Kaum zu glauben, es ist vollbracht – DSDS 2010 hat das Finale erreicht. Am kommenden Samstag kämpfen die Finalisten in der siebenten, bislang umstrittensten Staffel von DSDS, ein letztes Mal um die Gunst der Zuschauer. Und ob nun Gegner oder Befürworter, zumindest in einem Punkt dürften sich beide einig sein: DAS WURDE AUCH ZEIT.

Denn nach gefühlten 3000 Ladungen dreckiger Wäsche, endloser Kritiken und einer Medienrelevanz der Superlative, hat die Sendergruppe RTL erneut bewiesen, das ihr PR-Konzept perfekt funktioniert. Oder gibt es in der hiesigen TV-Landschaft ein vergleichbares Format, das selbst vor moralisch behüteten Fragen, wie der sexuellen Identität 19-jähriger Kandidaten, nicht anhält um die Quoten zu steigern?

Falsch gedacht. RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger bezeichnete Anfang 2010 die Castingshow gar als „Symbiose aus Neugierde und Freude an der Selbstdarstellung“ und verwies auf die Vielfältigkeit gesellschaftlicher Wahrnehmung von Exhibitionismus und Voyeurismus.

Demnach werden bei DSDS menschliche Bedürfnisse befriedigt. Was soll daran falsch sein? Falsch ist es dann, wenn dem Zuschauer Menowin’s kriminelle Vergangenheit, Manuels etwaige Bi-Sexualität oder Mehrzads Messer-Angriff relevanter erscheinen, als der eigentliche Inhalt der Sendung: Musik.

Diese sollten die Kandidaten gestern Abend durch einen Boygroup-Song, einen Titel ihres Musik-Helden und einen No.-1-Hit gesanglich unter Beweis stellten.

„Die drei großen M’s“, so des Moderators kläglicher Versuch, die Namensgleichheit der rein männlichen Halbfinalisten pfiffig in einem Satz zu verpacken, punkteten durchweg und erhielten weitgehend positives Feedback von der Jury.

So trällerte Mehrzad Marashi mit gewohnter Gelassenheit die DSDS-Tracklist rauf und runter und hatte spätestens bei „Ich kenne Nichts“ von Xavier Naidoo das Publikum voll auf seiner Seite.

Menowin Fröhlich lieferte einen Mix aus „No matter what“ von Boyzone, Stevie Wonders „You are the sunshine of my life“ und der Superschnulze „I swear“ à la All 4 One.

Und auch Jüngling Manuel erhielt für seine Reinterpretation von The Killers „Human“ Dieters Prädikat: “Gute Stimme, grundsolide Leistung.“

Das Ganze gepaart mit einer opulenten Inszenierung. Die Bühne – eine optische Sensation. Das Lichtspektakel – überragend. Die Teaserfilmchen – wie immer zackig, sozial niederschwellig und tränenlösend geschnitten. Dazu ein Publikum außer Rand und Band. Lob an die Regie, das ist wirklich vorbildlich.

Doch wer glaubt, das war’s, irrt gewaltig. In der zweiten Showhälfte geschah, was weder ein Makus Schreyl auf seinen tausend Kärtchen, noch die Zuschauer vorm Flimmerkasten je vermutet hätten: ein Heiratsantrag.

Angesichts eines Millionenpublikums nutze Liebling Mehrzad die mediale Aufmerksamkeit und stellte Freundin Denisse, die Schönste aller Fragen: “Willst du meine Frau werden?“ Wie es der kitschige Rahmen fordert, hat das künftige, zu Tränen gerührte Fräulein Marashi, natürlich laut „JA“ getönt.

Doch genug der Heulerei, es ist Halbfinale und eine Frage steht noch aus: Wer kommt ins Finale? Nachdem Deutschland erfolgreich mit dem Gequake von Bohlen-Lover Mark Medlock und seinem neuen Hit „Real Love“ gequält wurde, gab’s kurz vor Mitternacht das gewohnte Ritual.

Um 23:30 Uhr hat Deutschland zum vorletzten Mal gewählt. Das Ergebnis: Manuel fliegt raus. Menowin und Mehrzad stehen im Finale.

Zu guter Letzt festzuhalten, die Worte eines selbstparodierenden Dieter Bohlen, der erneut betonte welchen Erfolg die Show verzeichnet und keinen Zweifel offen ließ, dass der Gipfel der Peinlichkeit längst nicht erreicht ist.

Wie ging’s einst los? „Singet recht, sonst wird mir schlecht?“ Zum siebenten Mal wurden große Emotionen geweckt. Wurden Freude, Jubel, Schrecken und Ekel erzeugt.

Und zum siebenten Mal, so viel ist sicher, wird erneut die Generation der bald Vergessenen befeiert.

Auftrag ausgeführt.