölner ”Tatort“ Darsteller eines Gerichtsmediziners, bewies dann ein besonderes Näschen für die richtige Zuordnung von Paaren. Sechs auf der Showbühne erscheinenden Frauen konnte er allesamt die sechs anschließend auftretenden Männer zuordnen. Gleich und gleich, heißt es bekanntlich, gesellt sich gern.

Doch ungefähr eine der Damen, 15 Prozent der Probandinnen sind es genau, träumt von Sex mit einem Unbekannten. Und unter allen befragten Männern und Frauen gaben sogar 42 Prozent einen und 22 Prozent mehrere Seitensprünge zu.

Der heutigen Jugend ist Treue allerdings wichtiger als der vor 40 Jahren. Was übrigens besonders für die Intelligenz der jungen Männer spricht. Eine aktuelle Studie der Universität London ergab nämlich, dass Männer, die ihre Frauen betrügen, einen niedrigeren IQ haben als ihre treuen Geschlechtsgenossen.

Muskelmann Ralf Möller tippte auf die zunehmende Monogamie der Jugend und durfte als Sieger des Promi-Quiz 20.000 Euro für wohltätige Zwecke spenden. Und wer weiß, vielleicht wird sich die ARD der Themen Sex und Liebe nicht erst wieder in 40 Jahren in einer Show annehmen.