Fitness-Pionierinnen

Musliminnen schwitzen in eigener Muckibude

„Männliche Besucher haben keinen Zutritt", steht an dem Fitness-Studio Hayat in Köln. Und das gilt sogar für Postboten. Das Hayat ist das erste deutsche Studio für Muslimminen – und dank strikter Regeln ein großer Erfolg. Die Besitzerin glaubt, dass das Beispiel in Deutschland Schule machen wird.

Foto: mgo/top / DDP

Bob oder Well-Fit mit Emine, Step oder Bauch-Spezial mit Yasmin, Laufen oder Rudern zu türkischer Popmusik. Im Kölner Multikulti-Viertel Ehrenfeld schwitzen Musliminnen im Fitness-Studio „Hayat“ auf dem Stepper, auf dem Trainingsrad oder bei der Po-Gymnastik mit Kopftuch. So manche zieht sich zwischendurch zurück in den Gebetsraum. Knappe Höschen, besonders figurbetontes Outfit oder nackte Haut sind nicht zu sehen. Das Fitness-Studio für muslimische Frauen besteht seit genau einem Jahr, ist eine garantiert männerfreie Zone und läuft erfolgreich, sagt Besitzerin Emine Aydemir.

„Es kommen viele Frauen mit Kopftuch her, die sind ja leider nicht überall erwünscht - aber hier treffen sie Gleichgesinnte und werden nicht angestarrt“, erzählt die 39-jährige Eigentümerin. „Es gibt bei uns auch keinen Körperneid - keine guckt, ob die andere vielleicht schöner ist. Die Frauen akzeptieren sich so wie sie sind.“ Anfang April 2007 ging Emine Aydemir mit dem „Hayat“ (“Leben“) an den Start, inzwischen hat sie 350 Kundinnen. 90 Prozent sind Türkinnen, es kommen aber auch Frauen etwa aus Marokko, Tunesien, Rumänien, Ägypten oder Deutschland. „Das Durchschnittsalter ist 30 Jahre.“

Laut Arbeitgeberverband der Fitness- und Gesundheitsanlagen DSSV gibt es bundesweit nur noch in Hamburg ein weiteres Angebot speziell nur für Musliminnen. In Ballungsgebieten sehe er durchaus eine Marktlücke, sagt DSSV-Hauptgeschäftsführer Refit Kamberovic. Emine Aydemir glaubt, dass einige Nachahmer in den Startlöchern stehen: „Es rufen viele Interessenten bei mir an und fragen ganz genau nach.“ Zum Rezept gehöre: „Kein Körperkult, sondern Spaß, Gesundheit und Austausch.“ Am Vormittag und ab dem späteren Nachmittag ist es rappelvoll im dem Kölner Trainingsraum.

„Ich war schon in einem anderen Frauen-Studio, aber da war ich die einzige mit Kopftuch und wurde immer komisch angeguckt“, berichtet die sportliche 27-jährige Hatice Aydin, die täglich kommt. „Ich musste mich immer auf der Toilette umziehen. Viele kennen unsere Regeln nicht und haben mich dann andauernd angestarrt.“ Der Islam verbiete den Frauen, sich von der Brust bis zum Knie nackt zu zeigen, erklärt Besitzerin Aydemir. Im „Hayat“ gibt es daher im Umkleide- und Duschtrakt nur Einzelkabinen. Wer in die Sauna geht, schlägt sich ein Handtuch um.

Sie habe sich als Sportbegeisterte oft gefragt: „Warum gibt es kein Studio nur für Frauen nach islamischen Regeln?“, fragt Aydemir. Das „Hayat“ stehe aber nicht nur Musliminnen offen. „Wir haben hier ein Miteinander der Kulturen und der Sitten, wir sind aufgeschlossen“, betont die 39-Jährige. Während die Mütter schwitzen, werden ihre Kinder in einem kleinen Spielraum betreut. Ehemänner sind dagegen selbst als Abholer tabu.

„Männliche Besucher haben keinen Zutritt ins Damenstudio“ steht unmissverständlich an der Eingangstür. Auch Techniker oder Postboten sind unerwünscht. Für die 29-jährige Gülay, die sich an einem Bauchtrainingsgerät abmüht, ist das der Hauptgrund ihres Kommens: „Ein Studio mit Männern kommt für mich nicht infrage. Wenn es hier Männer gäbe, würde mich das sehr stören, dann hätte ich keine Ruhe.“