"Midnight in Paris"

Woody Allen startet Filmdreh mit Carla Bruni

Carla Bruni spielt in Woody Allens neuem Film eine Nebenrolle. Ganz Paris tuschelt, warum sie nicht die Hauptrolle bekommen hat.

Carla Bruni-Sarkozy ließ sich in der Rue Mouffetard von Woody Allen in ihre Rolle einweisen: Unter der Regie des Altmeisters spielt Frankreichs Première Dame eine „glamouröse Museumsdirektorin“ in dem Streifen „Midnight in Paris“. Woody Allen sah dabei Woody-Allen-mäßig aus – Schlapphut, Button-down-Hemd, formlose Chinos –, Carla Bruni ziemlich Carla-Bruni-mäßig: Jeans, weiße Bluse, Ballerinas.

Der Film wird sie verkleidet zeigen, denn Allens Komödie spielt in den Zwanzigerjahren. Hauptdarstellerin Marion Cotillard wurde am Drehort schon in einem Charleston-Kostüm gesichtet. Ursprünglich war Carla Bruni für die Hauptrolle vorgesehen, heißt es in der Pariser Filmbranche.

Warum daraus nichts wurde, darüber kursieren zwei Versionen: Die eine ist gemein. Sie lautet, eine botoxbedingte Verspanntheit limitiere ihr Ausdrucksvermögen ein wenig und prädestiniere sie für Nebenrollen. Die charmante Erklärung stammt von Woody Allen: Carla Bruni verdiene ihren Lebensunterhalt nicht als Schauspielerin, sie sei eine „First Lady“. Daher laufe sie Gefahr, wegen „einer politischen Krise oder eines wichtigen Ereignisses“ plötzlich den Drehort verlassen zu müssen. Nun fragt man sich in Paris, wie eine politische Krise aussehen könnte, welche die sofortige Anwesenheit Carla Brunis erfordern würde. Aber nun.

Dass die Première Dame zu einer Nebenrolle kommt, verdankt sie womöglich ohnehin weniger ihrem Talent als der Steuerpolitik ihres Gatten: Seit 2009 erlaubt eine Regelung internationalen Produktionsfirmen, die in Frankreich drehen, 20 Prozent ihrer Kosten bis zu einer Gesamthöhe von vier Millionen Euro von der Steuer abzusetzen.

Seither strömen Filmemacher aus aller Welt an die Seine. 22 Produktionen drehten bislang an 330 Tagen und gaben dabei 100 Millionen Euro aus. Martin Scorsese und Madonna kommen als Nächste. Womöglich hat sich Woody Allen also vor allem für das Top-Steuerspar-Modell Carla Bruni entschieden.