Filmdiva

Deneuve und die Frage nach dem Mann ihres Lebens

Das Etikett Schönheitsikone empfindet Catherine Deneuve eher als Belastung. In "Das Schmuckstück" spielt sie mit dem Klischee – im Trainingsanzug.

17.30 Uhr, eine abenddunkle Suite in der Münchner Luxusherberge Bayerischer Hof. Schwache Lampen werfen ein melancholisches Licht. Und Catherine Deneuve ist auch noch müde, wie ihre PR-Damen betonen. Als sie mit Verspätung das Zimmer betritt, klingelt ihr Handy – schnell schiebt sie noch einen Anruf ein.

Alles andere als eine konstruktive Atmosphäre für ein Interview. Aber die 67-Jährige ist eben keine Hollywood-Diva, die sich von so etwas beeindrucken lässt. Sie wirkt ein wenig desillusioniert, aber sie steht – anlässlich ihrer Komödie "Das Schmuckstück" – souverän Rede und Antwort, phasenweise selbstironisch, phasenweise nachdenklich, und immer offen und freundlich.

Auch wenn sie selbst auf ihren Ikonenstatus verzichten möchte – sie hat ihn verdient. Genauso wie die Zigaretten, die sie während des Gesprächs im offiziellen Nichtraucherzimmer genießt.

Morgenpost Online: Was halten Sie vom allgemeinen Rauchverbot?

Catherine Deneuve: Ich finde es schon richtig. Man muss die Leute schützen. Aber gleichzeitig brauchen wir Raucher auch ein Plätzchen, wo wir unserem Laster frönen können. Momentan ist das ein bisschen exzessiv geworden. Und das ödet mich an.

Morgenpost Online: Haben Sie je probiert aufzuhören?

Deneuve: Zwölf Jahre lang habe ich es sogar getan, aber dann bekam ich schlechte Nachrichten, und jetzt schaffe ich es nicht mehr, so sehr ich mir das wünschen würde.

Morgenpost Online: Machen Sie zumindest Fitness als Ausgleich?

Deneuve: Sport an sich bereitet mir keinen Spaß. Ich mache Pilates und Schwimmen – das mag ich sehr. Aber was mich wirklich fit hält, ist die Gartenarbeit. Das ist ein richtiger Kampf, denn du kannst ja die Natur letztlich nur ein wenig zähmen, aber nie besiegen. Auf diese Weise lernst du Bescheidenheit, und das ist auch eine gute Übung für den Geist.

Morgenpost Online: In Ihren Tagebüchern beschreiben Sie sich als "braven, kleinen Soldaten". Das ist ein ungewöhnliches Bild für die große Deneuve.

Deneuve: Ach, hören Sie doch mit der "großen Deneuve" auf. Ich mag es gar nicht, wenn mich die Leute aufs Podest stellen. Das bedeutet doch nur, dass sie mich im nächsten Moment wieder herunterstürzen wollen. Ich bleibe lieber auf dem Boden der Tatsachen. Mit dem 'kleinen Soldaten' meinte ich nur, dass ich nie aufgebe. Ich bin jemand, der zu kämpfen gelernt hat.

Morgenpost Online: Das klingt recht heroisch.

Deneuve: Ist aber nicht so gemeint. Denn ein kleiner Soldat beschwert sich auch mal und verliert den Mut, aber letztlich steht er auf und macht weiter. So habe ich mich bei vielen Filmen gefühlt. Die sind für mich wie eine richtige Schlacht. Da gibt es immer wieder Phasen, wo ich keine Lust mehr habe, aber dann reiße ich mich zusammen und sage: 'Das große Ganze ist wichtiger als deine kleine Gestresstheit.'

Morgenpost Online: In "Das Schmuckstück" ziehen Sie ebenfalls in die Schlacht und setzen sich als Powerfrau gegenüber Ihrem Macho-Gatten durch. Mussten Sie auch real solche Kämpfe führen?

