Arena-Konzert

Motörhead zelebriert den Röck’n’Röll

Wenn Lemmy Kilmister die Bühne betritt, wird dem Publikum warm ums Herz. Der Front-Mann von Motörhead hat zwar mittlerweile das Rentenalter erreicht. Doch er preist noch immer den wahren Rock’n’Roll. Die Berliner lieben ihn dafür.

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In der Adventszeit werden lieb gewordene Gewohnheiten gepflegt. Dazu gehört zum Ausklang, alle Jahre wieder, ein Besuch der Rockband Motörhead in der Arena an der Spree. Wenn Lemmy Kilmister mit Hut und Bass an sein zu hohes Mikrofon tritt, gurgelnd einen guten Abend wünscht, die Gruppe vorstellt und den Gästen etwas Rock’n’Roll verspricht, wird einem warm ums Herz und feierlich zumute

Mikkey Dee spielt auf der Galerie sein Schlagzeug, das beleuchtet ist wie eine Weihnachtstanne. Die Gitarre von Phil Campbell klingt wie ein erkälteter Kinderchor. Und Lemmy steht mit breiten Beinen auf der Bühne und ist einfach Lemmy, zwar ein Rockstar, aber einer, den man auch am Heiligabend gerne bei sich hätte.

Allerdings wird er am 24. Dezember 65 Jahre alt. Er möchte in Las Vegas feiern, wo die Spieler an den Automaten rauchen dürfen. In der Heimat wäre der gebürtige Brite amtlich noch im Renteneintrittsalter, bevor es demnächst auf 68 angehoben wird, auch wegen Männern wie ihm.

Obwohl er sich seit seiner frühen Jugend manches zugemutet hat, denkt Ian „Lemmy“ Kilmister nicht an den Ruhestand. Am Vorabend des Auftritts feierte im Kino Babylon ein Film Premiere, „Lemmy – The Movie“, der den Schrat als unverzichtbare Figur, als Vater des Musiklebens vorstellte.

Künstler wie Dave Grohl und Ozzy Osbourne äußerten sich in den höchsten Tönen, und die Schüler seiner letzten Bildungsanstalt in Nordwales sangen für ihn sein „Ace Of Spades“. Man lachte über Bilder aus den Sechzigerjahren, als er einen Pilzkopf trug und merkwürdige Trachten.

Lemmy konnte gar nichts anderes tun, als 1975 Motörhead zu gründen. Wo er unbehelligt seine Stimme ruinieren, seinen Bass wie eine schwerere Gitarre spielen und Literatur zum Zweiten Weltkrieg und zum Dritten Reich studieren konnte.

Das historische Interesse, das er älteren Gebäuden von Berlin entgegenbringt, wird von den überwiegend jüngeren Bewohnen beim Konzertbesuch erwidert. Es sind nicht nur zottelige Biker mit der S-Bahn da, auch Schüler, Frauen und Rentner. Seitdem H&M-Kunden mit Motörhead-Shirts ausgestatten werden, ist es nicht nur schick, sich zur archaischen Musik des Trios zu bekennen, sondern üblich.

Doch nicht einmal das nimmt Lemmy übel, er fragt lediglich, ob sich Politiker im Saal befänden: Totenstille. Lemmy stimmt zufrieden „Ace Of Spades“ an. Und bevor er „Overkill“ zum Besten gibt, bedankt er sich beim wundervollen Auditorium, wie er sein Publikum zu nennen pflegt; er bittet, Motörhead nicht zu vergessen und den Rock’n’Roll zu ehren. Auf der Bühne steht der Leitgedanke seines diesjährigen Albums zum Advent: „The Wörld Is Yours“. Versprochen.