Harrison Ford

"Niemand will Indiana Jones sterben lassen"

Harrison Ford stellt im Interview eine Menge Internet-Gerüchte klar, außerdem spricht er über "Morning Glory", Ehrlichkeit und Wikileaks.

Irgendwie beruhigend der Gedanke. Selbst Leinwand-Legenden wie Harrison Ford kommen in die Jahre. Wie der 68jährige in die Suite im Berliner "Ritz Carlton" geschlurft kommt, dabei durch seine Brille leicht mürrisch in die Runde schaut, das hat nicht mehr viel Ähnlichkeit mit einem Indiana Jones. In seinem neuen Film "Morning Glory", der heute in die Kinos kommt, spielt Ford einen versierten TV-Journalisten, der ins Frühstücksfernsehen abgeschoben wird.

Morgenpost Online: Harrison Ford kommt in die Jahre, spielt einen "grumpy old man" und das noch in einer Komödie. Wer hätte das gedacht?

Harrison Ford: Ach, das mit den "grumpy old men" ist so eine Sache. Manche Leute meinen ja, ich sei von Natur aus so. Was nicht ganz stimmt.

Morgenpost Online: Bei Interviews erscheinen Sie recht selten als Stimmungskanone.

Harrison Ford: Weil ich Sie nicht kenne. Warum soll ich Ihnen ein anderes als mein berufliches Gesicht zeigen? Stimmt schon, ich scheine weniger der Komödientyp zu sein. Aber ich lese in Kritiken – wenn ich sie denn mal in die Finger kriege –, dass mein Humor versteckt, aber verschmitzt sein soll.

Morgenpost Online: In "Morning Glory" spielen Sie einen erfahrenen TV-Journalisten, der in eine Morgensendung muss. Zwecks Recherche mal in so eine Sendung hineingeschaut?

Harrison Ford: Sind Sie wahnsinnig?! Ich habe morgens besseres zu tun.

Morgenpost Online: Ausschlafen – was Ihnen auch zustünde.

Harrison Ford: Nein, ich spiele morgens ab sieben eine Stunde lang Tennis. Das ist mein Weg, mich fit zu halten.

Morgenpost Online: Und wenn Sie das nicht täten?

Harrison Ford: ...würde ich etwas anderes tun. Aber auf keinen Fall früh morgens die Glotze einschalten. Und wenn doch, dann nur um zu sehen, welche Neuigkeiten es gibt und wie das Wetter ist. Dann mache ich das Ding aus und lese Zeitungen. Ich frage mich eh, wer früh am Morgen solche Shows guckt.

Morgenpost Online: Ihr Reporter im Film wirkt, als wäre er schon überall dabei gewesen. Der müsste jetzt eigentlich über Wikileaks berichten.

Harrison Ford: Da muss ich zur Vorsicht raten. Ich habe großen Respekt vor allen Menschen, die Dinge ernsthaft betreiben. Aber wenn Sie meinen Reporter und Wikileaks in einem Satz erwähnen, wird es problematisch.

Morgenpost Online: Warum?

Harrison Ford: Weil es sich meiner Ansicht nach hier nicht um Journalismus handelt, sondern um das Sammeln von Informationen. Ich bin ich nur an einer Sache interessiert: der Wahrheit. Und da ich nicht alle Dokumente, die Julian Assange gesammelt hat, habe einsehen können, kann ich Wikileaks nicht einschätzen. Daniel Ellsberg hat damals mit seinen "Pentagon-Papers" die USA nachhaltig positiv verändert. Ob das Assange auch gelingt, weiß ich nicht.

Morgenpost Online: Diskutieren Sie solche Sachen mit Ihrem Kumpel Bill Clinton?

Harrison Ford: Was? Bill Clinton ist mein Kumpel?

Morgenpost Online: Steht überall im Internet zu lesen.

Harrison Ford: So ein Quatsch. Wer sich das wieder ausgedacht hat. Nein, ich bin nicht mit Bill Clinton befreundet. Ich bin auch nicht einer, der sich politisch einmischen würde.

Morgenpost Online: Sie sind politisch nicht so interessiert?

Harrison Ford: Das habe ich nicht gesagt. Ich bin politisch wohl interessiert. Ich hole mir jeden Tag meine Informationen aus unterschiedlichsten Quellen. Ob analog oder digital, ist mir dabei völlig wurscht. Hauptsache, sie sind seriös. Ich mische mich nur nicht gern politisch ein. Ich habe auch noch nie eine Kampagne gemacht, nicht mal für "meinen alten Kumpel Billy".

Morgenpost Online: Wenn man mit den Regisseuren Ihrer Filme spricht, dann sagen die stets: "Er baut seine Rollen sehr handwerklich." Kommt das daher, dass Sie mal Handwerker waren?

Harrison Ford: Das nehme ich als großes Kompliment. Ich habe mich schon immer eher als Handwerker gesehen denn als großer Künstler. Schon der Ausdruck, dass ich meine Rollen baue, stimmt absolut. Aber dazu gehört eben auch Erfahrung. Die habe ich vor Jahrzehnten gebraucht als Schreiner. Und die sammle ich auch heute noch.

Morgenpost Online: Machen Sie sich heute – einfach aus Lust und Laune – selber manchmal noch Möbel?

Harrison Ford: Nein, das ist vorbei. Das ist wie Geigespielen: Erst macht man es jeden Tag, bis man es gut kann. Dann kommt eine Periode im Leben, in der keine Zeit mehr dafür ist. Wenn man dann nach zwanzig Jahren wieder zur Geige greift, muss man sich nicht wundern, wenn es eher nach Anfänger klingt.

Morgenpost Online: Da Sie gerade die Geige erwähnt haben. Da gibt es gute und weniger gute. Und dann...

Harrison Ford: ...wenn ich Ihnen den Satz an der Stelle schon wegnehmen darf. Ich lasse mich nicht in die Schublade der Meisterklasse, der Ikonen stecken. Ich hatte einfach Glück, bei einigen Produktionen dabei zu sein, die sich im Nachhinein als legendär herausstellten. Aber dass es zu diesen Zufällen kam, lag daran, dass ich meine besten Filme in einer für Hollywood tollen Zeit machen konnte. Und dass ich immer von Meistern des Fachs umgeben war.

Morgenpost Online: Apropos legendär: Letztens ging eine Meldung um, Sie würden sich dafür aussprechen, Indiana Jones sterben zu lassen.

Harrison Ford: Sehen Sie, das ist ein perfektes Beispiel dafür, wie verantwortungslos manche Leute im Internet Dinge verbreiten, für die es keinen Beleg gibt. Ich habe das nie gesagt und soweit ich weiß auch kein anderer Beteiligter. Das ist – entschuldigen Sie – totaler Bullshit! Momentan denkt niemand daran, Indy sterben zu lassen. Ich wollte mal eine klassische Filmfigur von mir sterben lassen. Das war – lang ist es her – Han Solo am Ende des dritten "Star Wars"-Films. Aber dafür gab es Gründe, die in der Geschichte lagen.

Morgenpost Online: Hätten Sie noch eine Richtigstellung für die Internetnutzer? Da steht oft: Die Ehe mit Calista Flockhart hat Sie verändert.

Harrison Ford: Wie Sie wissen, spreche ich nicht so gern über mein Privatleben. Deshalb nur soviel: Nein, das letzte halbe Jahr, seitdem ich mit Calista verheiratet bin, hat mich nicht verändert. Wir sind jetzt beinahe zehn Jahre zusammen und noch immer sehr glücklich.

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