Mit seinen Fotografien vor allem norddeutscher Kulturlandschaften prägte Heinrich Riebesehl schon früh einen neuen „dokumentarischen Stil“: Im Alter von 72 Jahren ist mit Riebesehl einer der bedeutendsten deutschen Fotografen der Nachkriegszeit gestorben.

Dies teilte das Sprengel Museum in Hannover, das das Archiv des Fotografen verwaltet, am Dienstag mit. Seit den 1970er Jahren hatte Riebesehl die künstlerische Fotografie in Deutschland maßgeblich geprägt. Er starb bereits am Sonntag.

Der aus dem Emsland stammende Riebesehl studierte an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen. Während dieser Zeit entstand die Serie „Lokomotiven“ (1963-1965) und auch seine berühmt gewordene Fotografie von Joseph Beuys, die den Künstler 1964 bei einem Happening mit erhobenem Arm, blutender Nase und einem Kruzifix in der Hand zeigt.

Riebesehl arbeitete zunächst auch als Fotojournalist, unter anderem in Hannover, wo 1969 seine Serie „Menschen im Fahrstuhl“ entstand, die ihn auch international bekannt machte. Mehr oder weniger versteckt hatte Riebesehl dafür seine Kollegen im Aufzug fotografiert.

Anfang der 1970er Jahre waren Riebesehls Bilder noch den Ideen eines „magischen Realismus“ verhaftet, doch im Lauf der Jahre ging er dazu über, seine Objekte ohne fototechnische Manipulationen abzubilden und eine nüchterne, möglichst wirklichkeitsgetreue Form der Dokumentarfotografie zu entwickeln. Aus dieser Schaffensphase stammen die berühmt gewordenen Fotoserien „Agrarlandschaften“ (1976-1979) und „Bahnlandschaften“ (1979-1997).

1972 gründete Riebesehl mit anderen Fotografen in Hannover die „Spectrum Photogalerie“, eine der ersten Fotogalerien in Europa, die später in das Sprengel Museum integriert wurde. Riebesehl lehrte auch als Fotografie-Professor in Hannover. Für sein Werk wurde er unter anderem mit dem Kodak-Fotobuchpreis, dem Sprengel Preis für Bildende Kunst und dem Niedersächsischen Kunstpreis ausgezeichnet.

dpa/fp