ProSieben-Comedy

So fies und faul ist der neue Stromberg

| Lesedauer: 3 Minuten
Jan Dräger

Mann, ist der Mann ätzend: Bernd Stromberg. Auf ProSieben startet der Büro-Fiesling, gespielt von Christoph Maria Herbst, mit seiner neuen Staffel und reißt natürlich wieder die gemeinsten Sprüche. Doch dieses Mal scheint es, als bekäme Stromberg endlich die Retourkutsche, die er schon lange verdient.

Karriere machen nur die Fiesen und Faulen. Und natürlich die, die nach unten treten, aber ihrem Vorgesetzten schnurrend auf dem Schoss sitzen. „Karriere“, sagt Bernd Stromberg, „ist wie Tour de France. Entweder du fährst mit Schweineblut oder mit Windschatten. Immer schön knapp am Arsch vom Vordermann.“ Nach 30 Folgen, fast 800 Fernseh-Minuten, nach fünf Jahren, macht Stromberg (Christoph Maria Herbst) endlich Karriere. „Der Papa wird hier bald richtig was“, kündigt er zum Start der neuen Staffel am 3. November (ProSieben, 22.15 Uhr) an. Bei der Capitol-Versicherung soll aus dem stellvertretenen Leiter der Schadensregulierung endlich der Gesamtleiter werden.

Sprechen wir nicht von den Marktanteilen der „Stromberg“-Serie, zumindest scheinen sie gut genug, dass nun am 3. November die vierte Staffel startet. Lieber sollte man sich freuen, dass es in der schnelllebigen Fernsehlandschaft gelungen ist, Stromberg zu institutionalisieren.

Natürlich gibt es auch hier wie bei fast allen ein Vorbild, es ist die britische Erfolgsserie „The Office“. Aber mit Christoph Maria Herbst als sadistischen Büro-Chef und den anderen hervorragend besetzten Rollen kann man ruhig sagen: Idee geklaut, aber wir haben was ganz eigenes daraus gemacht. Den höchsten Ritterschlag hat die Sendung dadurch bekommen, dass es sogar eine Parodie auf sie gibt. Statt Stromberg benimmt sich da allerdings eine Hitler-Figur im Büro daneben.

Was aber passiert, wenn der „Stromberg“-Autor Ralf Husmann seinen Protagonisten tatsächlich Karriere machen lässt? Es muss schief gehen. Denn seriöser wird Stromberg nicht, sondern noch peinlicher als in den vergangenen Folgen. Er hat Sex im Büro, er beleidigt den Kantinen-Koch und was vielleicht am schlimmsten ist: als seinen Nachfolger sucht er sich ausgerechnet den unbedarften, lethargischen Ulf Steinke aus. Der ist genauso wenig auf Arbeit aus wie Stromberg selbst. Seine tapfere Freundin Tanja Seifert stellt dann auch leicht verbittert fest: Ulf hat nie was richtig auf die Reihe bekommen. Eigentlich würde sie den Job gern selbst haben, aber sie ist eben nicht fies und faul.

Aber natürlich wäre Stromberg nicht Stromberg wenn die ganze Karriere-Blase nicht platzen würde. Schon die Küchenkünste des Kochs hätte er nicht mit dem Spruch „Schmeckt wie Oma unterm Arm“ kommentieren dürfen. Stromberg landet nicht einen Stock höher, sondern in Finsdorf. Finsdorf? Hier gibt es keinen Firmenparkplatz, nur ein kleines Büro in einem grauen Haus.

Davor rattert mal ein Traktor vorbei oder ein Hund schleicht über die Straße. Kurzum: Finsdorf, das ist wie von der Bundesliga direkt in die Kreisklasse abzustürzen. Stromberg hat nur noch zwei Mitarbeiter: den harmlosen Achim Dörfler und Frau Prellwitz, die eigentlich aus Polen kommt („da muss man die Kamera festhalten“).

Auch in der neuen Staffel zeigt Stromberg keine Ermüdungserscheinungen. Selbst wenn er Spucknäpfe reinigen müsste, würde er das noch Karrierechance ansehen, dazu ist er zu sehr Autist und Optimist. Auf den ganz tiefen Fall müssen die Zuschauer wohl noch warten. Seine neue Situation kommentiert Stromberg ganz nüchtern: „Sieht aus wie ein Sargdeckel, könnte aber auch ein Sprungbrett sein.“