Deneuve: Ich bin keine Kämpferin, die sich mit Gewalt durchsetzen will. Natürlich verlange ich, dass bestimmte Rechte berücksichtigt werden, aber ich war nie eine klassische Feministin. Ich war auch nie gezwungen, mich zu befreien. Denn meine Eltern legten mir nie Steine in den Weg. Und das obwohl ich sie schon mit 16 verließ, um meine Schauspielkarriere zu verfolgen.

Morgenpost Online: Aber irgendwann müssen Sie Ihre eigene Stärke entdeckt haben.

Deneuve: Ich würde es eher Selbstbewusstsein nennen. Ich bin keine starke Person, früher war ich auch noch sehr schüchtern. Aber im Lauf der Zeit habe ich mehr Erfahrungen gesammelt und Bestätigung durch andere bekommen. Und so war ich imstande, meine Gefühle und Überzeugungen auszudrücken.

Morgenpost Online: "Bestätigung" ist aber fast ein schwacher Ausdruck. Sie gelten seit Jahrzehnten als Schönheitsikone.

Deneuve: Was für mich eher eine Belastung ist – oder vielmehr: war. Die Leute mögen glauben, dass ich die ganze Zeit in glamourösen und eleganten Kleidern herumlaufe, aber ich lebe nicht so. Bei "Das Schmuckstück" wurde ich immer wieder gefragt: Würden Sie real so einen Trainingsanzug tragen wie im Film? Natürlich würde ich das. Oder glauben Sie, ich laufe in Yves-Saint-Laurent herum, wenn ich die Bäume beschneide?

Morgenpost Online: Sehen Sie sich eigentlich manche Ihrer früheren Filme noch an?

Deneuve: Dafür habe ich in der Regel keine Zeit. Nur manchmal, wenn welche im Fernsehen laufen, schaue ich rein. Dass ich einen ganzen Film sehe, ist die Ausnahme.

Morgenpost Online: Welche Erinnerungen kehren bei den Filmen Ihres früheren Lebensgefährten Roger Vadim zurück, mit dem Sie einen Sohn haben?

Deneuve: Offen gestanden, spreche ich öffentlich so gut wie nicht über ihn. Denn er ist ja nicht mehr unter uns. Ich bin überhaupt keine Person, die negative Gedanken ausspricht. Du willst ja mit jemand auskommen. Auch wenn du für diese Person keine Gefühle mehr hast.

Ich kann nur sagen, dass die Situation nach unserer Trennung sehr schwierig war. Denn wegen unseres Sohnes Christian mussten wir uns arrangieren. Und er ist auch der Grund, weshalb ich mich nicht dazu äußere. Ich möchte nichts von mir geben, was ihn verstören könnte. Es ist alles eben eine sehr komplizierte Angelegenheit.

Morgenpost Online: Vadim hat ja seine amourösen Abenteuer mit Ihnen, Jane Fonda, und Brigitte Bardot freimütig in seinen Memoiren ausgebreitet. Hätten Sie keine Lust auf so ein Buch?

Deneuve: Nein, ich möchte mein Privatleben nicht der Öffentlichkeit preisgeben. Ich bin nicht der Mensch dafür. Ich gebe zu, ich habe Tagebücher zu bestimmten Filmen veröffentlicht, aber rückblickend betrachtet, hätte ich bestimmte Details zu meiner Person gerne draußen gelassen.

Morgenpost Online: Wären Sie Geister der Vergangenheit manchmal gerne los?

Deneuve: Ich habe keine Geister. Meine Vergangenheit ist voller Menschen, die ich geliebt habe. Und die darf ich nie vergessen. Aber ich bin auch keine Person, die auf die Vergangenheit fixiert ist. Und ich schaue auch nicht in die Zukunft. Mich interessiert einzig und allein die Gegenwart.

Morgenpost Online: Am Ende von "Das Schmuckstück" singen Sie in einem Chanson "Das Leben ist schön..."

Deneuve: Das ursprünglich für eine Sängerin geschrieben wurde, die beinah ihr Leben verlor. Wenn du sozusagen wiedergeboren wurdest oder viel verloren hast, dann solltest du es singen. Aber ich blieb von so etwas bisher verschont. Ich mache mir auch keine Illusionen: Das Leben ist garantiert nicht jeden Tag schön.

