Band-Jubiläum

In Extremo – Welterfolg mit Mittelalter und Sadomaso

Vor 15 Jahren entstand die Band In Extremo. Mit ihrem Mittelalter-Rock füllen sie weltweit die Hallen. Die Sadomaso-Texte gibt es sogar auf Chinesisch.

Wer Mitte der 90er-Jahre in einem Plattenladen nach In Extremo fragt, bekommt ein schulterzuckendes „Ham wir nicht, können wir auch nicht bestellen“ zu hören. Die ersten Scheiben vertickt die Band noch selbst auf Mittelalter-Märkten. Dabei ist der Rhythmus ihrer Veröffentlichungen immer gleich: Im Herbst wird aufgenommen, im Frühjahr gepresst, im Sommer verkauft.

Wie viele CDs die Berliner in den Anfangstagen verkauft haben, kann heute niemand mehr so genau sagen. „Wir haben die Scheiben mit einer Schubkarre auf den Marktplatz gefahren“, erinnert sich Sänger Michael Rhein. „Nachts musste dann ein Kurier nach Berlin in unseren Proberaum, um Nachschub zu holen.“

Obwohl ihre Popularität mit jedem Auftritt steigt, befinden sich In Extremo unterhalb des Medienradars. Von lokalen Zeitungen und Radiosendern werden sie entweder belächelt oder gleich komplett ignoriert. Erst als die Berliner die Charts knacken und Edelmetall einfahren, werden sie langsam ernst genommen.

Im Plüschbus nach Wacken

Um die immer länger werdenden Reisen zu bewältigen, organisierten In Extremo einen richtigen Bandbus. Der mit Plüschsesseln, Lavalampen und Aliens dekorierte Setra avancierte auch zum Lieblingsobjekt der Polizei. „Mit dem Plüschbus wurden wir überall angehalten. Aber dafür waren wir auch die ersten, die im eigenen Nightliner zum Mittelalter-Markt gefahren sind“, feixt Michael Rhein.

Im Hippie-Gefährt geht es 1999 auch zum ersten harten Festival. Im Vorfeld des Auftritts beim Dynamo ging der Band ordentlich die Muffe. „Wir mussten nachmittags um drei auf die Bühne, es war brütend heiß, und wir dachten: Das wird nix“, gibt Sebastian Lange zu.

„Parallel zu uns spielten Monster Magnet, nach uns kamen Dimmu Borgir. Aber vor unserer Bühne waren 8.000 Leute, die echt gefeiert haben.“ Auch der erste Auftritt in Wacken verlief besser, als von Dr. Pymonte erwartet: „Wir haben gedacht: Na toll, ein Metal-Festival. Nur intolerante Ärsche, denen wir mit unserem Gedudel auf den Sack gehen. Da hatten wir schon ein bisschen Schiss.“ Der Zweifel war natürlich unbegründet, und bis heute sind In Extremo gern gesehene Stammgäste in Wacken.

Sadomaso in China

Stundenlang können In Extremo Anekdoten von den Reisen rund um den Erdball erzählen. Russland, Südamerika oder Rumänien – überall kleine Katastrophen und neu gewonnene Freunde. Den größten Eindruck hat der Trip nach China hinterlassen. Mit Schlagstöcken bewaffnete Polizisten bewachten die Fans, die Texte der Band wurden auf Leinwänden übersetzt.

„Wir konnten ja nicht überprüfen, was da übersetzt wurde. Bei grenzwertigen Sachen wie der Sadomaso-Geschichte in ‘Flaschenpost’ haben wir uns gleichzeitig umgedreht, um zu sehen wie ‘bekommt mein Schatz von hinten den Schlauch’ in chinesischen Lettern aussieht“, amüsiert sich Michael. Neben der Arbeit gehört auch ganz banales Touristenprogramm mit Postkarten und Shopping zum Tagesablauf. „Aus Moskau muss eine Postkarte vom Roten Platz geschickt werden, ganz klar“, meint Kay Lutter.

Stecker rein zum Jubiläum

Das Jahr 2008 stand unter dem Motto: zurück zu den akustischen Anfängen. Während eines Radiointerviews entstand die spontane Idee einer Akustik-Session. Das einmalige Experiment für 50 Fans wurde zum Ursprung der aktuellen (und vom METAL HAMMER präsentierten) „Tranquilo-Tour“. Wegen der neuen Arrangements war Michael anfangs zwar skeptisch, aber seine Zweifel waren schnell verflogen: „Ich konnte mich musikalisch selten so entfalten. Haltet mich für verrückt, aber ich könnte noch ein Jahr so weitermachen.“ Wer die Tour verpasst hat, kann die Daumen drücken, denn im Juli schenken sich In Extremo ein eigenes Geburtstagsfestival in Erfurt. „Thüringen ist die Wiege der Band, Erfurt liegt genau in der Mitte des Landes, und die Zitadelle Petersberg ist der Hammer. Wir werden an beiden Tagen spielen, organisieren einen Mittelalter-Markt, abends geht die Party in den Clubs der Stadt und auf dem Zeltplatz weiter. Das wird total geil“, freut sich Sebastian...

Den kompletten Artikel lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des "Metal-Hammer".