Geschichte

Durchschlag von "Schindlers Liste" gefunden

Sven Felix Kellerhoff

Foto: AFP

In einer Bibliothek in Sydney ist überraschend ein vergilbter Durchschlag von "Schindlers Liste" gefunden worden. Seit dem gleichnamigen Film von Steven Spielberg versteht man unter diesem Begriff jene Aufstellungen von Juden, die der deutsche Fabrikant Oskar Schindler vor dem sicheren Tod gerettet hat.

Schindler deklarierte sie seinerzeit als unverzichtbare Arbeitskräfte für seine Emaillewarenproduktion. Teilweise sorgte er mit hohen Bestechungen an SS-Ogffiziere dafür, dass seine Liste genehmigt wurden. Der jetzt in der Materialsammlung des australischen Schriftstellers Thomas Keneally in der New South Wales State Library gefundene Originaldurchschlag stammt vom 18. April 1945 und ist ein Exemplar der wahrscheinlich letzten Version von Schindlers Liste. Auf dem gefundenen Exemplar mit 13 Blatt sind die Namen von 801 männlichen Juden verzeichnet.

Keneally veröffentlichte 1982 den Roman "Schindlers Liste" (ursprünglich: "Schindler's Ark"), auf dem die Spielberg-Verfilmung des Stoffes von 1993 beruht. Das Dokument ist ein mit Kohlepapier angefertigter Durchschlag einer auf einer Schreibmaschine getippten Liste.

Es befand sich den Angaben zufolge zwischen Notizen Keneallys und deutschen Zeitungsausschnitten. In der Bibliothek sei zuvor nicht bekannt gewesen, dass die Liste in den sechs Kartons enthalten war, die 1996 von Keneally übernommen wurden.

Als Originaldokument hat die Liste einen gewissen Wert; inhaltlich bietet sie allerdings nichts Neues, da ein weiterer Durchschlag sich in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem befindet und die hier online recherchiert werden kann. Auch dieses Dokument ist allerdings nur eine von vielen Listen, die Schindler vor allem 1944/45 anfertigen ließ.

In Spielbergs Film "Schindlers Liste" wird der Sinneswandel des Unternehmers Schindler geschildert, der zunächst ein Parteigänger der Nazis war und später mit Hilfe seines Unternehmens in der Nähe von Krakau Juden vor der Deportation in Vernichtungslager bewahrte.

Der in der Bibliothek gefundene Durchschlag sei Keneally 1980 von Leopold Pfefferberg ausgehändigt worden, sagte Kuratorin Olwen Pryke. Pfefferberg stand selbst als Nummer 173 auf der Liste.

( AFP )