ProSieben

Porno-Ping-Pong und andere nicht jugendfreie Sachen

Die MTV-Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf starten die Quizshow "Ahnungslos" auf ProSieben. Das kann peinlich werden.

Joachim "Joko" Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf gehen fremd: Vom 9. November an locken die beiden Moderatoren der anarchischen TV-Show „MTV Alarm" für ProSieben ahnungslose Passanten mit versteckter Kamera in eine Quizfalle. („Ahnunglos", dienstags, 22.45 Uhr). Es ist ein Schritt in Richtung Selbständigkeit.

Im Interview auf Morgenpost Online spricht Joko Winterscheid über Porno-Ping-Pong, die Lehrjahre bei MTV und das Leben danach.

Morgenpost Online: Joko, was steckt man in einen Toaster?

Joko Winterscheid: ... ääh, ich würde sagen, ein Toastbrot ....

Morgenpost Online: Bingo, 50 Euro. Die Frage stammt aus der Sendung „Oblivious“, dem Vorbild für die Quizshow „Ahnungslos“, die Du jetzt zusammen mit Klaas Heufer-Umlauf für ProSieben moderierst. Keine Angst, dass Ihr Eure Kandidaten unterfordert?

Joko Winterscheid: Nee, in den Umfragen tritt genau das ein, was ich gerade erlebt habe: Natürlich steckt man Toastbrot in einen Toaster, aber wenn man die Frage hört, ist man im ersten Moment überfordert. Man denkt: Nee, das können die jetzt nicht wissen wollen.

Morgenpost Online: „Ahnungslos“ ist keine gewöhnliche Quiz-Show. Du verkleidest Dich zum Beispiel als Türsteher, um arglose Passanten in ein Gespräch zu verwickeln und Ihnen 50-Euro-Fragen zu stellen. Musst Du Dich verkleiden, damit sich Deine Freundin am nächsten Tag noch zum Bäcker traut?

Joko Winterscheid: Nein, diese Rollen sind wichtig, um so eine Situation der Ahnungslosigkeit herzustellen. Wenn uns die Leute erkennen würden, würden sie sofort denken: Hier ist irgendwas faul. Wenn ich aber als Wasserphobiker mit fettigen Haaren, Badehose und Socken in Latschen im Schwimmbad hocke, erkennt mich hoffentlich keiner.

Morgenpost Online: Ihr habt in München und in Berlin gedreht. Hat Dich tatsächlich keiner erkannt?

Joko Winterscheid: Doch, in einer Szene war Klaas vermeintlich blind und ich sein Zivi. Ich stecke also in der krassesten Verkleidung, und da kommt eine Frau mit Kinderwagen auf mich zu und ruft: „Jokooo, wie geht‘s Dir?“

Morgenpost Online: Dass Du und Klaas Euch für keinen Gag zu schade sind, beweist Ihr seit 2009 in der Sendung „MTV Home“. Oder gab‘s doch mal Momente, wo Du Dich geschämt hast?

Joko Winterscheid: Ach, das Schämen steht an der Tagesordnung. Man muss nur darauf achten, jedes Mal einen draufzusetzen, damit sich der andere noch mehr schämen muss. Die Kamera ermutigt einen ja erst, eine Grenze zu überschreiten.

Morgenpost Online: Bekommt man einen Adrenalin-Kick?

Joko Winterscheid: Nee, man bekommt die Legitimation, sich danebenzubenehmen. Man vergisst die gute Erziehung von zu Hause.

Morgenpost Online: Erinnerst Du Dich ab und zu daran ?

Joko Winterscheid: Sicher. Bei mir zu Hause wurde zum Beispiel sehr viel Wert auf Tischmanieren gelegt. Ich habe zwei große Schwestern. Ihre Söhne, zehn und zwölf Jahre alt, dürfen nicht sehen, was ich bei „MTV Home“ mache.

Morgenpost Online: Warum nicht?

Joko Winterscheid: Weil der Onkel natürlich das große Vorbild ist. Und wenn ich dann mit einem Kamerateam, sagen wir mal, nicht ganz jugendfreie Inhalte produziere, müssen sie weggucken.

Morgenpost Online: Gerade da, wo es spannend wird?

Joko Winterscheid: Ja, gerade da. Ich glaube, meine Schwestern blenden aus, dass sich meine Neffen auf mtvhome.de alles in Ruhe angucken können ....

Morgenpost Online: Ein Passant hat das, was Sie bei „MTV Alarm“ machen, einmal als „Junggesellenabschied“ beschrieben. Wie würden Sie es einer 77-jährigen Oma erklären?

Joko Winterscheid: Wir leisten uns all das in der Sendung, was in den Augen einer 77-Jährigen keinen Sinn macht. Dabei hat vieles einen doppelten Boden. Ich habe zum Beispiel mal die Kreuzigung Jesu nachgespielt, um Jugendlichen das Thema Ostern nahezubringen. Dafür haben wir nicht nur von der Kirche richtig Ärger bekommen. Das Lustige war, dass mein Steuerberater meinte: Joko, dank Dir haben meine Töchter verstanden, was es mit Ostern auf sich hat.

Morgenpost Online: Du bist jetzt 31. Ist man da nicht bald schon zu alt für neckische Spiele wie Porno-Ping-Pong, oder Maskottchen-Catchen?

Joko Winterscheid: Warum? Ich darf einen Job ausüben, in dem ich tun und lassen kann, was ich will. Man rostet nicht ein im Kopf. Man bekommt ein feines Gespür für Trends. Ich darf sehr nah am Puls der Zeit arbeiten. Das Alter spielt eigentlich keine Rolle.