Morgenpost Online: Nimmt womöglich Ihre Lebensfreude mit dem Älterwerden ab?

Deneuve: Ich rege mich über das Alter nicht auf, ich vermag ja sowieso nichts daran zu ändern. Aber ich kann auch nicht behaupten, dass ich es mag. Ich bin eine sehr aktive Person, und ich brauche jetzt mehr Zeit, um all meine Angelegenheiten zu regeln. Denn ich habe nun mal nicht mehr die körperliche Energie und Schnelligkeit von früher.

Morgenpost Online: Ihr Freund Gérard Depardieu hat sich ja in den letzten Jahren in eine Unzahl von Aktivitäten gestürzt – von Filmen bis zu Hotels. Wäre das etwas für Sie?

Deneuve: Glauben Sie mir, ich bin auch ständig ausgebucht. Freie Tage, die ich für mich selbst habe, sind der Ausnahmefall. Aber Gérard braucht diese ganzen Unternehmungen, weil er viele persönliche Erfahrungen vergessen will. Er ist ein Mann, der immer auf der Flucht ist. Ich selbst könnte so nicht leben.

Morgenpost Online: Den Mann des Lebens haben Sie leider auch nicht gefunden.

Deneuve: Da ist eben eine Frage der richtigen Chemie. Und du musst auch für eine lebenslange Beziehung bereit sein. Als ich heiratete, war das bei mir offenbar nicht der Fall.

Morgenpost Online: Sie meinten einmal, dass Männer und Frauen auf verschiedene Weise lieben ...

Deneuve: Ja, weil es für viele Frauen wichtig ist, im Leben eine große Liebesgeschichte zu erfahren, und dafür tun sie alles. Natürlich können sich auch Männer verlieben, aber für sie ist das nicht das Wichtigste. Sie tendieren eher dazu, etwas für ihre Arbeit aufzugeben. Aber eines Tages bedauern sie es, dass sie sich ihrem Privatleben nicht genügend gewidmet haben. Ich kenne verschiedene Männer, denen das so passiert ist

Morgenpost Online: Würden Sie sich noch wünschen, dass ein Mann zu Ihnen sagt "Ich möchte mit dir alt werden"?

Deneuve: Ganz offen gestanden, ich finde diese Art von Liebeserklärung gar nicht so toll. Sie ist ein bisschen langweilig. Für mich ist Liebe etwas Aufregendes, Überwältigendes, das gleichzeitig gegen alle möglichen Widerstände ankämpfen muss. Schauen Sie sich mal den alten Film "Fieber im Blut" mit Natalie Wood und Warren Beatty an, dann werden Sie verstehen, was ich meine. Der zeigt den wahren Gipfel von Liebe.

Morgenpost Online: Was ist denn die aufregendste Liebeserklärung, die Sie je bekommen haben?

Deneuve: Das darf ich Ihnen nicht erzählen. Das wäre ein kleiner Verrat an der Person, die sie gemacht hat. Aber ich kann Ihnen sagen, was ich mag. Einmal war ich in einer Konditorei, als ein Mann eine Torte für seine Angebetete bestellte. Und in die Mitte der Torte sollte ein Ring kommen. Er gab ganz genaue Anweisungen, wie dick sie sein durfte. Das fand ich ausgesprochen romantisch.

Morgenpost Online: Aber ist das nicht ein bisschen simpel?

Deneuve: Natürlich ist die Idee schlicht. Aber das Entscheidende ist, dass man sie auch ausführt. Wie häufig kündigen Männer an, dass sie für Frauen etwas Schönes tun wollen. Und wie selten machen sie daraus Wirklichkeit. Und dieser Mann hat es eben vollbracht.

Morgenpost Online: Hoffen Sie, dass Ihnen eines Tages noch so etwas passiert?

Deneuve: Es kann immer eine neue Chance für die Liebe geben. Denn fast alles ist möglich. Die Welt ist doch so riesengroß.