Im Tauziehen um die Dresdner Waldschlösschenbrücke spitzt sich alles auf die Frage zu, ob Sachsen der „Bemühensverpflichtung“ nachkommt, die der Bundesrepublik Deutschland durch den Beitritt zum Unescoübereinkommen zum Schutz des Weltkulturerbes auferlegt ist.
Im Auftrag von Georg Milbradt arbeitet derzeit ein Team von Ingenieuren mit dem früheren Baudirektor der Frauenkirche, Eberhard Burger, fieberhaft an kosmetischen Korrekturen des Brückenprojekts, das nach Auffassung der Unesco die mit dem Welterbetitel ausgezeichnete Kulturlandschaft Dresdner Elbtal irreparabel schädigen würde. Eingebunden ist auch der Berliner Architekt Henry Ripke, von dem der zur Ausführung vorgesehene Brückenentwurf stammt. Bei Realisierung seines Projekts droht Dresden die Aberkennung des Welterbetitels. Den dehnbaren Begriff der Bemühensverpflichtung hatte erst vor wenigen Tagen ein juristisches Gutachten der Bundesregierung neu ins Spiel gebracht.
Druck auf Milbradt verstärkt sich
Dem Gutachten zufolge ist der Passus so auszulegen: Die Unterzeichnerstaaten der Unescokonvention hätten sich auf das äußerste zu bemühen, „Erfassung, Schutz und Erhaltung in Bestand und Wertigkeit“ des Weltkulturerbes sicherzustellen. Explizit werde verlangt, dass jeder Staat zur Erreichung dieses Ziels „alles in seinen Kräften Stehende zu tun (habe), unter vollem Einsatz seiner eigenen Hilfsmittel und gegebenenfalls unter Nutzung jeder ihm erreichbaren internationalen Unterstützung und Zusammenarbeit, insbesondere auf finanziellem, künstlerischem, wissenschaftlichem und technischem Gebiet.“
Ob die von Georg Milbradt als äußerstes Zugeständnis erst bei Beginn und unter dem Druck der angelaufenen Bauarbeiten eingesetzte Arbeitsgruppe diese Bedingungen erfüllen kann, wird sich erst im Januar zeigen, wenn Vertreter der Unesco nach Dresden kommen, um den korrigierten Entwurf zu prüfen. Nach ersten Angaben Burgers vom Wochenanfang beziehen sich die Änderungen schwerpunktmäßig lediglich auf eine Verschlankung der Brückenpfeiler und die Abwandlung des Beleuchtungskonzepts. Viel mehr sei nach seiner Einschätzung im Rahmen des von Milbradt als Rahmenbedingung bekräftigten Planfeststellungsbeschlusses nicht umsetzbar.
Währenddessen verstärkt sich der Druck auf den politisch angeschlagenen Regierungschef, statt der Brücke einen ebenso leistungsfähigen Tunnel in Betracht zu ziehen. Erst gestern appellierte der von der Bundesregierung eingesetzte Förderverein Bundesstiftung Baukultur e.V. an die sächsische Regierung: „Mit einem Tunnel könnten die Forderungen der UNESCO nach Erhalt der Integrität des Welterbes voll erfüllt werden. Die Diskussion auf den Welterbekonferenzen zeigte eine deutliche Sympathie der Delegierten für einen solchen Kompromiss.“
Nach Auffassung des von den wichtigsten gesellschaftlichen Gruppierungen getragenen Vereins ist die Umsetzbarkeit eines Waldschlösschentunnels „durch renommierte Planungsbüros und Fachleute bestätigt“, Verkehrsleistung und Bau- sowie Unterhaltskosten lägen „in gleicher Größenordnung wie für eine Brücke“. Zudem habe der Bundesbauminister zugesagt, „sich die baukulturelle Bedeutung dieser Baumaßnahme auch zusätzlich etwas kosten zu lassen.“
Ähnlich lautende Appelle hatten erst kürzlich das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz, der Bundesverband Bildender Künstler (BBK), der Sächsische Künstlerbund sowie die Architekturfakultät der Technischen Universität Dresden an Milbradt gerichtet. Sie blieben ebenso wie zuvor schon Petitionen der Bundesarchitektenkammer, des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA), des Bundes Heimat und Umwelt (BHU), des Deutschen Landschaftspflegetags sowie der Klasse Baukunst der Sächsischen Akademie der Künste.
Nun verstärkt sich der Druck auf den politisch angeschlagenen Milbradt, statt der Brücke einen ebenso leistungsfähigen Tunnel in Betracht zu ziehen.