Morgenpost Online: „MTV Home“ ist die letzte in Deutschland produzierte Sendung für die deutsche Viacom-Tochter. Wer guckt sich das an?

Joko Winterscheid: Das Publikum reicht von Zehnjährigen bis hin zu deren Eltern, die sagen: „Ganz toll gemacht ...!“

Morgenpost Online: Nervt das nicht, auf der Straße wiedererkannt zu werden?

Joko Winterscheid: Doch, das ist eine Wirkung, die ich unterschätzt habe. Man kann nie so richtig privat sein ...

Morgenpost Online: ... und mit Jogginghose in die Videothek zu rennen ....

Joko Winterscheid: ... ach, das stört mich nicht. Ich war neulich erst in Jogginghose und dicker Jacke mit meiner kleinen Tochter in Friedrichshain unterwegs. Aber wenn man einmal in die Fänge von fünf Schulklassen gerät und 150 Kinder wollen jedes ein Foto und ein Autogramm haben, dann weiß man, was man aufgegeben hat. Aber es ist ja auch schön und part of the deal.

Morgenpost Online: Wirklich?

Joko Winterscheid: Ja, ich kann mich noch daran erinnern, wie ich als Kind mal den Nationalfußballspieler Bernd Schuster um ein Autogramm gefragt habe und der gesagt hat: „Jetzt nicht!“ Ich war zehn, für mich als Fan ist damals eine Welt zusammengebrochen.

Morgenpost Online: Ab Januar 2011 gibt‘s MTV nur noch im Pay-TV. Wer soll Eure Sendung dann noch sehen?

Joko Winterscheid: Eine ganze Menge. Alle reden nur davon, dass aus MTV dann Pay TV wird. Kaum einer nimmt wahr, dass der Schwestersender VIVA dann komplett umstrukturiert wird. Ich glaube, dass VIVA dann das coolere MTV wird. „MTV Home“ läuft dann übrigens sowohl auf MTV als auch auf VIVA.

Morgenpost Online: Wen interessiert das dann noch? Der Marktanteil von MTV beträgt schon heute nur 0,7 Prozent.

Joko Winterscheid: Das ist richtig. Ich glaube aber, dass es sich der Viacom-Konzern leisten kann, sich neu zu positionieren und MTV im Pay TV anzubieten. Den großen Werbekuchen teilen sich ProSieben, RTL und Sat.1. Der Rest muss sich mit den verbliebenen zehn Prozent zufrieden geben. Und da ist es verständlich, sich neue Einnahmequellen zu sichern.

Morgenpost Online: Wird das Internet dann noch wichtiger für Eure Arbeit?

Joko Winterscheid: Es ist heute schon wahnsinnig wichtig. Porno Ping Pong zum Beispiel, das Spiel, wo derjenige verliert, der als erstes über einen besonders schmutzigen Pornotitel lachen muss, kennt inzwischen sogar der Großonkel meiner Freundin. So eine große Reichweite hätten wir ohne das Internet niemals erreicht.

Morgenpost Online: Viele Eurer Nummern wirken, als hättet Ihr sie für das Internet produziert. Sie zielen auf den schnellen Lacher ...

Joko Winterscheid: Ja, allerdings würde ich nicht etwas machen, von dem ich nicht überzeugt bin. Dass das Porno Ping Pong so zünden würde, hätte ich nie gedacht. Der Dreh hat zwei Stunden gedauert. Und diese beiden Stunden haben unser Leben verändert.

Morgenpost Online: Inwiefern?

Joko Winterscheid: Auf der Straße sagen Dir wildfremde Menschen: „Porno-Ping-Pong, Hammer!“

Morgenpost Online: Ihr beide entwickelt jetzt für Endemol Deutschland Konzepte für neue TV-Shows. Würde der anarchische Humor von „MTV Home“ auch in der ARD funktionieren?

Joko Winterscheid: Er würde der ARD auf jeden Fall gut tun. Warum probiert man da nicht mal was Neues aus?

Morgenpost Online: Heißt das, dass Ihr Euer Brot vorerst auch weiterhin bei MTV verdienen müsst?

Joko Winterscheid: Was heißt hier müsst? MTV ist für uns mehr als nur ein Brötchengeber. Die MTVler haben Klaas in mein Leben gebracht. Alleine dafür werde ich ihnen immer dankbar sein.

Morgenpost Online: In Deutschland wurde das Musikfernsehen zum Karrieresprungbrett für eine ganze Reihe von Kollegen - unter anderem auch für Stefan Raab. Was kann man dort lernen, was man woanders nicht lernen konnte?

Joko Winterscheid: Man hat die Freiheit, sich auszuprobieren. Man darf man selber sein und wird nicht in ein Korsett gesteckt. So kann man seinen eigenen Stil entwickeln - und authentisch bleiben.

Morgenpost Online: Viva-Eigengewächs Stefan Raab gilt heute als der innovativste deutsche Produzent von Spielshows. Wann beerbst Du ihn?

Joko Winterscheid: (lacht) Darüber muss ich mal in Ruhe mit beim Bier reden, wie wir den Übergang regeln. (lacht) Nein, ehrlich gesagt, mache ich mir darüber gar keine Gedanken.

Morgenpost Online: Wo siehst Du Deine Zukunft im Fernsehen?

Joko Winterscheid: Ich sehe mich langfristig als Moderator einer klassischen Samstagabendshow. Oder im Motorsport, denn ich liebe die Formel 1. Von den Rennstrecken dieser Welt zu berichten, das wäre mein Traum.